Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 171
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Zur „Lade Jahves“.*)

In den Theologischen Arbeiten N. F. IV i —45 hat Herr Prof. Meinhold
meine in der Schrift „Über vorhellenische Götterculte“ aufgestellte Hypothese,
dass die Lade Jahves ein alter leerer Götterthron gewesen sei, aufg-enommen und
durch gewissenhafte Prüfung der einschlagenden Stellen des A. T. die Zulässig-
keit dieser Hypothese zu erweisen gesucht. Bei dem allgemeinen Interesse, das
die Sache beansprucht, und der Wichtigkeit ihrer historischen Consequenzen glaube
ich dem gelehrten Verfasser meinen Dank für seine Förderung nicht besser aus-
drücken zu können, als indem ich auch öffentlich, wie ich es kurz brieflich gethan,
die letzten Punkte auszugleichen unternehme, die seine Ansicht von der meinen
noch trennen.

Herr Prof. Meinhold sagt S. 4, Anm. 1: „Es ist ein schwerer methodischer
Irrthum, wenn Reichel . . . bei der Besprechung der Bundeslade von Ex. 25, 8 ff.,
also von der Beschreibung in dem Priestercodex ausgeht.“ Ich könnte mich
beschränken, hierauf zu erwidern, dass ich ja kein Bibelforscher und in die schwierige
Frage nach dem Alter der einzelnen Quellen ganz und gar nicht eingeweiht bin;
dass ich deshalb einfach diejenige Stelle vornahm, die mir das sachliche Ver-
ständnis des Gegenstandes zuerst vermittelte, und dass ich sie deshalb sogar mit
Bewusstsein in Luthers Übersetzung wiedergab. Aber ich will doch noch mehr
sagen.

Dankbar nehme ich die Belehrung entgegen, wie für diese Frage die Quellen
nach ihrem Alter zu ordnen und zu prüfen sind, und erkenne selbstverständlich
an, dass das Wesen eines alterthümlichen Objectes um so lauterer zu beurtheilen
ist, je höheres Alter der betreffenden Nachricht zukommt. Wenn ich jedoch nicht
nur wissen will, was, sondern auch wie die Bundeslade war, wie sie aussah, welche
Form und Gestalt sie hatte, wo finde ich darüber Auskunft? Im Priestercodex
und sonst nirgend! Also hatte ich auch aus diesem Gesichtspunkte Recht, den
Priestercodex heranzuziehen.

Herr Prof. Meinhold meint freilich, der Priestercodex gebe darüber nicht die
richtige Auskunft. Er sagt S. 35: „Falsch ist es auf jeden Fall, wenn Reichel

*) [Diese letzte Arbeit des verewigten Dr Reichel
erscliien erstmals in den Theologischen Arbeiten aus
dem rheinischen wissenschaftlichen Predigervereine
N. F. Heft V 28 ff. Um sie auch archäologischen
Kreisen zugänglich zu machen, bringen wir sie mit
freundlicher Einwilligung der Redaction hier zum

Neuabdrucke. Herr Prof. Meinhold hat mittlerweile
zu dem Probleme nochmals Stellung genommen mit
dem Nachweise, dass die Deutung der Bundeslade
als kastenförmiger Jahvesitz sich mit der biblischen
Überlieferung bestens vertrage (Theolog. Studien und
Kritiken 1901 S. 593 ff.). O. B.]

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