Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 159-160
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iöo

I52 m vSeitenlänge. Ich halte es daher für wahrschein-
lich, dass beide Castelle, die nördlich und südlich
den Beginn der Passtraße schiitzen, in derselben Zeit
gebaut sind.

Die Mauern des Castells von St. Gertrud sind,
wie ich mich iiberzeugt habe, ebenso ausgefiihrt wie
die von Haidenschaft, 60) können also zeitlich nicht
weit von diesen getrennt werden. Dasselbe scheint
auch fiir das Castell von Gruden und die Sperr-
mauern bei Hrib zu gelten. Mich selbst davon zu
vergewissern, hinderte mich leider das Eintreten
ungünstiger "Witterung.

Ich denke mir die Entstehung des Befestigungs-
systems- also folgendermaßen:

I. Emona in augusteischer Zeit.

2. Castell und Sperrmauern von St. Gertrud
etwa in constantinischer Zeit, denn sie sind vor 333
errichtet (Hierosol.), aber nicht viel frülier wegen
ihrer Bauart.

3. Die Castelle von Haidenschaft und Hrib nach
333 (Hierosol.), aber wahrscheinlich nicht viel später
wegen ihrer Ähnlichkeit mit anderen Castellen der
constantinischen Zeit.

4. Die Sperrmauern bei Hrib und das Castell
von Gruden mit seinen Sperrmauern nacli 351, da
Iulian nur ein tsIxo£> die Mauer von St. Gertrud,
kennt; aber nicht viel später wegen der Bauart.
3 und 4 könnten möglicherweise zur selben Zeit
hergestellt sein.

Graz. OTTO CUNTZ.

Aus Südistrien.

I. Die römischen Hafenanlagen von Val Catena
auf Brioni grande.

Die Durchforschung der beiden größten Eilande
der Brioni-Gruppe, Brioni grande und minore 1) ergab
für folgende Örtlichkeiten antike Besiedelung:

An der Ostküste von Brioni grande:

1. Gebiet um Val Catena (Hafenanlagen, Villen
sammt Zubauten, Wasserversorgungsanlagen).

2. Monte Castellier (Cisterne, Brunnenschacht,
Mauerzüge, Kleinfunde).

3. Porto di Brioni (römisclie Wasserleitung
zwischen dem Monte Castellier und Hafen, Ziegel-
pflaster, Mauerzüge).

4. Val Torre (Mauerzüge; die übrigen Ruinen
sind größtentheils mittelalterlich). •

An der Westküste von Brioni grande kommen
in Betracht:

I. Das Gebiet am Porto buon (In den Ruinen
mittelalterlicher Befestigungen: römische Cisterne,
Gewölbe, Mauerzüge).

2. Der Hügelzug, der von der Bucht Aqua salsa
gegen Val Torre streicht (Baureste).

3. Peneda (Mauerzüge).

Auf Brioni minore breitete sich eine römische
Ansiedelung am Ufer des Porto .St. Nicolo aus. 2)

Von allen diesen Fundstätten erwies sich an zu-
tage stehenden antiken Bauresten am ergiebigsten
das Gestade von Val Catena, das sich als der Pola
nächst gelegene Ankerplatz und nach seiner gegen
Süden offenen, gegen Norden durch den Höhenzug
des Moribuon geschützten Lage als das natürliche
Emporium der Insel darbot. Bisher nur nach einzelnen
Bautheilen aufgenommen und beschrieben, scheinen
mir dessen antike Anlagen eine zusammenfassende
Behandlung zu fordern und zu lohnen.

Am Nordgestade ergaben Nachforschungen in
beträchtliclier AusdehnunghinziehendeSubstructionen,
ferner Mosaikböden, die von römischen Landhäusern
und deren Zubauten herrühren. Aus den Grund-
rissen lassen sich nach Unterschieden in der Anlage

60) Ein Stiick des östlichen Mauerzuges in der
Nähe der Straße war durchschnitten und gut sicht-
bar. Vgl. auch Müllner a. a. O. 125.

*) Vgl. Jalireshefte Beibl. 1900 Sp. 198 ff. Gnirs,
Röm.Wasserversorgungsanlagenim südl.Istrien (Progr.
d. M.-U.-R. in Pola 1901) 19 ff. Brioni ist nach den
Angaben der Tab. Peut. und des Plinius (III 30) nicht,

wie bisher allgemein angenommen wurde, mit der
römischen Insel Pullaria, vielmehr mit Ursaria gleicli-
zusetzen. Vgl. Gnirs, Das Gebiet der Halbinsel Istrien
in der antiken Überlieferung (Progr. d. M.-U.-R. in
Pola 1902) 28.

2) Vgl. Mitth. d. C. C. N. F. XXVII 129 fr.
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