Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 43-44
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Professor der Medizin an der Universität Leipzig,
Christian Gottlieb Ludwig, 2) der zum Theil auf einem
anderen Wege reiste, in Handschrift n. 622 der
Leipziger Universitätsbibliothek niedergelegte Schil-
derung dieser Reise 3) bis in die neueste Zeit gänz-
lich unbeachtet geblieben. Erst in den Mittheilungen
des Vereins fiir Erdlrunde zu Leipzig vom Jahre
1902 werden die wertvollen Naclirichten, die jener
in völlige Vergessenheit gerathene Reisebericht Lud-
wigs in Bezug auf eine ganze Reihe wichtiger geo-
graphischer, physikalischer, naturwissenschaftlicher
und ethnographischer Fragen enthält, von ITerrn
Martin Große in dankenswerter Weise mitgetheilt.
Über die zahlreichen lateinischen Inschriften, die
Ludwig, obwohl ein Mann der realen Wissenschaften,
gleich seinem Kollegen Hebenstreit während seiner
Reise eifrig gesammelt und in seinem Reisedoku-
mente sorgfältig verzeichnet hat, kurz zu berichten,
hat dagegen Herr Große freundlichst mir iiberlassen.

Im ganzen gibt Ludwig in seiner Schrift zwei-
undfünfzig lateinische Inschriften im Wortlaute wieder,
von denen folgende vierzig bereits bekannt sind:
Observationes S. 39 stehen: CIL VIII 6957 und
7630; S. 40: VIII 7462; S. 41: VIII 7155 und
7570; S. 46: VIII 7124; S. 48: VIII 5499 und
Ädd. 10845; S. 55: VIII 4861, 4869 und 4870;
S. 57: VIII 4799, 4800 und 4807; S. 87: VIII
10115; S. 112: VIII 948; S. 116: VIII 963 b, c, d;
S. 117: VIII 945 und 964; S. 139: VIII 55; S. 154:
VIII 97, 98 b, 101 b, 120 a, b, c, d, i, 10029; S. 157:
VIII 10514; S. 158: VIII 210; S. 159: VIII 211,
214, 215 und 216; S. 160—163: VIII 212 und 213;
S. 164: VIII 217 und 218; S. 165 —166: VIII 228
und 232; S. 169: VIII 924; S. 171: VIII 922;
S. 172: VIII 926; annotationes S. 209: VIII 80.

Eine Vergleichung der Abschriften Ludwigs mit
dem im Corpus Inscriptionum Latinarum veröffent-
lichten authentischen Wortlaute dieser vierzig In-
schriften zeigt, dass Ludwig zwar, wie es von einem
Laien nicht anders zu erwarten ist, manchen Buch-
staben und manches Wort unrichtig gelesen, im all-
gemeinen aber dielnschriftentexte nicht ohne Verständ-
nis und Sorgfalt copiert hat. Wiederholt verlesen hat
er sich beispielsweise bei CIL VIII 212, 213, 4800,
10115, andererseits aber bei CIL VIII 211, 214—
217, 924 außerordentlich gut abgeschrieben. Bei
zwei Inschriften ist es sogar möglich, auf Grund von
Ludwigs Apographon den ursprünglichen Wortlaut
derselben in Einzelheiten wiederherzusteilen und da-
durch die im Corpus Inscriptionum Latinarum an-
gegebene Lesung zu verbessern. So Iautet die In-
schrift CIL VIII 7570 bei Ludwig auf S. 41 der
Observationes:

M.MACNIVS
FELIX QVIET 4)
SECRETIVS
VIXIT AN.XXXX

während

Peyssonnell

M. M ACHENTIVS
FELIX QVIET
SECRETI VS
V I X A N XXV

Shaw

M.MAC NIIVS..
F E L I X QVIRIT . .
SECR. ETIVS..
VI X. AN. XXXX

heraus, vgl. Bd. IX 299fr.; X 415 ff.; XI 359 ff.;
XII 389 ff. Schließlich handelte von Weber im
Archiv für die Sächsische Geschichte (III 3 ff.) aus-
führlich von den im Hauptstaatsarchiv zu Dresden
(Mscr. n. 2T99, 389 f., iöiff.) befindlichen „Schriften
von dem nach Afrika gehenden Hebenstreit“. Vgl.
dazu AVilmanns Ausführungen im CIL VIII p. XXV.

2) Vgl. über denselben Heß, Allgemeine deutsche
Biographie XIX 600.

3) Betitelt ist Ludwigs Schriftstück: „Observa-
tiones miscellaneae durante itinere Africano scriptae,
in quibus fata praecipua itineris nostri continentur,
et observationes varii argumenti, historiam Barbariae
explicantes, ut et ad historiam naturalem et rem

medicam spectantes contentae sunt, adnexis variis
annotationibus posticis etc.

Inceptae

mense Septembri 1731.
Finitae

mense Septembri 1733.

Christian Gottlieb
Ludwig
Brega Silesius
phil. et med. stud.
anno MDCCXXXI
mense Septembri.

Von dieser Reise handeln übrigens aucli Briefe
Ludwigs an Gottsched, die gleichfalls die Leipziger
Universitätsbibliothek (Mscr. n. 1274 u) besitzt.

4) Der Mann heißt demnach: M. Magnius Felix,
qui et Secretius scil. vocatur.
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