Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Die beiden Psephismen — die ersten aus Syme — scheinen zeitlich nicht
weit auseinander zu liegen. Im wesentlichen sind die Buchstabenformen gleich,
doch sprechen einige Elemente für die spätere Zeit von n. 6: am deutlichsten
die Form des Pi, die sich der gleichschenkeligen nähert (besonders Z. 6); aber
auch E gegen E in n. 5 lässt sich dafür geltend machen, O und O sind ihrer
Größe nach viel mehr den anderen Buchstaben angeglichen, der untere Quer-
strich in K fällt herab, die schrägen Hasten in Y gehen mehr auseinander, A ist
schmäler und steiler.

Besondere Aufmerksamkeit verdient in n. 5 das M. Es ist schmäler als in
n. 6 und an mehreren Stellen (Z. 1 in oapcopyoö, Z. 4 in AuxojiTjSrjj) rückt die linke
schräge Haste so nahe an die rechte senkrechte heran, dass man ein Ny zu
sehen glaubt; darum möclite ich mit Paton in n. 5 Z. 6 "AjJLtog J) für die richtige
Lesart halten. Ob davor ’Ayaü'Wvo? sicher ist, kann ich freilich nicht mit aller
Gewissheit behaupten. Z. 2 glaube auch ich [|i]avös, nicht [[Qvjvog lesen zu sollen.
Z. 16 lassen die Reste rwt] arafotwi vermuthen, weshalb die Ergänzung in Z. 15
zweifelhaft bleiben muss, da sie zu viel Platz beansprucht.

In der Zeilenabtheilung deckt sich der epigraphische Befund durchgeliends
mit dem Princip der Silbentrennung (vgl. A. Wilhelm, Jahreshefte I 153). Be-
achtenswert ist das Fehlen des t in xaü'fj n. 6 Z. 4 bei sonst constantem Gebrauch
des t adscriptum (vgl. Müllensiefen bei Collitz III n. 361g zu Z. 10 und zu n. 3705).

Die Buchstabenformen führen auf das zweite Jahrhundert v. Chr. Dass Syme
in dieser Zeit rhodischer Besitz war, ist nicht bezeugt, aber wahrscheinlich (vgl.
Gelder, Gesch. der alten Rhodier 184). Es muss daher der Efwägung anheim-
gestellt werden, ob die aüpwaig in n. 6 Z. 2/3 nicht auf die Bestätigung des Be-
schlusses durch ßouXv] und Svjjjiog von Rhodos zu beziehen, also nicht im Sinne von
,Beschluss‘ zu fassen ist. Deutlicher würde dies, wenn wir über die Reihenfolge

oax . . ß (?) 0.[6 os aywvo-

D'jexa; 6 ev xoig Txpaxot5 cHp[ayAetoig pexa x]äv [nö-
pwatv xoOSe xoö Jiacptapafxoi; ävayopeua]äxw ev
xwt, axaotwt, eixei y.a-9'Vj xov äyöiva, y.ai ävaaapu-
5 ^äxw S[xo x]6 yotvov xcöv ev S6[[r]at y.axotyvOuvxwv
eixatvei xai axeqjavot ^puaewt axecpävwt Aptaxocpävij
’Aptaxotpäveus 7xoXtxav äpexäi; evexa yai cptXo-
oo^tag, av eywv StaxeXet ei? x6 yotvov xwv e[v S]u-
pat y.axoty.ouvxwv, xai xa$ 7xoxi xoöj 9-eoöip euaeßetap.

der rhodischen Monate genauer
unterrichtet wären. Denn in
n. 6 Z. 2 wird die Verkündi-
gung in Aussicht gestellt ev xot$
xpäxotq 'Hp[axXetotg [xexä x]äv [xti]-
pwatv, in n. 5, wo doch mit
Rücksicht auf die zeitliche
und inhaltliche Verwandtschaft

4) H. van Gelder, Gesch. d. alten
Rhodier 219.

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