Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Auch das dritte Gemälde in dem Zimmer der casa del citarista (Helbig
n. 1401, Arch. Zeitung 1866 Taf. CCV) weist auf ein Original des vierten Jahr-
hunderts zurück und zeigt ähnliche Beziehungen zu den großen attischen Grab-
reliefs wie das Ares-Aphroditebild. Die mittlere Figur; ein Barbarenkönig auf
hohem Throne, lässt sich mit vielen von den sitzenden männlichen und weiblichen
Gestalten der Reliefs, wie z. B. den bei Conze Taf. ; XL oder CXXXVI ab-
gebildeten, vergleichen und hat — auch in der Form und Schrägstellung des
verkürzt gezeichneten Sessels — genauer entsprecliende Analogien in den Dar-
stellungen thronender Figuren auf den ?Tarentiner‘ Prachtamphoren aus Canosa,
die den Reliefs zeitlich nahe stehen.

Bei der von einem Doryphoros gefülirten Figur des Bittflehenden, der vor
dem König steht, Binde und Lorbeerzweig in den Händen, wird man sich leicht
einer Darstellung wie der des Jüng'lings auf dem Leidener Relief Conze n. 938
Taf. CLXXXVII erinnern; in dem rechts Stehenden aber; dem sich der König
zuwendet, erscheint wieder eine der hohen, mächtigen Gestalten, wie sie in dem
Bilde des Jünglings auf dem Grabmal vom Ilissos und in den sich an dieses in
langer Reilre anscliließenden Reliefs verkörpert sind. Auch auf diesem Gemälde
ist die obere Hälfte der Fläche über den Figuren, in denen die Isokephalie
gewahrt ist; mit einem landschäftlichen Motiv, liier ein Zelt und eine hallenartige
Anlage und weiterhin Zelte, ausgefüllt, das gerade so wie auf dem Ares-Aphrodite-
bilde von dem Copisten hinzugegeben sein wird.

So schließen sich die drei Gemälde der casa del citarista; die in der Auswahl
der behandelten Stoffe in keiner erkennbaren Beziehung zueinander stehen; durch
gemeinsame Abhängigkeit von Vorbildern der Malerei des vierten Jahrhunderts
zu einer Gruppe zusammen. Man möchte vermuthen, dass dem pompejanischen
Maler zu ihrer Vereinigung in ein und demselben Raume des Hauses ein schon
ursprünglicher Zusammenhang der Originalwerlce; der außer in der Entstehung
zu gleicher Zeit etwa in dem Hervorgehen aus gleicher Kunstschule bestanden
haben könnte, den Anlass gegeben hat.

Innsbruck. FR. WINTER.

in 316 stehend gebildet ist, sind weggelassen. Für
die Frage nacb dem Original des Gemäldes der casa
del citarista sind diese Stücke völlig wertlos, denn
sie liängen ohne Zweifel nur von diesem letzteren
ab und baben zu dessen Vorbilde keine unmittelbare

Beziebung. Fiir 317 beweist das zum Überfluss der
über dem Paare scbwebende Eros. Die iibrigen aus
Pompeji zahlreich erhaltenen Darstellungen der
Liebesvereinigung der beiden Gottbeiten geben auf
eine andere Quelle zuriick.

Jahresbefte des österr. archäol. Institutes Bd. V.

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