Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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Form der lateinischen Buclistaben passt zu der Aug-usteischen Frühzeit; ob das
P in Z. 2 wirklich g-anz g-eschlossen ist und ob nach C in Z. i und F im Z. 2
keine Punkte gestanden haben, kann ich, da mir der Abklatsch nicht vorliegt
und Professor v. Hiller auf Reisen ist, nicht feststellen.

Der lateinische Text geht, wie das der Regel entspricht, dem griechischen
voraus; eine Übersetzung des Wortes tesserariarum ist nicht versucht worden,
wie ja auch Plutarch (Galba c. 24) tesserarins durch Teaaspapto? wiedergegeben hat.
Das Amt eines praefectus tesserariarum in Asia navium ist nicht nur unbezeugt,
sondern findet 'auch keine Analogie in den zahlreichen Inschriften römischer
Flottenofficiere. Unter tesserariae naves können wohl nur Schiffe verstanden
werden, die bestimmt waren, die Parolen, d. h. in weiterem Sinne officielle De-
peschen des Statthalters und anderer Behörden zu überbringen. Am nächsten
liegt es, damit eine im Jahre 1874 gefundene Inschrift eines Freigelassenen des
Hadrian zu vergleichen, der, anscheinend in Ostia, das Amt eines procurator
pugillationis et ad naves vagas bekleidet hat, das Henzen (Bull. d. inst. 1875 p. 12)
gewiss mit Recht auf den Depeschenverkehr auf dem Mittelländischen Meer be-
zieht. Er erinnert dabei an die Alexandrinae naves bei Seneca (epist. 77), quae
praemitti solent et nuntiare secuturae classis adventum: tabellarias vocant, die ihren
Weg über Capri nach Puteoli, dem großen Hafen für den orientalischen Verkehr,
nahmen und, wie ihr Name wahrscheinlich macht und aus den Worten Senecas quod
epistulas meorum accepturtis non properavi scire quis illic esset rerum mearum status,
quid adferrent hervorgeht, auch dem privaten Briefverkehr gedient haben. — Da-
gegen wird man in der ctirsoria navis, auf der Sidonius (epp. I 5) von Ticinum den
Po herunterfuhr, wohl nur ein locales Passagierschiff zu erkennen haben.

Zu diesen dürftigen Nachrichten für den Postverkehr zu Wasser tritt als
wertvolles, aber leider zu karges Zeugnis die bilingue Inschrift von Tenos hinzu,
aus der hervorgeht, dass für den Depeschenverkehr in Asien und auf den zu
Asien gehörigen Inseln 1) zur Zeit des Augustus eine eigene Flottille mit einem
Präfecten an der Spitze organisiert war. Zunächst wird man dabei an einen Unter-
beamten des Proconsuls von Asien zu denken geneigt sein; aber man wird doch
in Erwägung zu ziehen haben, ob es sich hier nicht vielmehr um ein vorüber-
gehend bei einer bestimmten Gelegenheit eingesetztes Amt handeln dürfte. Ist die
Inschrift wirklich, wie man nach der Schrift zu schließen berechtigt scheint, der
des Varus gleichzeitig, so liegt es nahe, an den Aufenthalt des Augustus in

*) Hiller v. Gaertringen, Jahreshefte IV 168; für die Zugehörigkeit der Inseln zu Asien zu
allerdings ist die Yarusinschrift niclit als Beweis verwerten.
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