Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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stilistischen Entwickelung - ein Licht werfen. Besonders lehrreich ist das Ergfebnis
für die Fibeln, deren Formen ich an einigen Terracotten erkannt zu haben glaube.

Der Reiz dieser alten Thonbilder besteht in der gewissenhaften Treue, mit
der die Hand des Bildners den Schmuck der gewöhnlich als Idol sich darstellenden
Frauen wiederzugeben sich bemühte, gleichsam als ob er durch die sorgfältige
Bildung der todten Details seine Unfähigkeit, dem menschlichen Körper gerecht
zu werden, hätte ausgleichen und beschönigen wollen. Die Idole tragen meistens
sehr reichen Kopfputz, Ohrgehänge, Halsringe, Fibeln und Brustschmuck, eine
Überladung, wie sie für primitive Culturstufen so oft charakteristisch ist.

An vielen Terracotten erscheinen auf den
Achseln der Idole merkwürdige aufgeklebte
Thonstücke, deren Bedeutung als Fibeln unver-
kennbar ist, da sie an einigen besser erhaltenen
Exemplaren derart gestaltet sind, dass sie mit
bronzenen Fibelformen sicher identificiert werden
können. Diese Übereinstimmung soll im Nach-
stehenden an vier Typen nachge-
wiesen werden.

i. Fig. 59. Idol aus dem He-
raion von Argos (Museum in Athen,

Heraionsaal Schaup. 207), bis auf
die beschädigten Armstümpfe voll-
kommen erhalten — ein instructi-
ves Exemplar desjenigen Typus,
der durch den zum Stehen be-

stimmten Pfeiler stark noch an mykenische Idole erinnert. Die Brust wird durch
vier horizontallaufende dünne Streifchen geziert, von denen zwei glatt, ein mittleres
gewunden, das oberste wellenartig modelliert ist. Aus dem Vergleich mit anderen
Figürchen desselben Fundes, die ähnlichen Brustschmuck tragen, geht hervor,
dass die Streifen als eine an dem obersten Rande des Gewandes angebrachte
Zierat anzusehen sind. Gleiche Thonaufsätze erscheinen nun auch über den
Achseln, wo der vordere Theil des Gewandes mit dem hinteren zusammenläuft,
und können daher nur zur Befestigung der beiden Gewandtheile dienen. Ihre
Form aber, obwohl fragmentiert an diesem Exemplare, besteht deutlich aus zwei
spiralartigen Einwindungen, die an die bekannten doppelspiraligen Fibeln erinnern. 1)

Fig. 59

Idol aus dem Heraion vori Argos.

Fig. 60
Von einem
argivischen
Terracottaidol.

l) Olympia IV Taf. XXI 359.
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