Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 37-38
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wasserdicliten Putz und unterhalb der Kämpfer keine
Thüren oder Fenster aufweist. Die ursprüngliche
Bestimmung zur Wässeraufnahme unterliegt keinem
Zweifel, wenn der Putz in einer passend gelegenen
wagrechten Ebene — der Höhe des höchsten Wasser-
spiegels — aufhört. Soweit die Photographien die
Beschaffenheit der Innenleibungen erkennen lassen,
scheint nun das aufgenommene Bauwerk thatsächlich
eine Cisterne oder einen Beliälter gebildet zu haben*
Seine Datierung ist, da es keine ausgesprochenen
Kunstformen besitzt, ohne anderweitige Behelfe
schwierig: immerhin kann man sich darauf stützen

1. dass die für die Pfeiler und ihre Capitäle
benutzten Werkstiicke eigens für diesen Bau herge-
stellt und nicht von fremden Trümmerstätten heran-
geschleppt worden sind,

2. dass die Pfeilercapitäle als byzantinische
,Kämpfercapitäle‘ (Trichtercapitäle) aufgefasst werden
können, welche von der bekannten Form nur des-
wegen abweichen, weil sie auf viereckigen Pfeilern
statt auf Säulen ruhen,

3. dass man zur Überdeckung Bruchsteinkreuz-
gewölbe, aus sicli durchdringenden Tonnengewölben
gleicher Spannweite bestehend, verwendete.

Die Kämpfercapitäle sind nach Strzygowski (sieh
Forchheimer und Strzygowsld, Die byzantinischen
Wasserbehälter von Constantinopel, Wien 1893 S. 216)
zur Zeit Iustinians entstanden, und es ist sogar wahr-

scheinlich, dass ein Behälterbau in Byzanz (vielleicht
der von 528 n. Chr.) ihre Erfindung veranlasste.
Allerdings schließen sich in den Beliältern Constanti-
nopels die Gewölbe ohne Rücksprung an die Kämpfer-
capitäle an, während in Kösten die Capitäle vor den
Gewölben vortreten, deren Leibungen in der Yer-
längerung der Pfeilerfluchten auf den Capitälen auf-
sitzen. Diese Abweicliung lässt sich aber dadurch
erklären, dass, wie das Bild der abgestürzten Zwickel
Fig. 10 zeigt, offenbar unter römiscliem Einfluss und
im Widerspruche mit der orientalischen und byzan-
tinischen Gepflogenheit freihändigen Wölbens, in
Kösten die Gewölbe über wagrechten Schalbrettern,
die von Lehrbögen unterstützt sein mussten, ge-
mauert worden sind, wodurch oberhalb der Capitäle
ein Rücksprung für das Aufliegen der Lehrbögen
nothwendig wurde. Die Gewölbe selbst sind im Yer-
trauen auf die Festigkeit des Mörtels aus recht un-
regelmäßigen, kleinen Bruchsteinen hergestellt, also
ohne jene Sorgfalt, die man in classischer Zeit be-
ziiglich der Steinlagen für nöthig hielt. Hiernach
diirften die Gewölbe frühestens im vierten Jahrhundert
n. Chr. entstanden sein, ohne dass sie gegen eine weit
spätere Datierung, z. B. in das sechste, sprächen.“

Etwas tiefer im Dorfe ist eine in der Construc-
tion identische, etwas kleinere Cisterne noch heute
im Gebrauch.

Smyrna FR. V. v. HOLBACH.

Fig. 10 Abgestürzter Zwickel der Cisterne auf Kösten.
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