Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 141-142
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142

X4 J

auf der Peutingersclien Tafel nocli im Itinerarium
Antonini und Hierosolymitanum. Während das It.
Ant. nur zwei Stationen zwischen beiden Städten
bietet, ist das Hierosol. viel reicher und zerlegt die
Strecke in kleinere Theile, ein Verhältnis zwischen
beiden Quellen, das fast überall zu beobachten ist.
Ich gebe hier den Text des Hierosol. vier Stationen
über Emona hinaus: 2)

559, II ciuitas aquileia — — —

14 mutatio ad undecimum

560, I mutatio ad fornolus

furnolus V

557, II mansio fluuio frigido
frigdo P

560, 2 mutatio castra

die Zeile ist von zweiter
Hand zugefügt P

3 inde surgunt alpes iuliae

sunt P

4 ad pirum summas alpes

mil. VIIII fehlt V

5 mansio longatico

6 mutatio ad nonum

mutüatio, die Correctur v
zweiter Hand P

7 ciuitas emona mil. XIIII

semona V

8 mutatio ad quartodecimo mil. X

9 mansio hadrante

die Zeile fehlt V

10 fines italiae et norci mil. XIII

nach italiae zwei leere Zeilen,
et — XIII felilt V

11 mutatio ad medias mil. XIII

mutuatio, die Correctur von
zweiter Hand P

12 ciuitas celeia mil. XIII

caeia V

mil. XI
mil. XII

mil. XII

mil. XII

mil. VIIII

mil. X.
mil. VIIII

Dass 557, II hinter 560, I einzuschieben ist,
hat schon Parthey gesehen. Die Zeile ist durch einen
für uns niclit mehr erkennbaren Vorgang hinter
Mediolanum gerathen, sie stört dort den Zusammen-
hang, und ihr richtiger Platz ist durch das It. Ant.
und die Tab. Peut. mit Sicherlieit bestimmt. Wenn
aber Parthey, dem Geyer folgt, 560, 2 streiclit, so
vermag ich dem nicht zuzustimmen. Die erste Hand
des Parisinus lässt allerdings die Zeile aus, aber die
zweite Hand halte ich für nur wenig jünger, und ilire
Eintragungen sind nicht ohne Wert. 3) Dazu tritt noch
das Zeugnis des Veronensis.

Mit der Wiedereinsetzung von 557, 11 ist aber
unsere offenbar im Archetypus stark in Unordnung
gerathene Stelle noch nicht ganz geheilt. 560, 7
lesen wir, dass die mutatio ad nonum XIIII m. p.,
in der folgenden Zeile, dass die mutatio ad quarto
decimo X m. p. von Emona entfernt sein soll. Die
Straßen im Gebiet der wichtigen römischen Colonie
sind natürlich von ihr aus vermessen. Das bestätigt
noch zum Überfluss der Meilenstein von Log bei
Ober-Laibach, der die Zahl VIII trägt. Wir müssen
also 560, 7 VIIII und 560, 8 XIIII fordern. Beide
Zahlen flnden sich je eine Zeile vorher. Es kann
daher keinem Zweifel unterliegen, dass eine Ver-
schiebung der Zahlen nach oben um eine Stelle statt-
gefunden hat. Es ist das eine keineswegs nur hier
vorkommende Corruptel; sie ist vielmehr im It.
Ant. 4) wie auch in anderen in Columnen aufgesetzten
Schriften recht häufig. Die Schreiber fanden es meist
bequemer, erst sämmtliche Namen und dann sämmt-
liche Zahlen einer Spalte abzuschreiben. Wurde
dabei nur einmal eine Ziffer versetzt oder ausge-
lassen, so wirkte der Fehler leicht auf eine ganze
Zahlenreihe fort. Wo hat in unserer Strecke die
Verschiebung begonnen? Die Stelle lässt sich
mit Sicherheit angeben. 560, 4 ad pirum summas
alpes ist die einzige Station des ganzen Itinerars,
der die Qualitätsbezeichnung als civitas oder mansio
oder mutatio fehlt. Es ist daher klar, dass der
Schreiber des Archetypus zu ad pirum fälschlich die
longatico gebürende Zahl gesetzt und aus einer geo-
graphischen Bemerkung, wie sie sich auch sonst im

2) P (Parisinus) habe ich selbst nachverglichen,
fiir V(Veronensis) benutze ich die Collation von Hauler

(bei Geyer: Itinera Hierosolymitana saeculi IIII—VIII.

Corpus script. eccl. lat. XXXVIII I sqq.). Wie mir
Kubitschek aus seiner Collation mittheilt, ist im Vero-
nensis 560, 3 inde vorhanden und steht 560, 13 caeia,

3) Vgl. z. B. 571, II f.

4) Vgl. z. B. 355, I ff. (Cuntz, Zeitschr. f. d.
Gesch. des Oberrheins N. F. XII 455) und die
Zahlen des Escorialensis 18, 2 ff. und 349, 3 ff.
(Kubitschek, Wiener Studien XIII 191 f, und 186, 14;
Cuntz a. O. 440 ff.).
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