Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 26.1908

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Wann nun aber E. H. u. Ä. auch E. Magnif.
n. Excell. auf dero ehe vorig — crgangene höchst-
venerirliche Dckreta der hochm. Frey — Rcichs-
hochwolgeborene Herr, Herr Ludwig Constantin
Frey- n. Edler Herr von lllm rc. rc. genuegsam
remonstrirt haben würdeh daß, weilen alle die
Capitalien zu gedachtem Einsingischen Heyligen,
von denen Gemeindtern daselbsten nach und nach
gestüfftet und daher sothene Entrichtung dem
berührten heyligen allerdings unmöglich sallen
ja gäntzlichen darumben ruiniren wurde, weilen
solcher auch Unsere Kirchen zue Einsingen und
dasigen h. Pfarrer gantz allein und ohne einer
andern ussistsir? unterhalten muß, auch daß
sich vermög der letztjährig geschlossenen 1700
heyligen Rechnung zum rsinunst nicht über 13 fl.
an paarem gelt gezeiget, der heylige'auch, was
vor Capitalien da seynd, davon die Jahrtäg zu
erhalten hat, wir nicht weniger seither dises
prätendirten Beytrags jchon große Unkosten ge-
machet, und bey eingangs ermelter Harthausischen
Kirchenreparation von denen sambtlichen Ein-
singilchen Gemeindtern viele Frohndienste in
Znführung der Baumaterialien und Handarbeitcn
verrichtek worden.

Also haben wir solchem nach vor höchstnoth-
wendig ermessen, E. H. u. G. rc. rc. dises alles
nochmahlen (masscn hiermit beschiehet) in aller
unterthänigkeit und gehorsamb zue rcpreseniiren,
anbey solcher gestalten zue bitten, dieselben ge-
ruhen dcren hohen Clemenz nach, nicht allein
mit der angetroheten Excommunications-pön ein-
zuhalten, sondern auch mehr besagten Heyligen
von der gnädig zuerkandten großen Beschwerde
gäntzlich zu abjolviren.

Gleichwie wir nun der unterthänig-gehor-
sambeu Hoffnung geleben, Es werden E. H. u.
G. rc. rc. den öffters angeregt- und gewiß recht
erarmbten Heyligen in sernerer Zuerkennung des
obangezogenen sehr starkhen Beytrags weiters
zue entkiäfften nicht wol aber zu dessen best-
niöglichster prospicirung (worauf zwar in dero
hochlöbl. letztcren äsorsto schon höchstrühmlichst
reflektirt worden) inclinirct seyn; also auch Thun
wir uns nebst dcm vielbesagten Heyligen zu hvhen
Gnaden und gnädiger Erhör unterlhänig-gehorsani
euipsehlen, in aller Submission verharrend

Ewer Hochwürden u. Gnaden, auch Ewer
Magnificenz u. Excellenz

Einsingen d. 28. Aug. 1701

Unterthänig-gehorsambste
Matthes Eberle, Adam Zoller u. Peter Luikhardt
des Lieben Heyligen im Thailbaren

Flekhen Einsingen verordnete Pfleger.

(Beil. V. VI. in der Stadtbibliothek Ulm).

Schwäbische Biograj-Hien.

44) Herzogin Maria Augusta von
Württemberg.

(Fortsetzung).

Von Hofrat Th. Schön in Stuttgart.

<Ml?ber schon macht die Herzogin Anstalt
AD zu ihrer Rückreise nnd so sehen wir
denn dem Ende dieser so schönen Tage ent-

gegen. Da sie, mein Freund, so gerne in
die Zukunft blicken und am Glück der Völker
Anteil nehmen, muß ich Jhnen sagen,
daß die jnngen Prinzen v. Württem-
berg die schönsten Anlagen haben, treff-
lich erzogen werden und zu großen Hoff-
nungen berechtigen. Sie wissen, daß
sich das menschliche Herz gern einer
kleiner Parteilichkeit hingibt. Das meinige
ist sür den Prinzen Ludwig, der mir
außerordentlich gefällt. Leben Sie wohl.
Jch erwarte ein Paroli auf diesen langen
Brief".

So lautete das Urteil des feinen
Weltmanns über die Herzogin-Mutter
und dürfte auch das richtige sein. Der
rauschende Beifall, den Maria Augusta
bei den Cavalieren des Berliner Hofes
fand, erweckte aber den Neid der Schwester
ihres Gastgebers.

Louise Ulrike, die Schwester König
Friedrichs schreibt ihrem Bruder 3l.
März 1742 August Wilhelm: „Uier il
a au masearacks, la ckuellssss ötuit 6ii
pg.vsan6 souaka; ü vous ckiro naturolla-
M6nt csu'ells air 6Ü6 avoit, vous n'avor!
gu'ü vous raprosbntvr un6 rieli6 ,juiv6,
6t vous 6N aurn/. UN6 ick<';6 parkait6".

Dieses Urteil über die Herzogin ist
nicht nur gehässig, sondern direkt falsch.
Nach dem Porträt in der Ahnengalerie
sieht Maria Augusta einer Südländerin,
Jtalienerin, aber durchaus keiner Jüdin
ähnlich, so wenig sie, wie eine andere böse
Zunge behauptet hat, einer Medea glich.
Aus einem weiteren gehässigen Briefe der
preußischen Prinzessin ersieht man deut-
lich, daß diese die Herzogin-Witwe um
die sürstlichen Herren, welche ihr in
ritterlicher Weise den Hof machten, be-
neidet hat.

Mit der Herzogin-Mutter war auch
der IVluruuis ck'^rvaus nach Berlin qe-
kommen.

Der im Dezember 1807 gestorbene
Dieudonnö Thielbault, ehemaliger Pro-
fessor an der Ritterakademie in Berlin
sagt hierüber: „der König Friedrich von
Preußen schrieb an den Philosophen
(Llurguis ck'^.r»6us): „Fürchten Sie
nichts mehr von den Bataillonen der Garde
und kommen Sie dreist, ihnen in Berlin
selbst zu trotzeu". Als der Narciuis diesen
Brief empfing, stand er im Dienste einer
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