Beck, Paul A. [Editor]
Schwäbisches Archiv: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Literatur, Kunst und Kultur Schwabens — 26.1908

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facsimile
in Deutschlaiid" S. 353 ausgesprochene
Ansicht im zweiten Teile (S. 140 Anm.)
selbst berichtigt und das Bild dem Zeit-
blom zugesprochen und zwar mit Rück-
sicht auf das am Betstuhl des Donators
befindliche Monogramm, das Waagen,
wie er selbst sagt, früher übersehen hatte.

Dieses, wie man früher meinte, aus
dem Buchstaben Z und b (— Zeitblom)
zusammengesetzte Monogramm — das sich
übrigens nicht am Betstuhl des Stifters,
sondern anf einem neben dem Stifter an
einem Mäuerlein hängenden Wappenschild
befindet — bezeichnet Haack als „rät-
selhaftes" Zeichen und erklärt es als
Hausmarke, und zwar, wie man annehmen
muß, als die Hausmarke des Stifters,
nämlich des in Nördlingen 1488 ver-
storbenen Hans Gienger von lllm. Nach
gefl. Mitteilung des Ülmer Stadtarchivars
Prof. Müller, an den sich der Bericht-
erstatter wandte, führten indes die Gienger
nicht ein „rätselhaftes Zeichen" in ihrem
Schilde, sondern ein aufrecht stehendes
kräftiges Beil mit Stiel. o) Das Zeichen
auf dem neben dem Stifter hängenden
Wappeuschilde stellt also nicht die Haus-
marke des Stifters dar. Auf wen sollte
es sich aber dann beziehen? Es bleibt
nichts anderes übrig: das Zeichen ist ein
Künstlerzeichen. Und dieses anders zu
deuten, als ein aus Z und b zusammen-
gesetztes Monogramm, wie früher all-
gemein geschah, dürfte nicht leicht mög-
lich sein. io)

Daß übrigens ein Künstler sein Künstler-
zeichen auf einem eigenen Wappenschilde
auf dem Gemälde selbst an passender
Stelle anbrachte, dafür bietet gerade die
Nördlinger Galerie ein sehr belehrendes
Beispiel. Ein aus dem Jahre 1600
stammendesBild einesunbekanntenMalers,
eine Kreuzigung darstellend, zeigt links
nnter dem Kreuzesstamm ein Wappen-
schild mit einem Zeichen in der Art der
Steinmetzzeichen. Das Wappenschild kann
hier nur auf den Künstler sich beziehen,
da die Wappen der Stifter, der Gundel-
finger zu Nördlingen, Ulm und Nürn-
berg, bereits nnter dem Bilde angebracht
sind.

So dürfte denn eine erneute fach-
männische Prüfung auch der Frage, wer
der Maler des großen biaes llomo der

Nördlinger Galerie gewesen sei, samt der
weiteren Frage, ob das Bild im Jahre
1468 oder erst 1488 — Haack ent-
scheidet sich für das letztere — gemalt
worden ist, keineswegs überflüssig sein.

Schwäbische Biograjihien.

44) Herzogin Maria Augnsta von
Württemberg.

(Fortsetzung).

Bon Hofrat Th. Schön in Stnttgart.

mMeber einen zweiten Besuch am würt-
Mv tembergischen Hof berichtet nämlich
dermarkgräflichbadischeObermarschallWil-
helm Freome Schilling von Cann-
statt in seinem Tagebuch: „8. April 1738.
Weil ich in einem Mannengericht gegen
Herrn Grafen von Fugger zu Kirchberg
nacher Stuttgart berufen werde, so fahre
ich um 10 Ühr weg und nehme in Dur-
lach 6 Postpferde und fahre auf Hoch-
dorf, allwo ich über Nacht bleibe. 9. Äpril,
ich fahre nach 5 Uhr von Hochdorf mit
6 Pforzheimer Postpferden weg und komme
gegen 8 Uhr auf Weißach, allwo ich in
dem Ochsen esse und meinen Weg auf
Stuttgart prosequire. Unterwegs steige
ich bei dem eisernen Galgen aus, um

ch Müllo-r überschicktc eine Nachzeichnung
einrs Siegels des Hans Gienger, Pfleger des
Gotteshauses zum hl. Geist in Ulm, aus dem
Jahre 1479 und die Zeichnung dcs im Ulmer
Münster auf einer Metallplatte vor der Neit>
hariskapelle befindlichen Wappens des(-selben?)
Hans Gienger, welcher im Jahre 1480 starb.
Das Siegel nnd das Wappen zeigen genau das-
selbe Beil, nnr ist dieses auf dem ersteren
(hcraldisch gesprochen) nach rechts, im letztercn
aber nach links qerichtet. Herr Prof. Müller
glanbt sicher, daß das Wappen des zu Nörd-
lingen vcrstorbenen Gienger das gleiche war,
wie das der Ulmer, seiner nächsten Verwandten.
Für seine freundliche Mitteilnng sei dem Herrn
Professor Müllcr an dieser Stelle der beste
Dank ausgedrückt. — Nachforschungen im Kreis-
archiv zu Nenburg, die dort auf Ersuchen des
Berichterstalters in der gleichen Sache gepflogen
wurden, verliefen ergebnislos.

'") Hofrat Mayer in Nördlingen, der Kon-
scrvator der Nördlinger Galerie, fprach dem
Berichterstatter gegenüver die Ansicht aus, daß
das fragliche Alonogramm vielleicht von dcm
Augsburger Gemälde-Restaurateur Eigner, der
das Bild renoviert habe, in der Weise, wie es
sich jetzt zeigt, gestaltet worden sei. Die An-
sicht erscheint um so wcniger alanbhaft, als
Eigner nach Haack gerade mit dem ersten ge-
hörte, die das Bild Herlin zuschrieben.
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