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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0125

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Aezensionen.

R e i n e r t h, HanL. Das Pfahldorf Sipplingen am Bodensee. Evgeb-
nisse der Ausgrabung des Bodenseegeschichtsv'ereins 1929/30, mit Beiträgen
von K. Bertsch, D. Geyer, E. Reuweilev, G. Schneider, R. Vogel, H. Weinevt.
154 Seiten, 32 Taf., 27 Textabb. B. Filser, Augsburg 1932 (Führer zur
älrgeschichte herausgegeben von H. Reinsrth, Bd. 10; zugleich 59. Heft der
Schriften des Vereins f. Geschichte des Bodensees unö' seiner älmgebung)^.

Dieses „Heft" stellt in dsr langen und stolzen Reihe der Veröffent-
lichungen des Bodenseegeschichtsvereins und zugleich' in der Erforschung der
Geschichte des Bodensees einen Markstein dar, enthält es doch- den Berich't
über die erste flächenhafte älntersuchung pines Pfahlbauöorfes. Mit berech'-
tigtem Stolz kann Reinerth auf öen starken, fruchtbaren Anstoh hin--
weisen, den er im Anschluh an die Ausgrabungen R. R. Schmidts im
Federseemoor der Pfahlbauforschung gegeben hat, zunächst durch seine Theo-
rien über die Lage der Pfahlbauten (am älfer, nicht im Wasser) und öie
Herkunft ihrer Bewohner (nicht einheitiich, sondern wefteuropäi cher Grundstock
mit nordischer Zuwanderung am Ende der Jungsteinzeit). Hier nun legt er
seinen giraktischen Beitrag vor, öer zugleich ein neues Kapitel der Aus-
grabungstechnik darstellt. Zwar hatte K. Schumacher 1897/93 als Erfter
Profile durch Pfahlbausiedlungen gelegt, hat später E. Bouga am Aeuen-
burger See mit Senkkästen kleinere Ausfchnitte exakt stratigraphisch abgedeckt,
was aber fehlte, waren Grundrisse der Häuser, geschlos'sene Teile des Dorf-
bildes und seiner älmgebung. Wenn das trotz öer lockenden wifsenschaftlichen
und musealen Ziele bisher unterblieben ist, so liegt es wohl an dem kümmer-
lichen Ausmah, in dsm bisher öie Heimische Vorgeschichte erforscht wurde.
Es war in jeder Richtung ein Wagnis, dah Reinerth einen Kasten von
22:22 in im offenen Wasser vorschlug, und man muh öie skeptischen Stimmen
vor und bei Bsginn der älnternehmung gehört haben, um die heroisch.e Lei--
stung dieser Ausgrabung voll würdigen zu können. Der Präsidsnt des
Bodenseegeschichtsv'ereins, V. M e z g e r, hat ein gut Teil zum Gelingen bei-
getragen, namhafte finanzielle Beihilfe hat u. a. das Land Baden geleistet.

Jm Frühjahr 1929 hat Reinerth in der Bucht von Sipplingen an der
Stelle eines lange schon bekannlen und in seinen ufernahen Teilen ausgebeu-
teten Pfahlbaus einen Kasten aus doppelten Hölzwänden mit Lehmzwischen-'
süllung von 22 m Länge und Breite errichtet; in der sturmgefährdeten
Westhälfte wurde noch eine Reihe eiserner Larsendielen hintergesetzt, die wohl
bei künftigen Llnternehmungen trotz höherer, aber einmaliger Kosten den Vor-
zug haben dürften. Rach äleberwindung mancher Schwierigkeiten wurde so
erne völlig wasserfreie Fläche erzielt, die nach den auf festem Lande geübten
Methoden im Frühjahr 1929 und wiedsr 1930, z. T. mit Rachtfchichten unter-
sucht wurde (Abb. 40).

äleber das Prosil und die Lage des Pfahlbaus zum See vsrweise ich
auf den Beitrag von W. Schmidle in dieser Rummer. Proben der betr.
Schichten werden im Museum für Llrgeschichte, Freiburg i. Dr., aufbewahrt.

Die aufgedeckte Fläche zeigte landwärts zunächst eine Pälisade, öie in
3 dichten Pfahlreihen die Wssthälfte des besterhältenen Psahlfeldes um-
schlieht; sie gliedert sich in eine breite Hauptpälisade von 1,25—1,40 m Breite,
hinter der eine weiters Pfahlreihe nach Reinerth den Wehrgang getragen
hat, und ein Vorwerk 3,20 m davor. Rach dem Profil stand zwischen den
Auhenpfählen der Palisade fast dauernd Wasser (Abb. 41).

^ Für gütige äleberlasfung von 4 Druckstöcken für öie Bad. Fundberichte
sprechen wir dem Autor und dsm Bodsnseegeschichtsverein unsern besten
Dank aus.

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