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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0377

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Linleilung.

Das Jahr 1935 hat in mehrfacher HinNHt wesentliche Fortschritte in der
ur-- und frühgeschichtlichen Ersorschung öes Landes gebracht. Auf der Sihung
des Ausschusses für älr- und Frühgeschichte, der nunmehr dem Vaöischen
Denkmalrat als Abteilung für älr- unö Frühgeschichte angeglieöert ist, konn-
ten Hegau und Bodensee als selbständiger Oberpflegerbezirk abgetrennt unö
Dr F. Garscha vom Landesmuseum Karlsruhe unterstellt weröen. Jnsolge-
dessen konnten so wichtige Fundgruppen wie der bronzezeitliche Frieöhos von
Jmmendingen, die Wohngrube vom Mägdeberg, öie mannigfachen Fund-
stellen in der Kiesgrube Kohler, Aeuhausen-Welschingen, öie mesolithische
Station vom Flughafen Konstanz ihrer Beöeutung gemäh untersucht w-erden.
Aachdem schon früher Lehrer zu Ausgrabungen fallweise beigezogen und aus-
gebildet wuröen, konnte bei öer Herbstgrabung Mengen dank dem Entgegen-
kommen öes Ministeriums erstmals eine amtliche Schulungsgrabung öurch-
geführt werden, die Lehrer verschieöener Schulgattungen je 3 Wochen lang
soweit ausbildete, öaß sie im Aotfall bedrohte Zeugen unserer Dolksgeschichte
sachgemäß bergen können. Auf diesem Wege wirö öas bisher nur sehr lockere
Aetz unserer Mitarbeiter öichter unö dichter ausgebaut, können die schulischen
Delange von Lehrern selbst wahrgenommen werden. Wenn so eine Generation
Heranwächst, die in öer Schule lebendig in öie Llr- unö Frühgeschichte einge-
sührt worden ist, wird es auch öazu kommen, öaß eine breitere Volksschicht
tätig und verständig in der Denkmalpflege mitarbeitet.

Die volksgeschichtliche Forschung ist rüstig vorwärtsgetrieben woröen. Äber
die Sueben aus vorrömischer und römischer Zeit und über die srühesten völker-
wanderungszeitlichen Spuren sinö neue Zeugnisse beigebracht woröen; die
planmähige Erforschung öer merowingerzeitlichen Friedhöfe ging in Mengen,
in Lörrach-Stetten und in Altlußheim weiter und öer Äbergang in öie karo-
lingische Zeit lieferte ebenfalls erhellende Funde.

Äber die politischen Grenzen hinweg arbeitet öie Denkmalpflege als
Landesforschung besonders mit öen Schweizer Fachgenossen eng zusammen:
die Äntersuchung von A. Laur-Belart in Grenzach zeigt es an einem einzelnen
Fall und der Beitrag von F. Kuhn an der Srforschung eines größeren Ge-
bietes beiderseits des Rheines. Auch fachlich muß die Bodenforschung öie
Schranken öer Archäologie überschreiten und freut sich über die Änterstützung
seitens öer Aaturwissenschaften (Lais, Hübner, Müller-Stoll, Oberdorfer),
die gerade in dieser Berichtszeit schöne Ergebnisse gezeitigt hat.

Die Verarbeitung öer Funöe zu einem Landeskatalog, einer neuen Auflage
von E. Wagners „Funöstätten und Funöe", geht mit öen Ausgrabungen
Hand in Hand. Die Ärnenfelöer in Vaden sind von W. Kimmig ausgear-
beitet; Von einzelnen Gemarkungen wurde ein Verzeichnis der Fundstellen
angefertigt, Melöesormulare und Karteikarten sind gedruckt unö stehen zur
Verfügung. Hier ist noch ein weites Gebiet öer Tätigkeit für unsere Mit-
arbeiter, z. V. für bestimmte Gemarkungen und Amter eine Vestandsausnahme
der ur- und frühgeschichtlichen Denkmäler zu erstellen und öamit die Vor-
aussetzung für eine Heimatgeschichte zu schaffen. Jeöes Heimatmuseum muß
ein solches Vestandsverzeichnis der Funöe aus seinem Bezirk haben unö durch
eine Karte erläutern und so über Antiquitätensammlung hinaus Arbeitsstelle
für Heimatsorschung werden.

Die Zahl der Fundmeldungen war erfreulich groh. Zwar war das Füll-
horn der Reichsautobahn nicht weiterhin so ertragreich wie 1934 bei Mann-

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