Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

DOI issue: DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0346

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Murg (A.Läckingen)) eine neue allpaläolithische Stalion.

Von Georg Kraft, Fretburg i. Br.

Gie Ziegelei von Murg, 21. Säckingen, ist seit längerer Zeit als Fundstelle
eiszeitlicher Tierreste bekannt, die E. Gersbach für öas Heimatmuseum Säk-
kingen aufsammelte^. 2'm Mai 1934 gelang es Gersüach, bearbeitete Feuer-
steine zu finden, Werkzeuge des Eiszeitmenschen und zwar des jüngeren 2Ilt-
päläolithikums, von denen im Lauf des Jahres eine stattliche 2lnzahl zusam-
mengekommen ist, so daß sich eine erste Bekanntgabe rechtfertigt. Eine ein-
gehendere älntersuchung ist vorbereitet, im besonderen wird Prof. Dr. W.
Sörgel die geologischen Verhältnisse bearüeiten.

Murg liegt östlich von Säckingen (topograph. Karte 1:25 000 Är. 167
Klein-Äaufenburg) an der Mündung der Murg in den Rhein. älnmittelbar
westlich von Murg erhebt sich zwischen der Murg und öem Rötenbächle ein
Quarzitriff (348,4 m über A.2l.), das heute Kälvarienberg heißt und dessen
Ost- und Aordflanke mit Löß bedeckt ist; nordwärts zum Gebirge hin senkt
fich das Gelände wieder etwas zu einem Pah (345,0 m), durch den heute öie
Straße von Murg auf den Hotzenwalö zieht. 2In dieser Straße liegt die
Ziegelei Rogg, deren Söhle rund 330 m hoch liegen mag, währenö der Rhein-
spiegel etwas unter 290 m liegt, die Aiederterrasse mit Dorf und Dahn bei
rund 300 m und die Kirche (auf einem Terrassenstück?) bei runö 310 m. Vom
Kalvarienberg aus hat man einen guten Lleberblick über das Rheintal und die
beiden Seitentäler. Zwar tritt nach Westen öas Grunögebirge unmittelbar
an den Rhein heran, aber östlich der Murg flacht sich sein Hang ab und tritt
etwas zurück, so daß sich Terrassen ausbilden konnten. älnsere Stelle ist also
vorzüglich für einen Rastplatz von Zägern geeignet.

Die Lehmgrube öer Ziegelei hat sich rechtwinklig mit 10—12 m hohen
Wänden in die Löß- und Lehmablagerungen Hineingeschnitten; an öer Süd-
waNd, besoüders an der Ostecke ist öas Grundgebirge aufgedeckt. 2n öer West-
hälfte der Südwand liegt darüber eine wechselnd gefärbte Lage löhigen Ma-
terials, dazwischen mehrere waagrechte Lagen von eckigem Trunögebirgs-
material; die obere Hälfte des Profils besteht aus Löh bzw. Löhlehm. 2ln öer
Westwand fehlen diese waagrechten Lagen von Gesteinschutt; nahe öer Süöecke
erbrachte ein Suchschnitt unter der Sohle öer Lehmgrube Auelehm mit Rhein-
geröllen, deren Höhenlage über öem Rhein (runö 40 m) etwa der öer Hoch-
terrasse entspricht. Von der Endmoräne des Rihgletschers, die nach Penck-
Brückner hier entlang zieht, ist in der Grube nichts aufgeschlossen. Diese 2ln-
gaben mögen fürs erste genügen, um 2Irt und Beöeutung öer geologischen
Probleme aufzuzeigen, von deren Lösung die exakte Eingliederung der im
Folgenden zu behandelnden Kulturen in öie Erdgeschichte und ihre objektive
und absolute Datierung zu erwarten ist.

Die Reste menschlicher Kultur sind an der Süöwand, und zwar in ihrer
ganzen Länge zutage gekommen. Sie liegen dicht über dem anstehenden Fels
und bestehen in der Hauptsache aus Feuersteingeräten. Zwar finden sich in
derselben Zone auch ziemlich viele Holzkohlen unö der Lehm ist stellenweise
durch Feuer gerötet, aber eine einwandfreie Beziehung dieser Feuer zum
Menschen ist noch nicht erwiesen. Ebensowenig lassen sich mit Sicherheit Tier-
knochen dem 2lufenthalt des Menschen zuordnen, die älteren, oben erwähnten

^ W. Deecke in: Deiträge zur naturwiss. Erforschung Badens. Heraus-
gegeben vom Bad. Länlöesver. f. Raturkunde, Heft 8, 1931, S. 136.

316
 
Annotationen