Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

DOI issue: DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0117

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Lilbermiinzen Lheoderichs d. Gr.
von Mengen (Oberbaden).

Von 2. Werner, Dsrlin.

Llnter den 53 Reihengräbern, die im Herbft 1932 seitens des Alemanni-
schen Jnstituts, Freiburg i. Dr., unter Leitung von Privatdozent Dr. G. Kraft
von cand. F. Garscha in dem frühmittelalterl. Reihengräberseld von Mengen
freigelegt wurden und deren Jnventar in das Freiburger Auguftinermuseum
gelangte, zeichnete sich das Frauengrab 12 durch seinen Reichtum an Dei-
gaben ganz bejonders aus. Es enthielt neben vielen Schmucksachen^ als
hervorragendste Fundstücke sieben Silbermünzen, die zusammen mit zahl-
re'ichen Anhängern, Perlen und einer unkenntlichen Kleinbronze konstantiriii-
scher Zeit zwischen den Schenkeln des Skeletts gesunden wurd>en. Die Münzen
waren sämtlich durchbohrt und an kleinen Silbrrdrahtringen befestigt, ge-
hörten also zu einer großen Kette oder zu einem Schmuckgehänge. Sie sind
münzkundlich von so großem Jnteresse, daß sie eine gesonderte Deröfsent-
lichung verdienen.

Alle sieben Mengener Münzen — sie sind zu Abb. 1—7 genau beschrie-
ben — tragen aus der Rückseite (Rs.) das Monogramm des Ostgotenkönigs
Theoderich (493—526), das in gleicher Form, aus den Buchstaben cklck^O-
O8KIOV8 zusammengestellt, von zahlreichen Münzen, Architekturteilen
usw. bekannt ist. Nr. 1—6 zeigen auf der Dorderseite (Ds.) Dild und> Llm-
schrift des Kaisers Anastasius (491—518), fie, find also zwifchen 493
und 518 geprägt, während Dr. 7 mlt Dild und älmschrift Justins I. (518-
527) erst in den späteren Regierungsjahren Theoderichs geprägt wurde. Daß
der Dame deB regierenden byzantinischen Kaisers auf 5er Vs. der Münzen
angegeben ist, ist für die gesamte ostgotische Gold- und Silberprägung be-
zelchnend. Selbst in den Iahren öes Vernichtungskampfes mit Dhzanz hat
kein ostgotischer König den eigenen Damen auf die Bildseite seiner Münzen
gesetzt; die letzten Gotenkönige Totila und Teja haben es meist vorgezogen,
ihren Münzen die Legende des Anastasius zu geben, um nicht den Ramen
ihres Todfeindes Justinian nennen zu müssen. Die ostgotischen Silbermünzen
stnd auf der Rs. durch Monogramm oder Aufschrift als solche kenntlich, wäh-
rend die ostgotischen Goldmünzen, von einigen Prägungen mit kletnem Mo-
nogramm oder mit Angabe der Prägestätte abgesehen, nur durch ihren Stil
von den gleichzeitigen byzantinischen Münzen unterschieden werden könneiO.

Die Mengener Silbermünzen sind die er,sten aus Oberbaden bekannten
ostgotischen Prägungen und damit zugleich neue wertvolle Zeugen für die
Verbindungen der Alamannen zum Reiche Dietrichs von Dern. Silber-

^ Das gesamte Dnventar des Grabes wird in der von F. Garscha ge-
planten Publikation des Grabseldes von Mengen, die nach Deendigung der
Grabungen beim alemannischen Dnstitut in Freiburg erscheinen wird, be-
kanntgegeben werden. Einige für die Chronologie der merowingischen Al-
tertümer besonders wichtige Schmuckstücke sind in meiner 1934 bei der Rö-
misch-Germanischen Kommission erscheinenden Arbeck „Münzdatierte austrasi-
sche Grabfunde", German. Denkmäler der Völkerwanderungszeit Dd. 3 kurz
behandelt.

^ Zum ostgotischen Münzwesen vergb F. Kraus, Die Münzen Odo-
vacars und des Oftgotenreiches in Jtalien (1928) und W.. Wroth.Oaraloxue
ok röe ooins ok rbe Vanäals. O3rro^orb8 anci bombnräZ in rbe 6rir>8b Ivlu8eum
(1911). — I. Friedländer, Die Münzen der Ostgoten (1844) ist in
vielem veraltet. Eine ZusammenstLllung brr Monogramme gibt Kraus
auf Seite 228.

89
 
Annotationen