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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0150

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zur Flußrichtung im östlichen älfer stak. Während die vordere Spitze gerade
über den neuen Wasserspiegel herausragte, saß das hintere Ende noch etwa 2 in
weit im älfer drin und etwa 1,5O m unter dem neuen Spiegel (Abb. 57).
Mit grohem Eiser und unter Anwendung von viel Krast machte sich die
Baggermannschast daran, den Kahn „zu bergen", leider ohne Hinzuziehung
irgendwelcher fachmännischer Beratung. Dabei brach der Einbaum schliehlich
mitten entzwei, nachdem vorher schon einzelne Stücke abgerissen waren. Erst
nachträglich erhielt das Landesmuseum Karlsruhe Aachricht von dem Funde,
den es dem Heimatmuseum Rastatt überwies. Zur Hebung der zweiten Hälste
des Kahnes und zur Dornahme von Dodenuntersuchungen genehmigte der
Stadtrat Rastatt eine Summe von 200 RM. Die Arbeiten wurden jedoch ver-
schoben bis zum Abschlag des Feöerbaches, der im Juli erfolgen sollte. Jn-
zwischen war am 15. April bei Säuberungsarbeiten an den älfern ein zweiter
Einbaum, 26 in nörölich vom ersten am westlichen Bachrand, angetroffen
worden.

Der Abschlag des Federbaches erfolgte in der Zeit vom 26. 2uni bis
9. Juli. Der Veginn der Arbeiten wurde hinausgeschoben bis zum 1. Juli,
damit sich bis dahin das Wasser verlaufen sollte. Leider zeigte sich aber, daß
das Grundwasser stark nachdrang, so daß lediglich eine Senkung des Wasser-
spiegels um 20 cin erfolgte. Wohl oder übel mußte man sich zur Vornahme
der Nrbeiten entschließen, denn eine weitere Senkung des Vachspiegels war
nicht zu erwarten. Auch an eine Trockenlegung der Fundstelle öurch eine
Spundwanö war bei der Änzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Summe
nicht zu denken. So erfolgten denn die ganzen Bergungsarbeiten unter Wasser,
denn auch der zweite Kahn ragte nach Senkung öes Bachspiegels mit einer
kleinen Ecke nur 20 cin aus der Wasserfläche heraus.

Zunächst wurde die Hebung des zweiten Kahnes in Angriff genommen,
nachdem Sondierungen ergeben hatten, öaß er der ganzen Länge nach erhalten
war. Er lag etwas gekippt auf der rechten Vordwanö, die linke vordere Kante
ragte — wie schon gesagt — wenig aus dem Wasser heraus, öas hintere Ende
stak inl Kies, etwa 1,60 in unter Wasser. Die stratigraphischen Deobachtungen
waren unter diesen ^lmständen natürlich äuherst erschwert. Vmmerhin wurde
das über öem Kahn abgelagerte Sediment genau untersucht. Die moderne
Schlammschicht war durch den Bagger abgetragen worden. älnter diesem
Moöder zog sich eine Lage Sanö hin, dann solgte der grobe Rheinkies. Dieses
Profil war noch am älferrand abzulesen. Durch den Vagger war natürlich öie
Kiesschicht aus ihrer primären Lagerung verschoben worden. Aur am
hinteren, tiefer steckenden Ende konnte noch ursprüngliche Lage des Kieses
angenommen werden. Eine vorsichtige Sondierung zeigte, daß etwa 5 cm
über dem Kahnboden sich eine dünne Schicht feinen Sandes ausbreitete.
Llnmittelbar auf dem Doden hatte sich fekter Schlick abgelagert. Es wurde
nun bei der Freilegung möglichst darauf Vedacht genommen, öaß öieser Sand
und Schlick unberührt blieben, um sie erst nach Bergung des Kahnes über Tag
untersuchen zu können. Während bei der Grabung selbst keinerlei Kulturrück-
stände angetroffen wurden, lieferte die älntersuchung der Schlickschicht ein
kleines Scherbchen von Fingernagelgröhe. Vom Schlick und dem feinen Sand
wurden Proben für eine botanische älntersuchung entnommen.

Trvtz der ungünstigen Lagerungsverhältnisse gelang es doch, den Kahn
vollständig zu heben und ans Land zu bringen. Eine Llntersuchung der Schicht
unter dem Einbaum ergab keinerlei Resultat.

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