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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0151

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Nach der Bergung des Einbaums Nr. 2 wurde die Llmgebung der Fund--
stelle eingehend untersucht und absondiert. Dabei konnte ein öritter Ein-
baum zwischen dem ersten und zweiten in der östlichen älferwand festgestellt
werden. Äördlich anschliehend an ihn ergab die Sondierung einen vierten, der
vollständig auf dem Grunde des Baches längs lag, 1 m bis 1,20 m unter dem
Wasserspiegel. Da auch der dritte Kahn vollständig erhalten war und seine
Dergung nicht schwieriger erschien als die des Restes vom ersten Kahn, so
wurde die Hebung dieses dritten Einbaumes begonnen. Sie versprach insosern
wissenschaftlich wertvollen Aufschluh, als der Kahn mit seiner vorderen Spitze
im trockenen plferrand, in unberührter Schichtung stak. Hier konnten also die
Lagerungsverhältnisse genau studiert werden. Das hintere Ende reichte wie-
derum 1,50 m unter den Wasserspiegel hinab. Die Bergung machte insofern
Schwierigkeiten, als der Kahn mit der leichteren Spitze gegen die Fluhrichtung
lag, was eine Drehung des freigelegten Baumes zum Abtransport im engen
Fluhbett nötig machte. Glücklicherweise erleichterte ein starker Sturzregen, der
den Bach um 50 cm anschwellen ließ, diese Llrbeit.

Die Schichtenfolge am Llfer zeigte zunächst von oben gerechnet 90 cm
Humus und moderne Auffüllung. Dann folgte 70 cm feiner Sand und leichter
Kies. Die Spitze des Kahnes stak in dieser Schicht und reichte bis 32 cm unter
die moderne Ausfüllung. Die Lage über der Kahnspitze bis zum heutigen
Aiveau betrug demnach 1,22 m. Bei dem gesenkten Wasserstand lag die Spitze
30 cm über dem Wasserspiegel. Llnter der feinen Sandschicht — also 1,60 m
tief vom Llferrand gemessen — folgte die Ablagerung des groben Rheinkieses,
in welche der hintere Teil des Einbaumes eingebettet war. Jm Kahn selbst
konnte wieder die dünne Lage feinen Sandes und dann unmittelbar über dem
Boden die Schlickschicht festgestellt werden, die schon im Kahn Ar. 2 ange-
troffen wurde. Leider waren auch hier keine Kulturreste anzutreffen. Lediglich
die letzte Säuberung brachte in den Rissen des Holzes zwei kleine Stückchen
gebrannten Tones zum Dorschein.

Da nach Hebung des Einbaum-s Ar. 3 und nach Durchführung verschie-
dener Grabungen am Llfer selbst die zur Derfügung stehenden Mittel aufge-
braucht waren, der Dach auch wieder seinen normalen Wasserstand annahm,
muhte auf die Hebung des vierten Einbaumes und des Restes vom erstcn
verzichtet werden.

Die gehobenen Einbäume wurden in öas Rastatter Heimatmuseum ver-
bracht und daselbst einer mehrmonatigen Dehandlung unterzogen. Aachdem
sie zunächst mit Petroleum, dann mit einer Mischung von Petroleum und
Leinöl, schliehlich mit Leinöl allein getränkt worden waren — im ganzen etwa
14mal —, wurden sie zusammengesetzt und in entsprechend geformten Holz-
gestellen aufgebaut.

Fundbeschreibung: Die Einbäume von Durmersheim gehören zwei ver-
schiedenen Formen an. Die eine ist repräsentiert durch den Kahn 2, die zweite
öurch Kahn 1 und 3. Alle Stücke bestehen aus Eiche.

Kahn 2 ist aus einem Halbstamm von rund 1 m Durchmesser gefertigt.
Erhalten ist der Hauptsache nach nur noch öie Bodenfläche mit schwachen An-
sähen der Bordwände. Die Länge beträgt 7,70 m, die Breite in der Mitte
1 m, die Höhe der noch erhaltenen Boröwand 29 cm. Es scheint, als ob die-
selbe nicht viel höher gewesen sei. Die gesamte noch mehbare Tiefe vom höchsten
Punkt der Bordwand bis zum tiefsten Punkt des Bodens beträgt 40 cm. Der
Anschwellung des ursprünglichen Stammes entsprechend ist der Kahn am Heck

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