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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0194

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Germanische Funde aus römischer Zeit.

Diersheim (A. Kehl). äleber den Aachweis von frühen, im Hanauer
Land ansässigen Germanen, der gegenüber mancherlei fremöen Dehauptungen
von Wichtigkeit ist, hat Prof. Dr. Wahle berichtet, wie folgt: „Ein Zufalls-
fund in einer Sandgrube, von dem Llnternehmer Heinzelmann geraöe noch
rechtzeitig erkannt und von Hauptlehrer Schlörer geborgen, bildete zusammen
mit älkeren, gleichzeitig der Landesöenkmalpslege gemeldeten Funöen den
Ausgang einer größeren Grabung, die im Oktober stattfand. Dank einer grö-
ßeren Summe, die das Anterrichtsministerium bewilligte, konnten runö 2500
Quadratmeter Fläche untersucht werden und damit etwa öie Hälfte öes noch
ungestört erhaltenen Fundgeländes. Das Gesamtergebnis besteht aus 41 Fund-
stellen, darunter 28 gut erkennbaren Leichenbrandbestattungen. An einzelnen
Fundstücken hat die Llntersuchung etwa zehn Tongefäße, zwei vollständige
Dronzegefäße, viel Dronzeschmuck, Reste von geschmolzenem Glas unö zer-
schmolzenen Dronzegesähen, sowie 2 Deile und 5 Lanzenspitzen aus Eisen,
endlich 2 eiserne Haarpfeile und 7 bronzene Gewandnaöeln geliefert. Die
Drandasche liegt meistens in Tongefäßen, neben oöer über öenen die Metall-
sachen niedergelegt sind. Sodann kommen auch einfache Drandschüttungen vor,
in denen der Leichenbrand ohne Verwendung eines Gefäßes der Eröe anver-
traut worden ist. Die Zerstörung insbesonöere der Bronzesachen erklärt sich
daraus, daß die Deigaben der Hitze des Scheiterhaufens nicht standgehalten
haben; Bronze wie Glas sind zerschmolzen. Waren sämtliche Gesäße infolge
sehr flacher Lagerung (oft ihr Rand schon 20 cm unter der Oberfläche) zer-
drückt, so ist doch in der Mehrzahl öer Fälle ihr Wiederausbau möglich; es
kam aber auch vor, daß der Pflug sowohl ihren Dand wie öen ganzen Oberteil
schon abgepflügt hatte und nur noch der Llnterteil mit ein wenig Drandasche
darin vorhanden war.

Die ältesten Funde sinö um oder kurz, nach Christi Geburt anzusetzen.
Weist schon die einsache älrnenbestattung mit öer verhältnismäßig reichen Dei-
gabe von Eisensachen (Deilen und Lanzenspitzen, sowie Messern) aus germani-
schen Drauch, so ist das nicht minder öer Fall mit der zweimal beobachteten
Sitte, über das mit Leichenbrand gefüllte Gefäß eine slache Schüssel zu stülpen.
Hier sehen wir alten Drauch der Elbgermanen vor uns, unö es bedeutet nichts,
wenn die beiden Deckschüsseln selbst gar nicht germanischer Herkunst sind, son-
dern sogenannte „belgische Ware" darstellen. Leider ist in diesen beiöen Fäl-
len die Llrne durch öen Erööruck ganz zerstört; aber eben öiese vollstä-ndige
Zerstörung, öie uns kaum zu einer zeichnerischen Widergabe ihrer Profile
vordringen läßt, ergibt sich auch aus der einsachen elbgermanischen Technik, in
der sie gefertigt waren. Die belgischen Deckschüsseln aber lassen uns den Ein-
fluß der Bodenständigkeit erkennen, öenen diese Germanen ausgesetzt sind;
handelt es sich doch hier um hart gebrannte und aus der Scheibe gedrehte
Stücke, die schon die frührömischen Sigillaten nachahmen. Die bronzene Bro-
sche aus einem weiteren Grab verweist uns deutlich in die claudische Zeit, und
eine sogenannte Augenfibel ebenfalls noch in das 1. Jahrh. n. Chr. So deutet
alles auf eine germanische Siedlung, öie hier im 1. Jahrhundert rechts öes
Rheins bestand. Sie beginnt deutlich noch vor etwa 70 n. Chr., d. h. vor dem
Zeitpunkt, mit dem die römische Besitzergreifung rechtsrheinischen Dodens ein-
setzt. Freie Germanen sind es, die wir öa vor uns sehen und die wir wohl
auch ohne Dedenken den Tribokern zurechnen dürfen. Dieser germanische
Stamm, der als ein Teil der Sweben des Ariovist um 50 v. Chr. im Llnter-

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