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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0223

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menhang, der dem von Glis völlig enlspricht, und sogar vom Dico del Gargano
(Prov. Foggia, Süditalien), „wo das spitznackige Feuersteinbeil in überraschen-
der Aehnlichkeit mit dem Gliser Stück austritt" (a. a. O. S. 102).

2lus der Aheinprovinz erwähnt N. ^berg 2, aus den Niederlanden
7 Stück".

2n Frankreich sind Feuersteinbeile häufig', auch unpolierte Stücke schei-
nen nicht selten zu sein^. Immerhin sind sie nicht so straff verjüngt und die
Schneide ist nicht so stark ausgezogen wie bei der Gruppe Glis/Konlstanz-
Rauenegg/Wallbach/Weisweil.

Dei einem Teil der sranzösischen Exemplare handelt es sich um altertüm-
kiche, noch an das Kernbeil anschlieszenöe Formen, bei anderen Stücken wieöer'
mögen Mortillet u. a. Recht haben, wenn sie sie als Halbfabrikate bezeichnen,
die erst noch geschliffen Werden sollten^. Für unsere Gruppe dagegen trifft
dies sicher nicht zu, denn die Deile von Glis und Wallbach, auch wohl das
von Weisweil stammen aus Gräbern, Wallbach zeigt zudem auf der ganzen
Oberfläche feine üleberarbeitung unö an der Schneiöe messerscharfe Zurichtung
durch Schlag^ und in Weisweil ist die Schneide, soweit erhalten, durch alten
Gebrauch abgestumpft. Es handelt sich also um Fertigfabrikate, die einem
ausgezeichneten Toten mit ins Grab gegeben wurden, nachdem sie ihm schon
bei Lebzeiten als prächtige Waffe und mächtiges Werkzeug gedient hatten.

Häufiger als in Feuerstein ist das große spitznackig-dreieckige Deil in
Felsgestein. Von denselben, ja noch größeren Ausmaßen und vollendetem
Schliff sind Stücke aus westalpinem Grünstein-". Dieselbe Form im selben Ge-
biet ist sehr viel zahlreicher durch kleine Steinbeile vertreten.

2l. Schliz gesellt die spitznackig-dreieckigen Deile den Michelsberger Höhen-
siedlungen zu^. H. Reinerth baut diese Meinung weiter aus. Er sieht in diesen
Deilen „eingeführte Fremdstücke — dafür spricht auch das Material —. Das
vermittelnde Handelsvolk können der Zeit und Herkunft nach (das Deil ist rein
westeuropäisch) nur die Glockenbecherleute sein"22. 2n seiner „Jüngeren Stein-
zeit der Schweiz" stellt er die Gräber von Glis in denselben zeitlichen und
räumlichen Zusammenhang, wahrend andere an Mittel- oder Frühneolithikum,
ja an Mesolithikum gedacht haben (a. a. O. S. 210 f.). O. Tschumi sieht a. a. O.

" R. ^berg, das nordische Kulturgebiet in Mitteleuropa während der
jüngeren Steinzeit. 1918, I., S. 7 (im Rhein bei Düsseldorf: Wanlo bei Wik-
kerath, — dies mit ovaler Schneide); Ders., die Steinzeit in den Aiederlanden.
älppsala, 1916 S. 8. Ders., 8ruäi r ölver clen ^nxre Llenslclern i norclen ocki
väsieuropa, dlorrköpinx, 1912. S. 27, Fig. 26.

^ Lonxr. preb. cke brsnce 6,1911 (Ilourst, S. 280 l?>, S. 379 Taf. 1,S.409.
^ckortillet, musee prebist. 2 eck. Taf. 30, 334 f. dl. Kberx, 8tuckier S. 38 fs.
j. tckLmal-dlÄnckrin et /. Lervais, ba stsrjon neol. cke 8t. Oertrucke. kev. antbrop.
1923, S. 347 ff., bes. 410 ff. cke boe, Lelxigue anoienne I S. 204.

ib S. neuerdings M. Louis, »^in lüel^ique, nous crozrons avoir ls preuve
que les bacbes en picrre n'ont eie utilisees gu' apres avoir subi l'action cku po^
Ii<r8n§e.» LuII. 8oc. ?reb. branc. 30. 1933, 8. 228 ff. — Die abgebildeten Zeuer-
steinbeile gehören aber;u einem andern Formenkreis als die von Glis-Weisweil.

12 S. o. Dericht Gersbach.

20 Dechelette, manuel I, S. 514, Fig. 84 ff. Mortillet a. a. O. Taf. 54, 575.
G. Behrens, Dodenurkunden aus Rheinhessen I, 1927, S. 22, 76. H. Reinerth,
Hüngere Steinzeit d. Schweiz 1926, S. 172, 2lbb. 65 u. a. Llnter dem Gesichts-
punkt des Materials ist H. Fischer diefen Deilen nachgegangen und hat eine
sehr lehrreiche Karte gezeichnet (2lrch. f. Anthrop. 16, 1383, S. 563—590; vgl.
Aeues Jahrb. f. Mineralogie 1831, II, 199—227).

Korr. f. Anthrop. 33. 1903, Ar. 9-12, S. 92 ff.

22 Chronologie der Jüngeren Steinzeit. 1923. S. 45 f.

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