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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0282

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nach wenigen Tagen ein. Dei vielen Drunnengruben liegen denn auch in öer
Füllung Partien gewachsenen Kieses, deren Anschluh am vberhalb Anstehen-
den zum Teil noch gefunden werden konnte (s. oben S. 249, 251). Doch muh sich
dies Abbrechen bzw. Abbröckeln auf wenige besondere Fälle beschränkt haben,
sonst wären d.ie Grubenwände nicht so senkrecht und der Grunörih nicht so rund
bzw. quadratisch, wie sie es heute noch sind.

Reste der Verschalung selbst haben sich nicht erhalten^, auch keine Pfvsten-
löcher auf der Drunnensohle o. ä., auch nicht bei 37 (34/10). Das ist um so
merkwürdiger, als im römischen Drunnen Dalken und im karolingischen sogar
Bretter wohl erhalten sind. Hinweise auf eine Derschalung sinö aber vielleicht
zu sehen in eckigen Holzstückchen bis zu 3 : 3: 3 cm Gröhe, öie in 82 reichlich
in der ganzen Füllung lagen und nur gegen öie Sohle zu spärlicher wuröen.
Dei 72 waren in der gelben Einfüllung mehrfach graue Streifen, in 3,24 m
Tiese war es ein 20 cm breites Dand auf 3 Seiten, öas lockerer war als die
innere Einsüllung (Holz, das erst neuerdings nach öer Senkung des Grund-
wasserspiegels zerfiel?). 2lm öeutlichsten sind öie Deobachtungen von Dah bei
der Grube 54 (33/138, s. oben S. 243 f.). Die Holzschicht auf dem Doden von 58
kann von einem Dalkenrahmen herrühren^. Nuch bei 67 in 2,75 m und bei 80
in 2,26 m Tiese sind je ein randlicher, aber aus eine Seite beschränkter öunkler
Streifen beobachtet. Bei 80 sind im oberen Teil umschriebene Aus- und Ein-
buchtungen zu erwähnen. Zeugen einer Verschalung können auch öie senkrccht
stehenden Gerölle am Dand des Drunnens gegen den gewachsenen Doden bei
72, 58, 60, 37 sein.

Da die Verschalung nirgenös erhalten ist, ist über ihre Konstruktion nichts

auszusagen^b.

Die Einfüllung zeigt auf den ersten Blick öurchweg eine Zweiteilung:
in der unteren Hälfte ist sie sandig-kiesig, von heller Farbe (grau, gelb) unö
enthält nur sehr wenig Funöe, während gegen oben die Farbe dunkler, die
Masse erdiger, unö die Funöe reicher werden. Das heiht, der Drunnen füllt
sich allmählich zu, bis er ünbrauchbar war (grau-gelber Kies) unö diente dann
als 2lbfallgrube. 2m einzelnen ergeben sich Abweichungen unö weitere Fol-
gerungen, vor allem für die Söhle.

Die Sohle der Drunnen zeigt spezifische Merkmale, z. B. silbrig-grauer,
schlickiger Feinsand bei 82; bei 72 grau, untermischt mit gröheren Geröllen als
sonst in der Füllung; bei 58 wechselnde Lagen von Schlamm und sandigem
Kies, darin ein Schöpfgefäh; bei 37 Lagen gewaschenen Kieses.

2kur bei 37 ist die Einfüllung des Brunnenschachtes zu erkennen, die sich
bildete, als die 2lnlage schon auher Benützung war, aber die Verschalung
noch standhielt.

Gleichmühiger ist die nächsthöhere Schicht, die gelblich bzw. bräunlich zu
S. aber oben S. 243 (Grube 40).

^ Aierhaus denkt an einen Seiher zur Abhaltung öes Dodenschlammes.

^ Dergl. z. D. Stieren, „Bodenaltertümer Westfalens" 1929 S. 5s.> Hem-
den, S. 27 f. Rheine; Schroller, Mannus 26, 1934, S. 66 mit weiteren Hin-
weisen. — Runde Brunnenschächte können in Holz nur durch Aushöhlung von
Holzstämmen hergestellt werden. z. D. St. Moritz und Panighina (nähere An-
gaben s. Dehn in Ebert.-Reallexikon II 9), s. ferner W. Domann, Däuerliches
Hauswesen und Tagewerk im alten Aieöersachsen. Weimar, III. Aufl. 1934,
S. 57, Abb. 40 f. Dei der Tiefe des Grundwassers in Hochstetten (unö in
Basel gehen die Drunnen 8 m tief) reichen diese Derfahren nicht zu. — Lleber
vorgeschichtliche Drunnen im allg. 2oh. Richter, Mitt. 2lnthr. Ges. Wien 53,
1923, S. 49 fs.

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