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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0303

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unter Dezug auf die Oberkante des Marksteins in der Südwestecke öer Gra-
bungsfläche ein Nivellement gelegt. Es bestätigt den Augenschein, daß der
Dereich des Grabensystems in einer flachen Mulde liegt, die nach Weften
um 40—50 cm ansteigt und ähnlich auch nach Osten bi.

Die heutige Oberfläche deckt fich nicht mit der zur Latenezeit. Oben ist ge-
zeigt worden (S. 233 f.), daß vor der Latenezeit ziemlich tiefe Mulden vorhanden
waren, die zwischen später Hallstatt- und später Latenezeit teilw-eise mit Lehm
zugefüllt wurden. Die Latenesiedlung gibt aber noch weitere und genauere
Anhaltspunkte. K. Daß hat betont, bah sich die Kulturschicht während der
Spät-Latenezeit durch Verschmutzung des gewachsenen Doöens und Aüf-
bezw. Einlagerung von Külturresten gebilöet hat; zahlreiche flache Gruben
lagen überhaupt innerhalb der Külturschicht und reichten gar nicht in den
unberührten Llntergrund hinab; sie können also erst angelegt worden sein, als
die Kulturschicht bereits teilweise vorhanden war. Wenn auch ein Teil der Kul-
turschicht aus umgelagerter alter Oberfläche besteht, so ist doch auch Masse hin-
zugekommen, Scherben, Knochen, Hüttenlehm, Verwitterungsrückstänöe von
Holz und Stroh usw.

Diese Kulturschicht reicht aber nicht bis zur heutigen Oberfläche, vielmehr
ist die Ackerkrume so gut wie steril. Das widerspricht dem Di'lö, das die vor-
geschichtlichen Siedlungen sonst, z. D. auf der Mengener Brücke, bieten, wo
der Pflug auch in einem lockeren Boden immer wieder schwarze Erde, Scher-
ben, Knochen zutage fördert. Für diese Fundleere kann öie Derwitterung nicht
haftbar gemacht werden, denn die Latene-Jrdenware ist härter gebrannt als
die der 2ungsteinzeit und Hallstattzeit und die Knochen sind infolge des Kalk-
gehaltes des Bodens besser erhalten als im Lößlehm. 2luch ist die Ackerkrume
fast durchweg einheitlicher Zusammensetzung und nicht so abhängig vom Lln-
tergrund wie die Kulturschicht, vor allem ist sie durchweg kiesig. Sie hat sich
also auf die Kulturschicht aufgelagert.

Ein objektives Maß für öiese Veränderungen gibt die Kiesschüttung (siehe
oben S. 271). Jhre Grenzen sind, soweit sicher festgestellt, aus dem Plan ein-
getragen. Sie ist noch im Graben II b nachgewiesen unö in der Grube 74^.
Der Zweck der Schüttung ist unklar (sauberer, trockener Estrich auf feuchtem
Lehm?). 2luf jeden Fall ist durch sie erwiesen, öah sich die Obersläche im De-
reich fast des ganzen Grabens II seit der Latenezeit um 45—50 cm erhöht
hat. Vermutlich war öamals die Mulde, in die sich zwischen Endhallstatt und
Endlatene der braune Lehm eingelagert hatte, noch nicht völlig ausgefüllt.

2lm Westrand der Grabung sind die Gruben in die Kulturschicht einge-
schnitten, die damalige Oberfläche entspricht also der Oberkante der Kultur-
schicht, d. h. sie liegt höchstens 20 cm unter dem heutigen Viveau. Dieses selbst
aber ist im Westen 40—50 cm höher als das heutige im Dereich der Kies-
schüttung. Rechnet man deren Defunde hinzu, so solgt, dah zur Latenezeit die
Oberfläche im Bereich der Kiesschüttung rd. 80 cm tiefer lag als im Dereich
Ler Gruben 1—26.

^ Jm Text sind aber die Tiefenmahe von der 2lckeroberfläche an gerechnet
und nicht nach einem einheitlichen Vlveau, da die alte Oberfläche in ihren Lln-
ebenheiten mit den großen -Zügen der heutigen übereingeht und so der Wirk-
lichkeit näherkommende relative Gröhenangaben entstehen als bei Zugrunde-
legung einer absoluten Ebene. 2n den Plänen und Mtenberichten sind die Er-
gebnisse des Vivellements eingetragen.

Dort besteht das 2Instehende aus Kies, es ist daher möglich, daß auher-
halb dieser Grube die Schüttung entweder nicht vorhanden war oöer bei der
2lusgrabung nicht bemerkt wurde. 2Inz,eichen für eine weitere 2lusöehnung
gibt es auch sonst, z. B. Graben III Schnitt L/11 b.

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