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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0315

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Aach der Ausgrabung wurde die Drunnenwanduug abgebrochen unö im
Kaiserstuhlmuseum Dreisach unter Leitung von Dr. Max Weber sachgemäß
wieder aufgebaut.

Für öie römische Besiedlung der Stätte liegen also nur Fragmente vor.
Auch der Vrunnen beweist noch nicht das Vorhandensein einer eigentlichen
Ansiedlung, denn die Landstraße, die heute östlich bes Brunnens süönördlich
zieht, ist, wie schon K. S. Gutmann aufgezeigt hat^, Nachfolgerin einer
Römerstrahe. Dies ist neuerdings daöurch erhärtet, öaß öort, wo dieser Stra-
ßenzug auf den Südfuß öes Kaiserstuhls trifft und mit dem öort Ostwest
ziehenden Wege schneidet, 1933 eine römische Siedlung festgestellt worden ist,
von der ein Drunnen ähnlicher Konstruktion wie der unisere durch Dr. Max
Wsber untersucht wuröeio», 2ln dieser Strahe kann unser Brunnen zur Tränke
der Pferde, wohl noch verbunden mit einer kleinen Raststation, gestandew ha-
ben. Andererseits kann man auch an jene römischen Brunnen öenken, die, wie
es nach d>em derzeitigen Stand unserer Kenntnisse scheint, isoliert im Gelänöe
lagen und wöhl für weidenöe Herden bestimmt waren^oi; zwar konnten in
Hochstetten Herden auch in öen Altwassern des Rheins getränkt werden,
aber Grundwasserbrunnen boten stets reines Wasser.

IH. Die frühmittelalterlichen Anlagen.

Eine ebenso unerwartete als willkommene Zugabe zum Grabungspro-
gramm bildete die Entdeckung der frühmittelalterlichen Anlagen während öer
Grabung Rah im Sommer 1933, und zwar Handelt es sich um eine Siedlung
und ein Gräberfeld. Bon beiden liegen ansehnliche Teile vor, öie wesentliche
Merkmale bieten; bei der Siedlung kommt hinzu, öaß seither in der Llm->
gebung von Mannheim überraschenöe Parallelen aufgedeckt worden sind.
Trotzdem sind auch hier Fragen in Menge geblieben. Die Siedlung scheistt
zwar in der Hauptsache karolingisch zu sein, enthält a-ber auch einen Bau
späterer Zeit und anderen Grunörisses (in 13). Oberirdische Anlagen lassen
sich nur an verlagerten Resten nachweisen. Die Bestimmung öer karolingischen
Scherben stützte sich zuerst auf ein Gutachten von Prof. Gropengießer, Mann-
heim. Der Charakter mancher Anlagen ist unsicher. And öas Gräberfeld ist
eigentlich als Ganzes ein Frag.ezeichen, gemesfen an den üblichen süddeutschen
Berhältnissen. Aber gerade öarin liegt auch öer Anreiz zu einer beschreiben--
den Veröffentlichung.

Die Siedlung (Karte Abb. 101).

Bon Dr. Karl Rah, Marburg-Lahn.

Die im Sommer 1933 aufgedeckten unö untersuchten frühmittelalterlichen
Gruben — insgesamt 14 — lagen ziemlich geschlossen inmitten der latenezeit-
lichen Siedlungsreste, von denen sie im Osten und Süden noch in Weitem Do-
gen umgeben waren. Bisher scheint erst der Südrand öer Siedlung ange-
schnitten Worden zu sein, da weiter südlich unö östlich nur ganz verschwindend
wenig mittelalterliche Spuren zum Vorschein gekommen sind. Höchstwahrschein-
lich wird die Siedlung also noch zu einem beträchtlichen Teil in den nördlich
angrenzenden, bisher der Llntersuchung nicht zugänglichen Aeckern Hochstetten
zu liegen; höchstens ihr westlicher Rand mag zerstört sein, da öie Rieder-

oo Germania I. 1917, S. 72 Plan I — Bad. Fundber. 1. S. 273 Abb. 11b

100 Räheres darüber im Amtl. Fahresber. für 1934, in den Baö. Fundber.
1935.

i°i St. Georgen bei Freiburg/Brg., Bad. Fundber. 1, 338. Merdingen
(zwischen Freiburg und Breisach), Bad. Fundber. 2, 242.

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