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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0376

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Wolfgang Zischer;um Gedächtnis.

Wenn wir in den Badischen Fundberichten unserem in Pforzheim uner--
wartet rasch verstorbenen Kreisdenkmalspfleger Pros. Dr. Wolsgang Fischer
diese -Zeilen widmen, so öenken wir zuerst an seine Tätigkeit als Denkmals-
pfleger. iNicht nur die vorgeschichtliche Denkmalspflege verlor in ihm einen
stets einsatzbereiten. zuverlässigen Vertreter. Fern von jeder Ginseitigkeit war
sein Wirken öer Erhaltung aller Kultur- unö Naturöenkmäler seiner Heimat
gewidmet. Die „Vadische Heimat" und die Pforzheimer Naturschutzstelle fan-
den in W. Fischer einen aufopfernden Mitarbeiter und Vorsitzenden, der
keinen noch so weiten Weg, kein Wetter, aber auch keinen „Papierkrieg"
scheute, wenn es galt, ein heimatkundlich wertvolles Denkmal vor der Zer-
störung zu bewahren.

Trotzdem war sein besonderes Jnteresse stets auf die vorgeschichtliche Ver-
gangenheit unseres Volkes und speziell seiner Heimat gerichtet. Die zahlreichen
kleinen — meist in der Germania oder den Vaöischen Fundberichten erschie-
nenen — Aussätze und Fundnotizen, sowie die zahlreichen wissenschastlich wert-
vollen Zeitungsartikel will ich hier nicht einzeln aufzählen. Erwähnt sei noch,
daß Fischer kurz vor seinem Tode noch öie Genugtuung hatte, öaß ein über-
raschender Funö, die Leugensäule Von Friolzheim, ein Problem klärte, mit öem
er sich lange beschäftigt hatte, nämlich die Herkunft öes Vamens „Pforzheim".

Veben der Heimatforschung aber beschäftigten größere Probleme seinen
regen Geist. Während seines Studiums, öas der Altphilologie gewiömet war,
lernte er Geheimrat E. Fabricius kennen. Auf öessen Anregung ging Fischers
Dissertation „Das römische Lager, insbesonöere nach Livius" zurück. Fabri-
cius, den Wolsgang Fischer zeitlebens als seinen großen Lehrer verehrte, regte
beim Archäologischen Fnstitut später die Veauftragung Fischers mit einer
umsassenden Veubearbeitung seiner Lagerarbeit an. Leider blieb das Werk —
es sollte in diesem Fahr zum Abschluß komimen — unvollendet; die Äbec-
belastung mit vielen anderen Dingen, mit denen Fischer sich beschäftigte und
seine Tätigkeit als Lehrer am Reuchlingymnasium in Pforzheim, haben die
Fertigstellung verhinöert.

Wer Gelegenheit hatte, Wolfgang Fischer Persönlich kennenzulernen, öer
schätzte in ihm nicht nur sein umfassendes heimatgeschichtliches Wissen, sonöern
fand in ihm bald eitten Menschen von allseitigstem Fntercsse und tiefster,
wissenschaftlich begründeter Bildung. Der Erziehung der deutschen Hugenö
widmete er seine ganze Kraft, nicht nur als Lehrer, sondern auch als Jugend-
führer. Seitdem Wolfgang Fischer 1923 öie Führung der Pforzheimer Pfaö-
finder übernommen hatte, sah er hier seine größte Aufgabe. Tiefstes Ver-
ständnis für die Fragen, öie damals die Fugenö beschäftigten und seine ju-
gendliche, frische Art, machten ihn zum Vertrauten vieler junger Menschen.
Gemeinsam mit ihnen rang er um die großen Probleme unserer Zeit. Wenn
er 1933 in der Hitler-Jugend weiter mitarbeitete und 1934 sich öer SS zur
Verfügung stellte, so war das nur konsequent. Fn öer SS, wo er öas Vasse-
und Sieölungsamt in Pforzheim übernahm, hatte er öie Möglichkeit, sein
reiches Wissen und seine menschlichen Eigenschaften ganz in öen Veuaufbau
unseres Reiches zu stellen.

SS-Männer standen am Sarg öes Kameraden Ehrenwache unö gaben
über dem Grab die dreisache Ehrensalve ab. Von weither waren seine ehe-
maligen Psadfinder gekommen, dem Führer ihren letzten Gruß zu entbieten,
und Vertreter der Wissenschast und Heimatforschung legten ihre Kränze
nieder. — Sein Körper ging von uns, sein Geist und sein Werk lebt weiter.
346 P. H. Stemmermann.
 
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