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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0478

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spangen, die in Blei eingelassen sind, kommt am Merkurtempel vom
Döme und auch an der porta nixra vor.

Einen Fingerzeig für die zeitliche Ansetzung gibt auch der mehrfach einge-
meihelte Buchstabe K. Er hat eine eigenartig schiefe Form, die dadurch ent-
steht, daß öer eine Schenkel länger gestaltek ist als öer anöere. Diese 2lrt kehrt
aus römischen Denkmälern der Spätzeit öfters wieder. Auch die etwas ge-
drückte breite Form ist nicht selten zu beobachten. Zum Vergleich nenne ich
die Architravinschrift von Ladenburg (LIÜ 6421 — Wagner: Fundstätten 11,
S. 227 Fig. 195 c), noch besser den Disuciusstein von Heiöelberg (d 6404 —
Wagner 11 S. 272 Fig. 232 Zeile 3 u. 4). Aus allernächster Aähe der Sand-
bachbrücke ist der Sinzheimer Meilenstein aus der Zeit Caracallas zu nsnnen
(LIÜ 9116 — Wagner 11 S. 46) und vor allem der Quadruvienstein von
Sandweier selbst, der die genaueste Analogie auf dem gleichen Steinmaterial
wie die Sandbachquader bietet.

Wir werden darum nicht fehlgehen, wenn wir die steinerne Sandbach-
brücke der großen Reorganisation des Straßenwesens unter Septimius Se-
verus unö seiner nächsten Aachfolger im Veginn des 3. Qahrhunderts zu-
schreiben.

Sie hat nicht sehr lange in Benützung gestanden. Die Dausteine zeigen nicht
die mindeste Spur von Derwitterung, sehen vielmehr aus, als seien sie un-
mittelbar aus dem Steinbruch gekommen. Vielleicht ist öie Brücke schon beim
Vau eingestürzt. Ein Sturzregen während unserer Grabung, zeigte, welche
Wucht das aus den Bergen herabschießende Wasser erhalten kann und mit
welcher Gewalt es sich in öie älfer einfriht.

Aach Aufgabe der Pfahlbrücke und der alten Römerstraße verzichtete man
übrigens auf den Bau einer neuen Vrücke und überquerte den Bach mit einer
Furt, die wenige Meter nördlich der zerfallenen Steinbrücke beiderseits in
tiefen Hohlwegen die älfer öes Baches öurchfchneidet.

Das mit der Aufdeckung der Brücken am Sandbach gelöfte Problem hat
nicht nur eine archäologisch-geschichtliche Beöeutung, sondern beansprucht auch
noch erhöhtes geologisches Jnteresfe. Es wurde einleitend bemerkt, daß der
Sandbach das alte Bett des ehemaligen Kinzig-Murg-Flusfes mit öem ehe-
maligen Hochufer des Rheines verbindet. Heute hilft er, öie Riederungen des
Kinzig-Murg-Flusses entwäfsern. Die untersten Fundamentschichten der Wi-
derlager der ehemaligen römischen Brücke liegen 1,60 m höher als der heutige
Dachspiegel (vergl. Querschnitt L). Man öarf immerhin annehmen, öaß die
Fundamente der Pfeiler ursprünglich mindestens 1 m unter den Bachspiegel
ihrer Zeit hinabreichten. Dafür spricht auch die Tiefe der Spundwand. Der
Bachspiegel zur römischen Zeit muh also mindestens 2,50 m über öem heutigen
gelegen haben. Das entspräche auch etwa öer wagrechten Höhenmarke nn der
untersten Schicht der Steinquader. Der Bach kann öemnach zur Römerzeit
höchstens öas überflüssige Wasser des Kinzig-Murg-Flusfes zum Rhein ab-
geleitet haben. Er bildete eine Berbinöung zwischen den beiöen Strömen.
Dann aber muß die Katastrophe am Enöe der Römerzeit eingetreten sein, die
das Bachbett durchriß und wesentlich senkte. Die Lage öer Steinquader üb-er
1 m unter dem ausgebaggerten Bachbett ebenso die eingerammten Pfähle der
Holzbrücke sprechen dafür, daß öer Spiegel vielleicht noch etwas tiefer sank
als heute. Damit wurde öann auch die Steinbrücke unterspült und zum Ein-
sturz gebracht. Der Kinzig-Murg-Fluh hat seine Entwässerung gesunöen zum
Rhein, er begann langsam zu versiegen.

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