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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

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https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0480

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Die älntersuchung ergab folgenden Vefund:

Grab 1: „Steinkiste" mit Deckplatten. Von einer seitlichen Einfassung nur
eine gröhere senkrechte Kopfplatte. Ziemlich gut erhaltenes Skelett. Hervor-
zuheben ist die eigenartige Lage: Die ganze rechte Körperseite lag höher als
die linke; Oberarm unö Llnterschenkel um O,10 m, Oberschenkel um 0,20 m.
Dieser war auherdem aus der Gelenkkapsel heraus in seiner Richtung kopf-
wärts um 0,15 m verschoben, ö. h. er lag über und dicht neben öem Becken:
der linke Oberschenkel war in öerselben Weise um 0,08 m verschoben und lag
unter dem Becken. älnmittelbar über der linken Beckenhälfte lag eine kleinere
flache Kalksteinplatte von etwa 0,03 m Dicke.

Grab 2: Steinkiste, ohne Deckplatten, mit Zrockenummauerung aus waag-
rechten Platten, Jnnenwänöe teilweise mit kleinen senkrechten Platten aus-
gekleidet. 2 Bestattungen. Die obere die eines Kindes, 0,60 m ties ohne Bei-
gaben; 0,90 m tief die einer Frau mit reichen Beigaben: Reste von 2 silber-
nen Ohrringen, etwa 80 Perlen, 5 Riemenzungen aus Bronze bis zum 0,20 m
Länge, ein Armreif aus Bronze, Reste von Sisenmesser unö -schere, Beschläge,
Aieten. Zwischen beiden Skeletten einige Bruchsteine.

Grab 4: Steinkiste mit grohen Deckplatten unö seitlicher Llmmauerung, öie
Jnnenwände mit senkrechten Platten ausgekleiöet. Grhaltung des Skeletts
mähig. Weitere Knochen im Grabinnern deuten auf eine Äachbestattung.
Grabboden bei 1,40 m.

Grab 5: Steinkiste mit Deckplatten unö trocken gemauerten Seitenwänden.
Wahrscheinlich zweimal belegt unö später gestört. Keine Beigaben.

Grab 6: Steinkiste mit 2 grohen Deckplatten unö trocken gemauerten Sei-
tenwänden. Kindergrab. Erhaltung schlecht.

Grab 7: Steinkiste mit Trockenummauerung. Gestört. Am Hals Perlen.

Auffallend ist öas ausschliehliche Vorkommen von Steinkisten. Da aber
über die Baugruben hinaus keine älntersuchungen vorgenommen werden
konnten, ist das Vorhandensein von Erdgräbern nicht ausgeschlossen.

Dei den Berlegungsarbeiten unö öen damit verüundenen gröheren Erd-
bewegungen an der Reichsstrahe Rr. 3 Wurde öer Bauführer Zimmerlin von
der Baufirma Baschnagel, Müllheim, auf Steine in nur geringer Liefe
(0,20 m) aufmerksam. Der örtliche Leiter öer gesamten Bauarbeiten von der
Wasser- unö Straßenbaudirektion Freibuvg, Bausührer Schneiöer, erstattete
über diesen Fund seiner Behövde, unö diese dem Museum für älrgeschichte
Meldung. Der älnterzeichnete, der zu dieser Zeit öie Ausgrabung an dem
Alemannenfriedhof Mengen leitete, wurde mit der Bergung beauftragt. Die
Besichtigung der Fundstelle am 18. Aov. 1935 lieh mindeskens 5 Steinkisten
erwarten. Da die Arbeiten am Strahenbau drängten, übernahm die Aus-
grabung Mengen mit ihcen bewährten Stammarbeitern (3) unter der ört-
lichen Leitung öes älnterzeichneten und der zeichnerischen Mitwirkung von
R. Gerbig (Augustinermuseum) die Bergung der Gräber in öer Zeit vom
19.—23. Rov. 1935. Dem Charakter einer Aotgrabung entsprechend konnte
nur das von der neuen Strahe überdeckte Gelänöe in einem begrenzten Ab-
schnitt untersucht werden. Dabei ergab sich solgender Besund (Abb. 195):
Von insgesamt 12 ausgegrabenen Gräbern waren 10 Steinkisten und 2 Erd-
gräber. Steingräber sind die Gräber: 1, 2, 3, 4, 6, 8, 10, 11 und 12, Erö-
gräber die Gräber 7 und 9. Die meisten Steingräber haben nur seitliche älm-
mauerung in Trockenmauerwerk aus Kalksteinen (vom Schönberg); Grab 8
hat auher der Steinfassung auch eine Steinöecke; Grab 5 hat eine nach innen
zusammengestArzte Steinöecke und öarunter eine saubere Sargversärbung.
Die meisten Gräber hatten 1—4 Querriegel aus Stein als älnterlage des
Skeletts. Qm ganzen gesehen ein auheroröentlicher Reichtum an Grabtypen
vom einfachen Erdgrab über die einfache Steinkiste bis zu überdeckten Stein-
und Erdgräbern.

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