Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 3.1933/​1935(1936)

DOI issue: DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.27454#0489

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Von den 20 oben genannten Gräbern konnten bisher 3 mit Rücksichtnahme
auf die Sicherheit des Kiesgrnbenbetriebes nicht untersucht werden (1, 2 und
2O); 7 Gräber wurden vor unserer Ausgrabung ausgenommen (3—7) und die
Funde sauber getrennt gehalten, bei zweien davon waren überhaupt nur noch
Reste der Grabanlage vorhanöen (18 und 19). Die Gräber 9—17 wuröen bei
der Abdeckung nicht berührt; nur Grab 8 hat einen neuen Eingrisf auszu-
weisen. Dagegen sind bei den Gräbern 8—15 Spuren alter, wohl spätestens
mittelalterlicher Störung bzw. Plünöerung zu erkennen gewesen. Die „Schatz-
gräber" haben meist mit genauer Lagekenntnis der Bestattung einen engen
Schacht genau auf den Toten oder insbesondere auf die Brustgegend herun-
tergetrieben und bei sehr genauem Wissen um die Lage der wertvolleren
Metallfunde in Frauen- und Männergräbern eine peinlich genaue Plün-
derung vollzogen. Dabei kommt es jedoch vor, dah, wie in Grab 10—12 Ein-
zelglieder der Bestattung unberührt bleiben und damit auch einzelne Funde
den Aäubern entgingen. Auffällig ist, dah von Grab 6 abgesehen, bei diesen
Eingrisfen die vorhandenen Spuren oder teilweise wohl noch als Holzsub-
stanz angetroffenen Grabkammern sämtlich unberührt blieben (Grab 11-12;
15 und 17). Daraus folgt, dah zur Zeit des Grabraubes noch oberflächlich
sichtbare Erscheinung, wie etwa flache Hügel, vorhanden gewesen sein müssen.

Besonderer Beachtung wert erscheint auch die Größe öer Grabkammern
von zumeist mehr als 2 m Länge und bis zu 1,50 m Breite mit der Eigenart,
den Toten regelmähig in öer nördlichen Hälfte der Kammer oder auch nur
der Grube (9, 10, 13 und 14?) niederzulegen, wobei öie Süöhälfte für Bei-
gaben vorbehalten blieb. Am öeutlichsten wird dies bei Grab 17, wo die
Grabkammer sogar eine Längsteilung mittels eines stärkeren Brettes oder
eines Pfostens erfuhr mit der bewaffneten Bestattung im einen, einem Ton-
gefäh, einer schräg in die Kammer gestellte Lanze und wohl noch anderen
vergangenen Beigaben im anderen Teil (Abb. 197).

Jnfolge öer Plünöerung wurden nur wenig Beigaben angetroffen. Sie
treten im Vergleich mit den guten Holzbaübeobachtungen sehr in den Hinter-
grund. An Wasfen sind insgesamt zu nennen: 2 Schildbeschläge, 2 Saxe unö
5 Lanzenspitzen. Keramische Reste liegen aus 4 Gräbern vor (3, 8, 10 und 17);
aus Grab 10 ferner ein Glasgefährest, und Eisenbeschlägreste von einem Holz-
eimer (Grab 5). Aoch ärmer sind die Funde aus öen Frauengräbern; einzig
das Kindergrab 6 verdient mit den wenigen Bronzen eine Hervorhebung
(s.

Für den Bronzeanhänger gibt es gute Analogien in fränkischen Gräbern
des 7. Jahrhunderts am Mittelrhein und auch in Äordbaden. Auch die Lan-
zenspitzen und Schildbuckel sind in gleicher Form öort zu finden. Für das Stück
aus Grab 11 seien nur zwei genaue Entsprechungen aus Schillingstadt A. Tau-
berbischofsheim. und aus Bruchsal im Landesmuseum genannt; öiejenige aus
Grab 17 mit den beiden Ringwülsten zwischen Blatt und Tülle begegnet in
Bruchsal wieder. Für die Lanzenspitze aus Grab 15 sind zwei gleiche Stücke
aus Heidesheim A. Bruchsal und Riefern A. Pforzheim zu nennen. Die Zahl
der Analogien liehe sich bedeutend erhöhen. Aüch die Schildbuckel sind öfter
vertreten; der aus Grab 15 begegnet meift in sehr späten Grabzusammen-
hängen. Für die Holzeimerbeschläge wurde bereits auf die Sntsprechung von
Huttenheim A. Bruchsal (s. o.) verwiesen.

Ohne öie in Rheinsheim anzutreffenden Formen bis ins einzelne weiter zu
verfolgen, kann chronologisch soviel gesagt werden, dah Funde aus der Zeit

459
 
Annotationen