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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0032

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24

Eduard Sangmeister

Soweit es sich aus dem spärlichen Material bisher belegen läßt, gab es im Hegau eine Be-
siedlung durch die Rössener Kultur in deren Fazies der südwestdeutschen Stichkeramik,
die charakterisiert war durch Beziehungen zur süddeutschen Stichbandkeramik der Mun-
zinger Form des Rieses. Diese äußerten sich nicht nur durch Übernahme von Importen,
sondern auch durch Abnahme von Einzelheiten im Zierstil. Damit ist hier eine Parallele
zu Nordwürttemberg gegeben, wohin ohnehin deutliche Beziehungen in der Verzierung
gehen. In den gleichen Raum gehen auch die mit Hinkelstein zu verbindenden Vergleiche,
das in Nordwürttemberg ebenfalls mit südwestdeutscher Stichkeramik zusammentrifft.
Mühlhausen bietet mit dem Bruchstück eines Schieferringes aber noch Beziehungen zu ost-
französischem Neolithikum.
Die neue Fundgruppe im Hegau wirft noch einige relativ-chronologische Probleme auf,
die sich teils aus der erneuten Beobachtung der Vergesellschaftung von Rössen mit Stich-
bandkeramik und Hinkelstein ergeben, z. T. daraus, daß Rössen ja mit Cortaillod ver-
bunden ist und über diese Kultur in das westeuropäische System einbezogen wird. Diese
Bezüge wollen wir nur kurz streifen, auch nur weil ja der Hegau nun neben dem Ober-
rhein als Brücke zwischen den Hauptverbreitungsgebieten der Rössener Kultur in Würt-
temberg und am nördlichen Oberrhein und den isolierten Vorkommen der Schweiz an
Bedeutung gewann. Suchen wir die Verbreitung der mit Mühlhausen und Binningen cha-
rakterisierten südwestdeutschen Stichkeramik und ihrer so bezeichnenden Vergesellschaf-
tung und Vermischung mit Stichbandkeramik vom Munzinger Typus nachzuzeichnen, so
ergibt sich, daß im Hegau selbst das Material von Singen hierherzustellen ist, daß aber
auch die wenigen Scherben der zweiten Fundstelle von Binningen und der eine ver-
schleppte Scherben von Rielasingen die gleichen Merkmale zeigen. Auch die Funde von
Gächlingen, Kt. Schaffhausen, lassen sich anhängen22), da die auf der zitierten Abbildung
vorgelegten Stücke 5, 7—10 der südwestdeutschen Stichkeramik angehören, während
1—3,6 stichbandkeramisch sind; daß hier noch ein Scherben mit einer anscheinend
linearen Bandverzierung dazugehört, braucht angesichts der Verzahnung von jüngster
Linearkeramik und Stichbandkeramik nicht zu erstaunen. Der südlichste Punkt, wo Ke-
ramik dieser Gruppe bisher angetroffen wurde, ist Wetzikon, Kt. Zürich23). Von dort
hat Vogt drei Scherben der südwestdeutschen Stichkeramik und zwei Scherben der Stich-
bandkeramik mit deutlichem Einfluß der südwestdeutschen Stichkeramik publiziert. Bei
dieser Verbreitung, die nur das dem Hegau südlich vorgelagerte Gebiet noch berührt,
wird man nicht zweifeln, daß auch der verschollene, von A. Stroh24) als südwestdeutsche
Stichkeramik geführte Scherben von Rauenegg bei Konstanz in diese Verbindung zu
stellen ist.
Außer den genannten Fundstellen werden aus dem südwestlichsten Verbreitungsraum der
Rössener Kultur noch zwei Fundgruppen genannt, die E. Vogt25) schon gegeneinander
gestellt hat, die Gruppe am Alpenrhein und jene zweite, die sich aus Rössener Importen

22) Vgl. Anm. 18.
23) L’Europe a la fin de l’äge de la pierre (Prag 1961) 462 ff. Taf. 44, 1—4, 8 (Nr. 5 und 8 sind in
der Beschriftung vertauscht; das als Nr. 8 abgebildete Stück gehört zu den Stücken 1—4)
(E. Vogt).
24) Vgl. Anm. 1.
25) L’Europe ... a. a. O,
 
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