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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0289

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281

geben lassen. Ebenso vermißt man auf Abb. 1 (Ausschnitt aus der topographischen Karte 1:50 000)
eine Eintragung von Lager, Zivilstadt, Straßen und den übrigen Gräberfeldern (etwa durch
farbigen Aufdruck), denn nicht jedem Benutzer steht FiL 4/5, 1957 mit den entsprechenden
Karten zur Verfügung.
Unpraktisch ist schließlich, wie schon angedeutet, daß nicht nur die Auswertung, sondern auch
der Katalog der Glasgefäße erst im Anhang gegeben wird und man daher gerade bei den in
erster Linie interessierenden reicher ausgestatteten Gräbern recht viel blättern muß. Manchmal
geht die Gründlichkeit des Autors etwas zu weit, etwa wenn die Münzen beschrieben statt in
der sonst allgemein üblichen Weise nach gewissen Handbüchern bestimmt werden; der Verfasser
bleibt hier jedoch konsequent dem in der Ziegelfeld-Publikation eingeschlagenen Weg treu.
Für die nie ganz zu vermeidenden sinnentstellenden Druckfehler sei auf die Zusammenstellung
von R. Noll, Mitt. d. Anthr. Ges. Wien 92, 1962, 353 f. verwiesen; im Grabprotokoll zu Grab 60
fehlt ein Hinweis auf die Frontispiz-Abbildung der Glasschale. In Text und Abbildungsunter-
schriften wird mehrfach auf eine sog. „Totenstadt“ verwiesen (S. 52, 86), ohne daß dieser Begriff
näher erläutert wird (offensichtlich ist damit die dicht belegte Parz. 1570 gemeint). Auch „die
Frage nach seinerzeitigen Friedhofswegen“ (S. 52) wird nicht beantwortet, ebensowenig auf die
verschiedenen Orientierungen der Gräber im Zusammenhang eingegangen.
Hinsichtlich der Belegungsrichtung kann nur „gesagt werden, daß die spätesten Bestattungen
am Ostrande zu finden sind“ (S. 86). Für die fehlenden Grabzeichnungen oder Skizzen wenigstens
der beigabenführenden Gräber wird man durch die Grabfotos Taf. 9—11 einigermaßen ent-
schädigt (dazu die beiden trachtlich instruktiven Lageskizzen Abb. 2 und 3), doch vermißt man
eine aufgliedernde Kartierung nach dem Geschlecht der Toten, etwa durch farbigen Aufdruck
auf Plan 2, wodurch die vom Verfasser auf S. 25 soziologisch interpretierten Überschneidungen
und Grabgruppen noch plastischer hervorgehoben würden.
Als Belegungszeit kommt die zweite Hälfte des 3. und das ganze 4. Jh. in Frage, wobei die große
Zahl (73 = 50-%) von Gräbern, bei denen keine Beigaben festgestellt werden konnten (z. T.
allerdings wegen Störungen), auch noch an das beginnende 5. Jh. denken läßt.
Eine erste anthropologische Auswertung ergibt bei den 141 meßbaren Individuen ein starkes
Überwiegen der Männer und eine anscheinend recht erhebliche Kindersterblichkeit (S. 88 f.).
Allerdings möchte man dieses Ergebnis nicht überbewerten, da nach Berechnungen Kloibers
bis zum Beginn seiner Grabungen mindestens etwa 140 Gräber schon zerstört worden sind (S. 15).
Aus diesem Grund kann man auch nicht aus dem Überwiegen von Männern auf eine Veteranen-
siedlung schließen (so S. 87 Anm. 6). Immerhin fehlen jegliche Beigaben militärischer Art, so
daß man sich wohl mit der Klassifizierung „Menschen der bürgerlichen Mittelschichte der Zivil-
stadtbevölkerung“ (S. 87) wird begnügen müssen, wobei mir allerdings die Beigaben nicht aus-
zureichen scheinen, um an eine aus dem Rheinland umgesiedelte germanische Bevölkerung zu
denken, zumal Kloiber selbst auf Beziehungen zum Osten (Pannonien) hinweist. Da die anthro-
pologischen Schlußbemerkungen etwas knapp ausgefallen sind, wird man auch gerade wegen
der zahlreichen neuen Wege der Erkenntnis, die der Verfasser in diesen Fragen aufgezeigt hat
(vgl. etwa FiL 2, 1954, 132 ff.; 4/5, 1957 passim), mit um so größerer Spannung auf die weiteren
Bände der Gräberfeld-Publikation und die angekündigte „speziell kulturkundliche, die kultur-
anthropologische und die physisch-anthropologische Bearbeitung“ des geborgenen Skelettmate-
rials warten.
Die kritischen Anmerkungen zu den beiden hier angezeigten Bänden möchten auf Möglichkeiten
hinweisen, wie ohne große Mühe die nun schon recht profilierte Reihe der „Forschungen in
Lauriacum“ Material und Auswertung dieser so bedeutenden modernen und großzügigen Aus-
grabung dem Leser in einigen Punkten noch besser erschließen können.
München Jochen Garbsch
H. Dannheimer, Die germanischen Funde der späten Kaiserzeit und der Merowingerzeit
in Mittelfranken. Veröffentlichungen der Römisch-Germanischen Kommission des
Archäologischen Instituts Frankfurt. W. de Gruyter, Berlin 1962. Textband X und
234 Seiten. Tafel A—H und Tafelband 84 Tafeln.
 
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