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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0017

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Siedlungen der Rössener Kultur im Hegau

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Siedlungen der Rössener Kultur im Hegau
Von Edward Sangmeister, Freiburg i. Br.
Als A. Stroh im 28. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 1939 seine Arbeit
über die Rössener Kultur in Südwestdeutschland vorlegte, konnte er aus dem Bereich
des Hegaus nur zwei unsichere Funde verzeichnen: Einen inzwischen verschollenen
Scherben aus dem „Pfahlbau“ Rauenegg bei Konstanz und angebliche Rössener Ke-
ramik von Welschingen, die sich dann als Glockenbecherkeramik erwies1). Das ganze
Gebiet war damit als Siedlungsgebiet der Rössener Kultur auszuschließen, da der eine
Scherben von Rauenegg nur so gewertet werden könnte wie die später bekanntsewor-
denen Rössener Funde aus Cortaillod-Zusammenhang, nämlich als Beweis für Import
aus einer benachbarten Kultur. Jedoch mußte dann die räumliche Entfernung zu den
nächsten Rössener Fundstellen genauso auffallen wie die damals noch isolierte Lage
einer Fundstelle in Liechtenstein2).
Es leuchtet daher ein, welche Bedeutung es hat, daß seit dem Krieg im Hegau acht
Fundplätze der Rössener Kultur bekannt wurden, vier im Kt. Schaffhausen und vier
in der Gegend von Singen. Von ihnen sollen die Funde aus der Siedlung an der Aach
in Singen selbst zusammen mit den übrigen Singener Funden monographisch vor-
gelegt werden, während Funde von Mühlhausen (Ldkrs. Konstanz), ebenfalls an der
Aach gelegen, und von Binningen (Ldkrs. Konstanz) hier besprochen werden sollen,
damit eine Fundgruppe nicht länger unbekannt bleibt, die geeignet ist, die Vorstellung
vom Siedlungsbereich der Rössener Kultur in Südwestdeutschland auszuweiten, und
vielleicht hilft, die Importe in den benachbarten Schweizer Ufersiedlungen besser zu
verstehen. Vom vierten Fundplatz, Rielasingen (Ldkrs. Konstanz), liegt bisher nur
ein Scherben vor, der aber als besonders typisch doch angeschlossen werden kann.
Bedauerlich ist, daß die beiden größeren Fundgruppen nicht aus Grabungen stammen,
die mit der nötigen Zeit und Sorgfalt hätten vorgenommen werden können. In Mühl-
hausen wurde 1960 beim Bau einer Umgehungsstraße zur B 33, die den Ort westlich
umfährt, in den Gewannen „Rennen“, „Lachen“, „Ob dem Ziel“ und „Däschleäcker“
eine Siedlungsschicht angeschnitten und von den Planierraupen so stark zerstört, daß
gründliche Beobachtungen nicht möglich waren. In der Zeit vom 7. bis 10. 6. 1960
konnte ein Stück eines Längsprofils auf der Ostseite der neuen Straße beobachtet und
aufgenommen werden, wählend der gleichen Zeit und in den anschließenden Wochen
*) A. Stroh, Die Rössener Kultur in Südwestdeutschland, 28. Ber. R. G. K. 1939, 122.
2) Jahrb. Hist. Ver. Fürstt. Liechtenstein 36, 1936, 3 ff. (G. v. Merhart); A. Stroh a. a. O. 65.
 
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