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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0284

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27b

Buchbesprechungen

K. Peschei, Die vorgeschichtliche Keramik der Gleichberge bei Römhild in Thüringen,
Veröffentlichungen des vorgeschichtlichen Museums der Friedrich-Schiller-Universität
Jena, Band 1, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1962, 173 Seiten, Titelbild, 2 Text-
abbildungen, 51 Tafeln.
K. Peschei wagt mit dieser Arbeit etwas, was bisher wegen darstellerischer Schwierigkeiten und
methodischer Vorbehalte selten gewagt worden ist, nämlich die mehr oder weniger zufällig er-
scheinende Fundauswahl eines wichtigen, aber noch keineswegs systematisdi erforschten Fundplatzes
vorzulegen. Daß er sich dabei im vorliegenden Fall noch auf die vernadilässigte Keramik beschrän-
ken mußte, da die spektakulären und einfadieren Metallfunde schon vorweg behandelt waren,
machte seine Aufgabe nicht leichter.
Es darf aber vorweggenommen werden, daß der Erfolg nachträglich den Aufwand gerechtfertigt
haben dürfte. Man weiß jetzt, was es von den Gleichbergen, vor allem vom „Kleinen Gleichberg“,
an Keramik gibt, wie sie sich zusammensetzt und zu welchen benachbarten Gruppen sich Beziehun-
gen herstellen lassen. Wenn die Keramik dann noch ganz wechselnde Beziehungsintensität zu den
Nachbarräumen im Südwesten, Südosten und nördlich des Thüringer Waldes enthüllt, ergibt sich
eine Kontrolle des auf der Untersuchung der Metallformen gewonnenen Bildes, die es erst erlaubt,
die Steinsburg, ihrer kulturhistorischen Bedeutung entsprechend, in die mitteleuropäischen Verbin-
dungen einzuordnen. Da diese Bearbeitung mit ihrer Klärung der Fragestellung zugleich Grundlage
für gezielte Fortführung der Grabungen sein soll, wie einleitend dargelegt wird, erfüllt sie einen
doppelten Zweck. Mag diesem zweiten Zweck die Zusammenstellung der Keramikfunde auf den
Tafeln nach Fundgruppen auch eher gerecht werden, dem Leser hätte eine Zusammenfassung nach
Zeit- und Kulturgruppen (der Entscheidung des Autors entsprechend) Lektüre und Vergleich er-
leichtert. So allerdings machen die Abbildungen einmal deutlich, wie schwer es ist, nur nach Profilen
etwa Scherben zuzuweisen, wenn es sich nicht um sehr markante Formen handelt. Hier empfindet
man angenehm die generelle Übersicht über Einteilungskriterien (S. 18 ff.) wie die spezielle Diskus-
sion wichtiger Einzelstücke und Komplexe im Text (S. 23 ff.) und Katalog (S. 102 ff.).
Die faktischen Ergebnisse sind, der Quellenbasis gemäß, nicht sehr umfangreich. Immerhin ist auf-
schlußreich, daß auch die Gleichberge von jenen frühen Kulturgruppen aufgesucht wurden, die wir
auch sonst bevorzugt von Höhensiedlungen kennen, etwa das sogenannte „Alt-Rössen“ oder „Gold-
berg III“ des Neolithikums, oder die fast nur aus Höhen- und Ufersiedlungen bekannte „Kultur“
der Zeit Bzt. A2/B1, deren Kulturverhältnis zur Hügelgräber^w/fwr wohl noch nicht so ganz
geklärt ist. Hier wegen der Spärlichkeit der Funde nur auf kurzen Besuch zu schließen, scheint mir
die Vorsicht zuweit getrieben. Was kann man bei so intensiver jüngerer Besiedlung noch erwarten,
zumal wenn Plangrabungen ganz ausgesprochen auf die Befestigungen jüngerer Zeit abgestellt
waren, die die älteren Siedlungen gar nicht betroffen zu haben brauchen? Um so wichtiger scheint
die Vermutung — noch nicht Beweis —, daß die Uk-Besiedlung schon mit einer Befestigung ver-
knüpft sein kann, da damit eine weitere Höhensiedlung mit Schwerpunkt ab Ha A 2 erfaßbar ist.
Daß die wichtigste Zeit der Burg ab Ha D (2 ?) einsetzt, spiegelt sich auch im Fundstoff. Allerdings
ist die Frage der Kontinuität während der mittleren Latenezeit auch durch die Bearbeitung der
Keramik nicht voll gelöst. In der Frage der Retardierung sind wir noch zu sehr auf subjektive
Argumentbewertung verwiesen, wie die Diskussion des fehlenden Latene-B seit Kersten (S. 84 ff.)
zeigt. Das gleiche gilt, wo die Chronologie unmittelbar aus der Übertragung historischer Ereignisse
auf archäologisches Material gewonnen wurde. So ist gegenwärtig die Datierung etwa der Nau-
heimer Fibel, auch von Beltz Variante J, wieder neu aufgeworfen worden. Änderungen allein bei
diesen beiden Formen werden nicht ohne Auswirkung auf die Beurteilung der Steinsburgsituation
bleiben. Allerdings dürfte wohl der vergleichsweise „provinzielle“ Charakter während der Spät-
latenezeit mit der Zeit eher noch klarer herauskommen, als es Peschei an der Keramik schon gut
glaubhaft machen konnte. Wie das jedoch ethnisch zu deuten sein wird, das wird noch lange, viel-
leicht immer, offenbleiben. Denn heute geht die Frage ja kaum mehr nur auf das Problem Kelten
oder Germanen — oder etwa weder Kelten noch Germanen —, sondern sie heißt: Unter welchen
Bedingungen dürfen Kulturähnlichkeiten überhaupt mit Zugehörigkeit zu einer ethnischen Einheit
im sprachlichen oder politischen Sinne erklärt werden? Daß der Verfasser diese Frage zwar im
ganzen noch konventionell (S. 88 ff.), aber mit aller Vorsicht behandelt, muß voll anerkannt werden.
 
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