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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0053

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Vier Brandgräber der Urnenfelderzeit von Tauberbisdiofsheim

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Die Zahnreste des Erwachsenen setzen sich aus 15 Wurzeln von Frontzähnen,
Prämolaren und Molaren zusammen. Davon kann man zwei relativ gut er-
haltene Stücke als obere Backenzähne — vermutlich 6/6 — für die linke und
rechte Kieferhälfte einordnen. An diesen Zähnen, in halber Höhe der Kronen,
befinden sich muldenförmige Abrasionsflächen. Der Grad dieser Abnützung
zeugt von ca. 20jähriger Kaufunktion. Außerdem liegt ein Teil der Mandibula
mit den Alveolen der Schneidezähne vor. Auffällig ist hierbei die grazile Form
der Zahnfächer mit dem Alveolarfortsatz.
Altersdiagnose: Adult.
Grab 3: Vom Oberkiefer ist der Processus alveolaris mit den Zähnen oben links /34567
erhalten. Leider ist das Bruchstück nicht groß genug, um die Anlage des Weis-
heitszahnes kontrollieren zu können. Zeichen einer natürlichen Abnützung
bestehen beim MP Diese Abrasion ist relativ gering, und nur der mesiobuccale
Höcker läßt sie erkennen. Der kleine Backenzahn oben links 4 weist einen
anatomisch gut ausgebildeten, palatinalen Höcker ohne Abkauung auf. Der Eck-
zahn und 2. Prämolar sind durch die Hitzeeinwirkung ohne Schmelzbedeckung
und für die Feststellung des Abrasionsgrades nicht geeignet. Die Zahninnen-
räume, besonders M2, wo sie durch eine Fraktur der Zahnkrone freiliegen,
erscheinen auffällig groß. Zehn weitere Wurzeln resp. Zahnfragmente sind
ebenfalls ohne Merkmale einer Sekundärdentinbildung. Schließlich wirkt noch
eine Zahnkrone eines unteren Molaren mit zwei spitzen Höckern für die
Beweisführung einer konkreten Altersbestimmung unterstützend.
Altersdiagnose: Juvenil.
Grab 4: Vom Unterkiefer ist die linguale Seite des Alveolarfortsatzes aus der Region
der Frontzähne erhalten. Die sechs Zahnfächer erscheinen klein und zierlich. Sie
sind gleichmäßig angelegt, d. h. die Zähne müssen einen normalen Zahnbogen
ergeben haben. Ein Kieferstück der Maxilla erstreckt sich von oben rechts 1 bis
oben rechts 5. Auch hier sind die Alveolen grazil und ohne altersbedingte atro-
phische Veränderungen. Zusammen 20 Wurzeln bzw. Zahnteile ergänzen in
ihrer Form das Bild eines kleinen Mundes mit kleinen Zähnen. Wenn eine
Geschlechtsdiagnose abgegeben wird, müßte sie hier eher weiblich als männlich,
lauten. Von Interesse ist noch eine Zahnkrone, wahrscheinlich unten links 5, mit
einem normalen Relief der Kaufläche ohne Spuren von längerer oder stärkerer
Kautätigkeit.
Altersdiagnose: Adult.
 
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