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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0092

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Peter Schaudig

zu weisen. Doch haben die Funde aus der Baugrube von 1957 gezeigt, daß die Schichten
bis auf den römischen Estrich im Lauf der Jahrhunderte gestört waren, so daß Keramik
vom Ende des 1. Jahrhunderts zusammen mit Scherben gefunden wurde, die ein Jahr-
hundert jünger sind, ganz zu schweigen von der mitgefundenen mittelalterlichen und
späteren Keramik.
In diesem Sinne will die hier folgende Vorlage römischer Funde der Jahre 1956 bis 1961
verstanden sein: Sie kann den zeitlichen Rahmen des römischen Baden-Baden umreißen,
sie kann mit der gebotenen Vorsicht anhand der Fundverteilung den Gang der Besiede-
lung zeigen und sie kann dartun, wie notwendig künftig genaue Fundbeobachtungen
sind. Was sie dagegen nicht kann, ist, eine aus dem Fundstoff selbst erwachsene Darstel-
lung der römischen Keramik von Baden-Baden bieten. Das kann nur durch geschlossene
Funde aus stratigraphisch gesicherten Befunden geschehen. Daher muß die Sigillata
weiterhin nach typographischen Gesichtspunkten mit der Keramik anderer Fundplätze
verglichen werden. Für die übrige Keramik, die ja im Gegensatz zur Sigillata in ihrem
Formenschatz ortsgebunden ist, bleibt ein non liquet.
Die Sigillata setzt, von Ausnahmen (Taf. 36, 1—2; 37, 1) abgesehen, in flavischer Zeit
ein. Diese frühen Funde liegen vor allem unterhalb des Bäderbereiches der Stiftskirche,
so daß unsicher bleibt, ob sie sich hier ungestört in ursprüglicher Lage finden oder ob —
vor allem durch den Stadtbrand von 1689 — eine Verlagerung stattfand10). Das 2. Jahr-
hundert ist nördlich der Stiftskirche bei der Spitalkirche zu suchen, wo die Funde bis zur
Wende zum 3. Jahrhundert reichen (Taf. 38, 2), und dann jenseits der Sophienstraße auf
dem Rettig.
Bei der einfachen Ware muß wohl mit örtlichen Töpfereien mit beschränktem Absatz-
gebiet gerechnet werden. Daher ist der Vergleich mit anderen Fundorten, etwa Riegel
oder Heidelberg-Neuenheim11), nicht möglich. Die einfachen, grautonigen Wulstrand-
töpfe der flavischen Zeit (Taf. 40, 5—7) zeigen einen innen flach (Taf. 40, 5. 7) oder tief
(Taf. 40, 6) gerillten Rand. Als Verzierung ist der wellenförmige Besenstrich beliebt12).
Die Auswahl der Krüge (Taf. 42—43) mußte sich auf die Krughälse beschränken, da
nirgends ein Bodenstück einem bestimmten Halsstück zugewiesen werden konnte. Die
Form des am Limes verbreiteten Kruges mit unterschnittenem Kragenrand fehlt völlig,
wie übrigens auch in Riegel13). In Heidelberg-Neuenheim ist sie von flavischer Zeit an
bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts hin wieder geläufig14 15). Die Mündung ist trichterförmig
(Taf. 42) oder schlauchförmig (Taf. 43), der Rand meist wulstförmig verdickt. Ein zeit-
licher Unterschied ließ sich durch Vergleich mit anderen Fundplätzen nicht heraus-
arbeiten. Die trichterförmige Mündung ist für den Anfang des 2. Jahrhunderts belegtlo),

Jo) Vgl. hierzu Wagner 2 (1911) 13 und unten Anm. 19.
n) Vgl. Huld 1962 und Heukemes 1964.
12) Horizontaler Kammstrich scheint dagegen dem 2. Jahrhundert anzugehören, vgl. unten Taf. 49,
14 und 16.
13) Vgl. Huld 1962 Taf. 22.
14) Vgl. Heukemes 1964 Taf. 4, 61 und 5, 88—91 für das 3. Drittel des 1. Jahrhunderts; Taf. 15,
80—84; 22, 19—21; 26, 18 und 31, 17 für die Wende zum 2. Jahrhundert; Taf. 33, 11 für den
Anfang des 2. Jahrhunderts und Taf. 34, 7 für das 2. Viertel des 2. Jahrhunderts.
15) Siehe zu Taf. 42, 3.
 
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