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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0119

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Ein Viergötterstein aus Sinsheim an der Elsenz (Nordbaden)

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Ein Viergötterstein aus Sinsheim an der Elsenz (Nordbaden)
Von Rolf Nierhaus, Madrid"’)
Der hier erstmals bekanntgegebene, im Kurpfälzischen Museum zu Heidelberg stehende
Viergötterstein kam zwar schon im Winter 1935/36 zutage1), wurde aber vor Ausbruch
des Zweiten Weltkrieges nicht mehr publiziert. Zu einem mir nicht mehr erinnerlichen
Zeitpunkt bald nach Kriegsende übergab mir Herr Dr. Dauber als nunmehr für die ur-
und frühgeschichtlichen Denkmäler Nordbadens zuständiger Denkmalpfleger die notwen-
digen Unterlagen und lud mich zur Publikation des Stückes ein. Wenn es dazu bis jetzt
nicht gekommen ist, dann aus verschiedenen Gründen. In erster Linie deshalb, weil zwei
Bildseiten des Steins, die Dreiergruppe unter der Inschrift der Vorderseite und die Diana
im Chiton mit dem schürzenartigen Brustlatz auf der rechten Seite, zu weiterreichenden
ikonographischen Studien anregten, die mehr Zeit in Anspruch nahmen als vorgesehen.
Als dann seit 1950 und besonders seit 1953 aus der an sich längst bekannten römerzeit-
lichen Siedelung bei Steinsfurt (Ldkrs. Sinsheim) im Zuge von Flurbereinigungsarbeiten
immer reichere römische Funde zutage kamen, als endlich 1959 beim Ausschachten einer
Baugrube große Teile eines qualitätvollen Juppiter-Giganten-Monuments angetroffen
wurden2), wurde deutlich, daß auch unser Viergötterstein ursprünglich aus Steinsfurt
stammen und erst im Mittelalter sekundär an seinen jetzigen Fundort Sinsheim verschleppt
worden sein müsse3). Unter diesen Umständen lag es nahe, mit der Publikation des Steins
*) Anmerkung der Redaktion: Inzwischen ist Herr Dr.Nierhaus als apl. Professor und Abteilungs-
vorsteher für provinzialrömische Archäologie beim Seminar für Alte Geschichte an die Univer-
sität Freiburg gekommen.
L Für die freundlichst erteilte Erlaubnis zur Veröffentlichung des Steins habe ich der Direktion
des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg zu danken, für Photos und Auskünfte aller Art
A. Dauber (Karlsruhe) und Bm. Heukemes (Heidelberg). — An Unterlagen über die Auf-
findung standen nur ein Zeitungsaufsatz von P. H. Stemmermann, Heidelberger Tagblatt vom
6. Februar 1936, und eine mäßige Photographie, die den Stein noch eingemauert in Fundlage
zeigt, zur Verfügung. — Kurze Erwähnungen des Steins in den Fundchroniken Bad. Fund-
ber. III, 1933—1936, 380; 13, 1937, 20; Germania 20,1936,136. Außerdem wurde die Inschrift
aufgrund von brieflichen Mitteilungen kurz besprochen von P. Goeßler, Saalburg-Jahrbuch 9,
1939, 28 und: Tabula Imperii Romani, Blatt M32: Moguntiacum (1940) 30 unter „Sinsheim“,
beide Male mit der irrigen Namenform Saliopenses (siehe unten). Endlich erscheint jetzt bei
O. Paret, Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit (1961) auf Karte II „Die Besied-
lung Südwestdeutschlands in römischer Zeit“ bei Sinsheim die Eintragung VIC. SALIOP.
(freundlicher Hinweis von Frau Dr. U. Schillinger). Diese Eintragung beruht offensichtlich
gleichfalls auf der wie bei Goeßler ungenau wiedergegebenen Inschrift unseres Steins.
2) A. Dauber, Bad. Fundber. 19, 1951, 201; 20, 1956, 239 ff.; 22, 1962, 278 (jeweils Fundschau
unter „Steinsfurt“). — Vorbericht über das Juppiter-Giganten-Monument vorläufig: Nach-
richtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3, 1960, 14 f.
3) Vgl. den Hinweis Daubers auf die ursprüngliche Herkunft des Steins in Bad. Fundber. 19,
1951, 201.
 
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