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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0142

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Rolf Nierhaus

bewerkstelligen können, sondern nur die Römer, so daß der Fahrweg auf diese zurück-
gehen müsse. Die Plinius-Stelle hat schon F. Stähelin (s. Anm. 15) als in diesem Zusammen-
hang gegenstandslos abgetan. Das zweite Argument ist, wie z. B. die mittelalterliche
Burgenkunde längst gezeigt hat, gleichfalls gegenstandslos; Felssprengungen in Bergwer-
ken, Steinbrüchen, zur Ausschachtung von Burggräben und zur Erweiterung von Engpässen
waren dem hohen Mittelalter durchaus geläufig.
Vor wenigen Jahren hat Ph. Filtzinger (1957, 198; 205; 208) die römische West-Ost-
Verbindung aus dem Breisgau an die obere Donau mit einer etwas abgewandelten Begrün-
dung erneut zur Diskussion gestellt. Nach ihm befand sich seit bald nach der Mitte des
1. Jahrhunderts n. Chr. in Riegel am Kaiserstuhl (Ldkrs. Emmendingen) ein Kastell; ihm
habe als Pendant auf der Ostseite des Schwarzwalds das — gesichert seit der Mitte des
1. Jahrhunderts n. Chr. bestehende — Kastell Hüfingen entsprochen. Beide Kastelle seien
miteinander durch eine Militärstraße verbunden gewesen wie weiter nördlich das (frag-
liche! s. oben) Kastell Offenburg mit seinem Pendant Kastell Waldmössingen.
Zu all diesen älteren wie jüngeren Thesen ist folgendes festzuhalten:
a) Es fehlen auf sämtlichen in Betracht kommenden Strecken und Teilstrecken, im Höllen-
tal selbst wie auf den Höhen nördlich davon, wie G. Kraft schon 1928 (s. Anm. 15) nach-
drücklich betont hat, wie 1939 der Aufschluß bei Waldau (s. Anm. 8) ergeben hat und wie
endlich unlängst Fr. Fischer (1962, 44 ff.) in seiner neuerlichen Bearbeitung des spät-
keltischen Oppidums von Tarodunum (bei Zarten, ostwärts Freiburg) unterstrichen hat,
jegliche vorrömischen und römischen Reste — sehr im Gegensatz zur Kinzigtalstraße16).
b) Unter den zahlreichen römerzeitlichen Funden aus Riegel am Kaiserstuhl ist bis heute
kein einziger zutage gekommen, der von der Existenz eines römischen Kastells an dem
Platze zeugen könnte. Daß ein Kastell jemals, etwa in den ersten Jahren der römischen
Okkupation bald nach der Mitte des 1. Jahrhunderts, dort bestanden habe, ist durchaus
zu bezweifeln; in diesem Sinne nachdrücklich Nesselhauf (1960, 161 f., Anm. 15) und
neuerdings aufgrund der Vorlage neuer römischer Materialien aus Riegel I. Huld (1962,
52). Filtzingers vorhin referierte These hängt insoweit völlig in der Luft. Aber selbst wenn
sich eines Tages ein Kastell in Riegel für die ersten Jahre der römischen Okkupation bald
nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. bewahrheiten sollte, wäre Filtzingers These
zumindest schief. Denn die römische Kinzigtalstraße war alles andere als eine lokale Ver-
bindungsstraße zwischen je einem Hilfstruppenkastell am West- und am Ostrande des
Schwarzwalds (Offenburg und Waldmössingen), sie bildete vielmehr die große Militär-
straße vom Legionslager Argentorate (Straßburg i. Els.) nach Raetien. Das erhellt aus dem
Wortlaut des Offenburger Meilensteins (s. Anm. 6). Für eine entsprechende Funktion der
West-Ost-Verbindung aus dem Breisgau an die obere Donau fehlt auf der geographischen
Breite des Breisgaus am Rhein selbst wie links des Rheins jegliche Station, die sich auch nur
von Ferne der Bedeutung des Legionslagers Argentorate als Ausgangspunkt der Kinzigtal-

16) Die beiden Bronzemünzen des Trajan und Antoninus Pius aus St. Margen im Schwarzwald
(Ldkrs. Hochschwarzwald) (Wagner 1 [1908] 220; Christ 1960, II, Karten XIII und XV, Nr.
2181) besagen in ihrer Isolierung natürlich gar nichts. Vgl. zur Aussagekraft von Einzelmünzen
die Bemerkungen im Text S. 133 zur Fundkritik der Funde längs der Kinzigtalstraße und S. 137
zu den angeblichen Münzen aus Schönwald.
 
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