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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0145

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald

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inhaltlich angeschlossen. Wegen Einzelheiten muß auf die genannten Publikationen ver-
wiesen werden. Jedenfalls hat der Stein als ein einwandfrei bezeugter römerzeitlicher Fund
aus dem Innern des Schwarzwalds auszuscheiden.
Die Funde einzelner römischer Münzen aus Schönwald (Ldkrs. Villingen) sind durchaus
unzureichend überliefert19). Für sie gilt in vollem Umfang der oben (S. 133) schon zitierte
Satz: „Einzelmünzen können zu allen Zeiten und überall verlorengehen und beweisen
wenig oder nichts.“ Ihre Beweiskraft ist gleich Null, wenn, wie in vorliegendem Falle, in
der fraglichen Gegend keinerlei gleichzeitige Funde anderer Art gemacht wurden (z. B.
Baureste; Keramik; ein geschlossener Münzschatzfund). So bleiben diese angeblich aus
Schönwald stammenden römischen Einzelmünzen lieber beiseite.
Damit entfällt jegliches Zeugnis für einen römerzeitlichen Wegstrang aus der Villinger
Gegend durch das Brigachtal ins Simonswälder- und Elztal und nach dem Breisgau.
Gut überliefert und in seinem Aussagewert ernst zu nehmen ist dagegen der Münzfund
von Furtwangen im Bregtal (Ldkrs. Donaueschingen), also von einem Punkte, der ziemlich
genau in der Mitte des Gebirges etwa gleich weit entfernt vom Altsiedelland im Westen
(Breisgau) wie im Osten (Baar) gelegen ist. Wer will, kann in dem Fund einen Hinweis
darauf sehen, daß im Bregtal beim mittelalterlichen und heutigen Furtwangen die oben
skizzierte Wegverbindung von der Baar in den Breisgau schon in römischer Zeit, etwa
in Form eines der oben (Abschnitt I, Nr. 4) charakterisierten Pfade, durchgelaufen sei; so
Revellio (1957, 124 f.), dem sich Christ (1960, I, 152) anschließt.
Indessen kann der Fund auch durchaus anders interpretiert werden. Bestehend aus elf Bron-
zemünzen aus den sechziger Jahren des 3. Jahrhunderts n. Chr., die beiden Schlußmünzen
aus dem Jahre 270 n. Chr., stellt der Fund eines der nicht sehr zahlreichen, aber auch nicht
ganz seltenen unverächtlichen Zeugnisse dafür dar, daß auch nach dem Falle des Limes
kurz vor oder um 260 n. Chr. (für eine Diskussion des Datums ist hier nicht der Ort) das
römische Leben.in der Germania Superior rechts des Rheins nicht sofort schlagartig er-
loschen ist, sondern vorerst in mehr oder weniger dürftiger Form weitergedauert hat.
Revellio (a. a.O. 126) und Christ (a. a. O. 144) nennen weitere Belege für diesen Sach-
verhalt, sämtlich Funde aus dem Altsiedelland, zu denen sich unlängst ein neuentdeckter
Leugenstein in der Rheinebene bei Illingen (Ldkrs. Rastatt), unweit eines alten Rhein-
übergangs, aus dem Jahre 269 oder 270 n. Chr. gesellt hat (Nesselhauf 1962, 81).
Aber so hoch unser Furtwanger Münzfund als ein Zeugnis für das wenn auch dürftige
Weiterdauern römischen Lebens im Limes-Hinterland nach dem Falle des Limes um
260 n. Chr. zu bewerten ist, so beweist er doch noch lange nicht eine Wegverbindung quer
durch den Schwarzwald. Zum rechten Verständnis seines Fundorts sei an folgendes er-
innert: Der Schwarzwald erhebt sich auf seiner Ostseite bekanntlich ganz allmählich in
Gestalt eines sanft nach Westen ansteigenden Plateaus. Dieses war auf Pfaden nach Art
der in Abschnitt I, Nr. 4, charakterisierten jederzeit mühelos zugänglich, sei es durch die
19) P. Revellio, in: Bad. Fundber. 2, 1929—1932, 384 (Fundschau unter „Furtwangen“); wieder-
holt (mit Zitatfehlern) von demselben (1957, 125): Im Nachlaß des Freiburger Historikers
Heinrich Schreiber (1793—1872) im Stadtarchiv Freiburg liegt ein Brief vom 1. November
1825, in dem von zwei römischen Münzen die Rede ist, von je einer in Furtwangen gefunde-
nen Maximins und einer in Schönwald gefundenen Domitians. Aus Schönwald habe der Brief-
schreiber „noch mehrere“ (Münzen). Näheres über alle diese Münzen ist nicht bekannt.
 
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