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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0149

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwaid

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behandelte angebliche Kastell in Riegel am Kaiserstuhl, als Pendant zu Kastell Hüfingen
am Ostende jener Verbindung, während Hertlein die Frage einer Sicherung seiner angeb-
lichen Renchtalstraße am Austritt des Renchtals aus dem Schwarzwald in die Rheinebene,
also die Frage nach einem Pendant zu Kastell Sulz, überhaupt nicht anschneidet.
Die ganze These ist in keiner Weise begründet und vertretbar22). Die beiden Kastelle Sulz
und Hüfingen decken keineswegs auf sie zu führende Schwarzwald-Querstraßen, die es
damals nicht gegeben hat. Sulz bildet vielmehr, wie vorhin gesagt, den nördlichen Eck-
pfeiler des Kastell-Vierecks zum Schutze der Kinzigtalstraße. Hüfingen, eher etwas vor
als nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. angelegt, ist vom Zeitpunkt seiner Gründung
an bis zur Einbeziehung des heutigen Südwestdeutschlands ins Römische Reich im Jahre
73/74 n. Chr. als ein vom Legionslager Vindonissa. (Windisch bei Brugg a. d. Aare) aus nach
Norden über den Hochrhein an die obere Donau vorgeschobener Außenposten zu inter-
pretieren23).
Übrigens liegen beide Kastelle viel zu weit ostwärts vom Schwarzwaldrand entfernt im
Altsiedelland, als daß sie jeweils den Austritt der beiden Querverbindungen aus dem
Schwarzwald, den sie angeblich absichern sollten, wirklich hätten überwachen können. Ein
Vergleich der Lage beider Kastelle mit derjenigen von Kastell Waldmössingen (auf der
Römerstraße nur etwa 8 km ostwärts der Paßhöhe beim Hofe Brandsteig) macht das deut-
lich. Hätte Kastell Sulz wirklich eine von Nordwesten kommende Straße absichern sollen,
wäre es sinnvollerweise — entsprechend der Lage des Kastells Waldmössingen — auf dem
Plateau nordwestlich über dem tief eingeschluchteten Neckartal angelegt worden.
Seine Lage auf dem Plateau südostwärts über dem Neckartal ist nur verständlich, wenn
man es, wie vorhin geschehen, als nach Norden vorgeschobenen Flankenschutz der Kinzig-
talstraße begreift.
5. Eine von Sumelocenna (Rottenburg) nach Nordwesten führende
römische Straße beschreibt Hertlein (1930, 60 ff.), die er bis Calw und weiter das Nagold-
tal abwärts bis Hirsau für gesichert hält. Ab Hirsau beschränkt er sich (a. a. O. 64 f.) zwar
nur auf Vermutungen, möchte aber die Straße, aus nicht recht erfindlichen Gründen, in den
Schwarzwald hinein weiterverlaufen lassen, im wesentlichen im Zuge mittelalterlicher und
frühneuzeitlicher Straßenstücke. Demgemäß ist die Strecke auf der den „Römern in Würt-
temberg“ beigegebenen Karte (nördliche Hälfte) von Rottenburg bis Hirsau eingetragen,
ab Hirsau deutet ein Pfeil den angeblichen weiteren Verlauf der Strecke allgemein in nord-
22) Letzten Endes ist diese These nur eine Variante zu einer vor langen Jahren von W. Barthel,
in: 6. Ber. RGK. 1910/1911 (1913) 125 ff. vertretenen Theorie, die sich mit bemerkenswerter
Zähigkeit bis fast in die Gegenwart behauptet hat, wonach zu Beginn der flavischen Zeit an-
fangs der siebziger Jahre des 1. Jahrhunderts n. Chr. die — in dieser Form niemals vorhanden
gewesene! — linksrheinische Kastellreihe auf die rechte Rheinseite an den Fuß des Schwarz-
walds vorverlegt worden sei. Die Unhaltbarkeit dieser Theorie hat nach anderen zuletzt
besonders Nesselhauf (1960, 159 mit Anm. 11) dargetan. Die hier zur Erörterung stehende
Variante jener Theorie ist ebenso unhaltbar wie diese selbst; vgl. oben den Text.
23) Das Gründungsdatum von Kastell Hüfingen in frühclaudischer Zeit hat unlängst G. Ulbert,
in: Gymnasium 68, 1961, 485 f. deutlich gemacht. Danach sind die leisen Zweifel Nesselhaufs
an diesem frühen Datum (Nesselhauf 1960, 161, Anm. 15) nicht mehr gerechtfertigt. Daß
Hüfingen von Süden, von Vindonissa aus gegründet worden ist, beweisen die engen Beziehun-
gen seiner Keramik nach dort. Vgl. P. Revellio und R. Nierhaus, in: Bad. Fundber. 20, 1956;
103—121.
 
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