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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0159

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald

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doch in einem Gelände, in dem die Versorgung von Mensch und Reittier leichter zu
bewerkstelligen war als in dem menschenleeren Gebirge.
Der Helm von Grafenhausen wurde zwar, genau genommen, noch im Buntsandstein-
gebiet des nördlichen Schwarzwalds gefunden, aber nur wenige Meter vom Nordrande
des Buntsandsteins und nur zwei bis drei Kilometer nach Süden von der Römerstraße
Pforzheim—Ettlingen entfernt; er lag im Schutt eines größeren römerzeitlichen Gebäu-
des und unweit der ausgedehnten Reste eines römerzeitlichen Gutshofs, war also eindeutig
im antik besiedelten Gebiet zurückgelassen worden5). In diesem Falle ist es ziemlich un-
wahrscheinlich, daß der Besitzer des Helms seine Flucht „quer durch den Schwarzwald“,
etwa auf der angeblichen römerzeitlichen Straße Pforzheim—Baden-Baden, fortgesetzt
habe (siehe auch gleich, unter Nr. 4). Vielmehr wird er der großen Straße Pforzheim—
Ettlingen in westlicher Richtung gefolgt sein; wenn die Straße für ihn nicht benutzbar
war, weil vom Feinde gefährdet, dann wird er sich wenigstens in ihrer Nähe gehalten
haben, ohne die Verbindung zu ihr als ,Leitlinie* seines Marsches zu verlieren, ähnlich
wie wir es bei Absetzbewegungen im letzten Kriege ja auch vielfach gemacht haben.
Allenfalls aus Gründen der größeren Sicherheit könnte er einen Pfad durchs Gebirge,
der in etwa im Zuge des nachmaligen mittelalterlichen Weges von Pforzheim nach Baden-
Baden verlaufen sein mag, vorgezogen haben, falls ein solcher Pfad damals schon er-
schlossen war.
Nach alledem muß abschließend festgehalten werden, daß die beiden Helmfunde zur
Ermittlung von römerzeitlichen Pfaden durch den Schwarzwald nichts beizutragen ver-
mögen, unbeschadet dessen, daß die Möglichkeit nicht ganz von der Hand zu weisen ist,
daß die beiden Besitzer der Helme von Pfrondorf und Gräfenhausen zur Flucht nach
dem Rhein Pfade durchs Gebirge benutzt haben könnten; diese sind aber archäologisch
zumindest zur Zeit noch nicht nachweisbar.
4. Zur angeblichen Römerstraße von Baden-Baden über Gernsbach im Murgtal und
Herrenalb im Albtal nach Pforzheim (oben S. 142 ff.,Nr. 6 = Erstdruck S. 279 ff., Nr. 6).
Zu dieser Strecke stellt mir Frl. E. Ruf (Baden-Baden) als ausgezeichnete Kennerin der
Geschichte Baden-Badens und seiner Umgebung brieflich folgende Daten aus dem Mittel-
alter und der Neuzeit zur Verfügung, wofür ich ihr auch an dieser Stelle meinen herz-
lichen Dank sagen möchte.
a) Die Entfernung von Baden-Baden nach Pforzheim längs der Strecke beträgt in der
Luftlinie etwa 37 km, nicht „reichlich 20 km“, wie ich (oben S. 144 = Erstdruck S. 281)
irrtümlich angegeben habe. In Wirklichkeit ist die Strecke — auch bei Annahme ziemlich
gerader und direkter Auf- und Abstiege, wie bei römischen und mittelalterlichen Ge-
birgsstraßen üblich — etwa um ein Drittel länger als in der Luftlinie, also insgesamt etwa
50 km lang, da im Gebirge drei steile und beschwerliche Auf- und Abstiege zu bewältigen
sind. Um so notwendiger wären folglich schon in römischer Zeit Rast- und Umspann-
stationen (mansiones) an der Strecke gewesen, vergleichbar derjenigen beim Hofe Brand-
5) Zu den Fundumständen: Haug-Sixt a. a. O. 198, Nr. 116; Paret a. a. O. III, 2, 310, Grafen-
hausen Nr. 3. — Die ausgedehnten Reste des Gutshofs siehe bei Paret a. a. O. 309, Gräfen-
hausen Nr. 1. — Allgemein zur Lage der Siedlung am Nordrande des Buntsandsteins: Paret
a. a. O. III, 1, 204 f.
 
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