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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0163

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Römische Straßenverbindungen durch den Schwarzwald

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gewöhnlichen Wohnhäuser, die, wie vielfach im Limes-Hinterland, wohl nur aus einem
leichten Steinfundament mit niedrigem Steinsockel und einem Oberbau aus Fachwerk
bestanden haben werden, vollständig vernichtet und die schweren Substruktionen der
großen Gebäude so tief verschüttet, daß sie nur bei überdurchschnittlich tiefen Aus-
schachtungen angetroffen werden können.
Aber nicht nur längs des Gebirgsrandes, auch draußen in der Ebene haben die vom
Schwarzwald herunterströmenden Gewässer in Verbindung mit tektonischen Hebungen
und Senkungen — wie oben (S. 129 — Erstdruck S. 263) bei Besprechung des Verlaufs der
unteren römischen Kinzigtalstraße zwischen Straßburg und Offenburg schon dargetan —
die antike Oberfläche durch Abtragung und Aufschüttung derart verändert, daß von der
Kinzigtalstraße wie von den oben erwähnten römischen ost-westlich führenden Stich-
straßen bis jetzt sich nichts hat im Gelände nachweisen lassen — von der von Riegel a. K.
ausgehenden und im nördlichen Kaiserstuhl-Vorland verlaufenden Stichstraße abgesehen
(siehe Anm. 11). Entsprechende Beobachtungen über starke Veränderungen der alten
Oberfläche in der Ebene konnte R. Lais anläßlich der Ausschachtung des Panzersperr-
grabens Norsingen—Munzingen anstellen; sie wurden von W. Kimmig in konzentrierter
Form vorgelegt17). In den Einzelbeschreibungen der Abschnitte des Grabens findet sich
immer wieder die Angabe, daß vorrömische und römische und selbst nachrömische Funde
über eine längere Strecke verstreut — also nicht etwa in scharf umrissenen Gruben! —
in 1 bis 2 m Tiefe und darüber angetroffen worden seien18).
Alle diese Daten lassen erkennen, wie stark die heutige Oberfläche am Gebirgsrand wie
in der Ebene sich von der antiken unterscheidet und wie tief unter dem modernen
Niveau die antiken Gegenstände, Baureste, Straßenkörper usw. liegen, falls sie nicht
überhaupt gänzlich vernichtet sind. Über die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen
antike Reste (z. B. Straßenkörper) auffinden zu können, kann hier nur ein früher einmal
mit Bezug auf den Befund auf Gemarkung Leiselheim (vgl. Anm. 15) in den „Badischen
Fundberichten“ formulierter Satz wiederholt werden: „Mit den üblichen Methoden der
Geländebegehungen zur Feststellung von Römerstraßen ist hier nichts auszurichten. Man
ist auf gelegentliche Aufschlüsse von genügender Tiefe angewiesen.“19)
Demgemäß kann nicht erwartet werden, daß sich der Verlauf der römischen Gebirgsrand-
straße im Bereich der Freiburger Bucht mit Sicherheit feststellen lasse. Es muß zumindest
vorerst, bis vielleicht einmal hinreichend tiefe Bodenaufschlüsse genauere Auskunft ge-
währen, offen bleiben, ob die römische Nord-Süd-Straße, dem Gebirgsrand folgend, die
ganze Freiburger Bucht ausgelaufen hat — dafür würden vielleicht die älteren Straßen-
körper unter der Bundesstraße 3 südlich Freiburg sprechen, siehe oben S. 154 —, oder ob
sie südlich Kenzingen die Elzniederung überschritten hat, um, die Freiburger Bucht ab-
schneidend, über das römische Riegel am Ostrand von Kaiserstuhl und Tuniberg entlang
zu führen und über die Mengener Brücke den Gebirgsrand etwa in der Gegend von

17) Bad. Fundber. 18, 1948—1950, 305 f.
18) z. B. ebenda 310, Nr. 32; 312, Nr. 54; 313, Nr. 60/61 und 72; 314, Nr. 74; vielleicht 315,
Nr. 77; 315 f., Nr. 91. — Einige weitere Fundpunkte könnten hierher gehören, doch reichen
die Unterlagen zu ihrer Beurteilung nicht aus.
19) Bad. Fundber. 18, 1948—1950, 302.
 
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