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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0171

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Eine Schnalle mediterraner Form aus dem Reihengräberfeld Güttingen, Ldkrs. Konstanz

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einer kleinen, in der gleichen Technik verzierten Schnalle vermutlich in die Mitte des
siebten Jahrhunderts gehört. Einschränkend muß dabei festgestellt werden, daß nach dem
bisher publizierten Material die frühen und späten Teile dieses Gräberfeldes nicht mit
Sicherheit zu trennen sind, vor allem auch der Beginn „langobardischer“ Tauschierung in
Italien nicht absolut festliegt. Da für die Nekropole von Nocera Umbra ebenfalls keine
Stratigraphie erarbeitet ist (Grab 133, Taf. 68, 5. — A 79) und die aus kleineren Fund-
komplexen stammenden Vergleichsstücke noch weniger feste Anhaltspunkte liefern, bleibt
der chronologische Wert des Befundes aus Castel Trosino vorerst diskutabel. Erschwerend
tritt hinzu, daß gerade die nördlichen Teile des Friedhofs, wo mit der Mehrzahl der
reichen Bestattungen auch Grab T liegt, schon vor der planmäßigen Untersuchung teilweise
zerstört waren. Immerhin wurden in diesem Bereich auch Frauengräber des beginnenden
siebten Jahrhunderts aufgedeckt; eine Analyse des Belegungsablaufs könnte also durchaus
noch neue Ergebnisse bringen und eine Korrektur des hier gegebenen späten Zeitansatzes
notwendig machen.
Gleichfalls aus einem reichen Grab stammt wohl die Schnalle aus Clery (Taf. 67, 7. —
A 35), doch bestehen Zweifel an der Geschlossenheit des Fundes, der u. a. zwei silber-
vergoldete Bügelfibeln mit gleich breitem Fuß, zwei rosettenförmige Almandinfibeln, zwei
Haarnadeln, einen Ring und eine Glasschale enthielt. Der zeitliche Ansatz dieses „Inven-
tars“ in das spätere sechste Jahrhundert paßt allerdings gut zu dem Bild, das uns die teil-
weise stratigraphisch datierbaren Vergleichsstücke aus Lavoye (Dep. Meuse) vermitteln15):
von insgesamt sechs Schnallen mit festem Beschläg gehören zwei zu unserem Typ, wenn
auch beim punzverzierten Exemplar des Frauengrabes 161 (A 45) der flache, gravierte
Mittelsteg erst nachträglich aufgelötet wurde. Die mitgefundene Kleeblattfibel aus Bronze
läßt sich chronologisch nicht verwerten, da sie als altes Einzelstück beigegeben wurde und
zur Zeit der Bestattung keine Trachtfunktion mehr besaß. Besser läßt sich eine ebenfalls
zugehörige Bronzeschnalle mit Eisendorn beurteilen: nach der stratigraphischen Auswer-
tung folgen die einfachen Formen mit eisernem Dorn auf die Schnallen mit breitem,
kräftig profiliertem Schilddorn, vielleicht gleichzeitig mit den verzierten Stücken, die am
Ende der „Entwicklung“ stehen16). Ähnlich wie in Bülach17) ist damit diese Variante für
den Beginn des siebten Jahrhunderts gesichert, wenn auch immer mit Einzelstücken zu
rechnen bleibt, bei denen ein verlorener Bronzedorn auf diese Weise ersetzt wurde. Schwie-
riger einzuordnen ist die Schnalle des Kindergrabes 272 (A 46), da hier die Lage im Fried-
hof nicht eindeutig interpretiert werden kann. Doch bleibt eine den verwandten Schnallen
(aus den Gräbern 104, 197 und 280) entsprechende Datierung ins ausgehende sechste oder
beginnende siebte Jahrhundert wahrscheinlich.
Spätestens in diese Zeit gehört auch eine mit Franziska und Bronzepinzette vergesell-
schaftete Schnalle aus Tournai (A 64), doch erlauben diese häufig auch in älteren Zusam-
menhängen belegten Beifunde keine exaktere Einstufung.
15) Publikation des Gräberfeldes durch R. Joffroy in Vorbereitung. Die folgenden Angaben be-
ruhen auf einer Planauswertung durch R. Koch und den Verfasser im Rahmen eines Münche-
ner Seminars.
16) Erstmals gibt die Planauswertung von Lavoye die Möglichkeit, verschiedene Varianten der
Schilddornschnalle chronologisch zu interpretieren und die bei anderen Gräberfeldern nur
angedeutete Gliederung auch statistisch ausreichend zu stützen.
17) !• Werner, Bülach, 24.

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