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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0176

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Gerhard Fingerlin

zeitige Grablegung gegen Ende des sechsten oder zu Beginn des siebten Jahrhunderts, für
die Schnalle eine Bestätigung der bisherigen Ergebnisse.
Für ein gleichfalls zerbrochenes Exemplar aus der gepidischen Nekropole von Kiszombor
(Grab 244. — E 19) gilt der schon für Szentes-Berekhät (A 82) und Szentes-Kökenyzug
(A 83) ermittelte terminus post quem von 568. Es läßt sich des geraden vorderen Rahmen-
abschlusses wegen diesem Typ zuweisen. Von dessen übrigen Vertretern: Kaiseraugst Grab
287 (E 5), einer weiteren Schnalle aus Basel-Bernerring (E 1), Nordendorf Grab 54 (E 21),
Mindelheim Grab 51 (Taf. 69, 8. — E 10) und Herten Grab 166 (Taf. 69, 9. — E 2) sind
die beiden letztgenannten trotz indifferenter Beifunde von chronologischem Interesse.
Wie schon J. Werner in seiner vorsichtigen Auswertung des Plans betont, läßt sich in
Mindelheim der Belegungsablauf nicht mit wünschenswerter Deutlichkeit rekonstruieren,
so daß eine stratigraphische Einordnung des Frauengrabs 51 immer diskutabel bleibt.
Frühdatierung scheidet allerdings mit Sicherheit aus, da nur die Bestattungen im Zentrum
in den Beginn des siebten Jahrhunderts gesetzt werden können. Dagegen ist die in der
Übersichtskarte vorgenommene Zuweisung an die dritte Belegungsphase (letztes Drittel
des siebten Jahrhunderts, Karte 3) weder mit typologischen noch horizontalstratigraphi-
schen Überlegungen ausreichend zu begründen. Auch das nördlich (gegen das Zentrum)
benachbarte Männergrab 53 mit Sax und vielteiliger Garnitur liefert dafür kein stich-
haltiges Argument. Wenn auch in Mindelheim — wie in anderen Gräberfeldern — die
Mehrzahl der mit Nebenriemen besetzten Gürtel ins letzte Jahrhundertdrittel gehören
dürfte, spricht doch nichts gegen eine Gleichzeitigkeit ihrer frühesten Vertreter mit älteren
„dreiteiligen“ Garnituren. Im Anschluß an eine erste Zusammenstellung der Spiral-
tauschierung, die ein sehr häufiges Motiv dieser Garnituren bildet, kommt H. Dann-
heimer34) zu dem Schluß, daß die „Hochblüte dieser Zierweise einsetzte, als die Zellen-
werk imitierenden Tauschiermuster bereits aus der Mode gekommen, andererseits aber die
späten plattierten Garnituren noch nicht üblich waren“. Wir können also — dies ist die
nächstliegende Konsequenz — schon vor der Jahrhundertmitte mit Spiraltauschierungen
und damit auch den ersten, wenn auch sicher noch vereinzelten, vielteiligen Garnituren
rechnen. Keiner der bisher in anderem Sinn ausgewerteten Gräberfeldpläne spricht gegen
diese Möglichkeit. Das schon erwähnte Grab 53 von Mindelheim liegt zwischen Bestat-
tungen mit unverzierten und tauschierten dreiteiligen Garnituren, während die Mehrzahl
der „Vielteiligen“ aus peripher gelegenen Gräbern stammt. In Pulling (Ldkrs. Freising35),
wo K. Schwarz das relativchronologische Verhältnis beider Typen bestätigt fand, ist die
Verteilung der betreffenden Gräber keineswegs eindeutig. Im Gegenteil läßt sich aus der
fast gleichmäßigen Streuung über den größten Teil des Friedhofs ein Argument gegen einen
allzu eng gefaßten zeitlichen Ansatz der vielteiligen Garnituren gewinnen. „Das Vor-
herrschen der jüngeren Gegenstände des letzten Jahrhundertdrittels“, wesentlich für die
anschließenden Überlegungen zu Siedlungsgeschichte und soziologischer Gliederung, läßt
sich also aus dem Pullinger Befund nicht unbedingt deduzieren, sondern ist nur als
Analogieschluß zu Mindelheim verständlich. Auch in Göggingen (Ldkrs. Augsburg)36) sind
34) H. Dannheimer, Neue Reihengräberfunde aus Bayerisch Schwaben. Bayer. Vorgeschichtsbl. 25,
1960, 188 und 201 mit Anhang III.
35) K. Schwarz, Neue archäologische Zeugnisse frühmittelalterlichen Landausbaus. Bayer. Vor-
geschichtsbl. 23, 1958, 101 ff.
30) F. Stein, Das alamannische Gräberfeld von Göggingen. Bayer. Vorgeschichtsbl. 26, 1961, 75 ff.
 
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