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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0178

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170 Gerhard Fingerlin

aus gesicherten „vorlangobardischen“ Zusammenhängen bekannt sind40). Weiter ließ sich
wahrscheinlich machen, daß der für Italien verbindliche terminus post quem auch für die
im gepidischen Siedlungsraum gefundenen Stücke Gültigkeit hat. Datierende Gräber aus
Spanien sind trotz zahlreicher Neufunde bisher nicht bekanntgeworden41). Die wenigen
im engeren Sinn zugehörigen Schnallen stammen hier aus Friedhöfen, die sich ins siebte
Jahrhundert hinein fortsetzen und daher keine Möglichkeit zu einer zeitlichen Eingren-
zung bieten42). Spätdatierung scheidet jedoch mit Sicherheit aus. Auch in keinem anderen
Gebiet ließen sich Bestattungen nach 650 anführen. Selbst für eine Herstellung dieser
Schnallen bis in die Mitte des Jahrhunderts gibt es keinerlei Hinweis, wenn auch einige
lang getragene Stücke erst zu dieser Zeit in die Erde kamen. Vielmehr kennzeichnet die
überwiegende Datierung in die Zeit „um 600“ ohne Zweifel auch den Höhepunkt der
Produktion, während das Ende dieser Typen wohl dem Auslaufen der einfachen ovalen
Schilddornschnallen parallel ging. Als wichtigstes Ergebnis muß betont werden, daß die
Datierung im ganzen Verbreitungsgebiet sehr einheitlich ist, sich also nirgends ein deut-
liches chronologisches „Gefälle“ abzeichnet, das die Frage nach der Herkunft dieser Formen
beantworten könnte43). Es bleibt daher nur die Möglichkeit, nach unmittelbaren formalen
oder technischen Vorlagen zu suchen, die sich vielleicht in ihrer Verbreitung auf bestimmte
Gebiete beschränken lassen. Der Schilddorn mit seinen zahlreichen Spielarten ist für diese
Untersuchung zweifellos nicht geeignet; einziges Kriterium bleibt neben Form und Orna-
mentik weniger Stücke die technische Besonderheit des mit dem Rahmen zusammengegos-
senen Beschlägs. Wie schon einleitend betont, wird diese Lösung im merowingischen Bereich
erstmals bei den hier besprochenen Schnallen angewendet, hat also keinerlei Tradition44).
Dagegen ist dieses Charakteristikum bei „byzantinischen“ Schnallen des Mittelmeergebiets
ziemlich geläufig45). Obwohl gelegentlich schon vermutet (vgl. Anm. 2), läßt sich doch kein

40) Das bedeutet für Süddeutschland, daß keine Grabfunde der ersten Hälfte bis Mitte des sechsten
Jahrhunderts vorliegen, also kein Stück vor dem Einsetzen langobardisch-alamannischer Be-
ziehungen in die Erde gekommen ist. Zur Zeitstellung der Schnalle von Basel-Bernerring
vgl. S. 166.
41) Für Auskünfte und Beschaffung entlegener Literatur zu neueren spanisch-westgotischen Fun-
den bin ich Dozent W. Hübener, Freiburg, zu Dank verpflichtet.
42) Möglichkeiten stratigraphischer Datierung scheinen bisher nicht gegeben. Das sicher west-
gotische Gräberfeld von Estagel (Pyrenees Orientales), wo eine Anzahl verschiedener Schnal-
len mit festem Beschlag vorkommt, ergibt kein klares Bild.
43) Möglicherweise gehört die Schnalle von Basel-Bernerring Grab 33 in frühere Zusammen-
hänge. Vgl. S. 166.
Die von H. Zeiss genannten frühen Stücke, die durch Kombination mit Blechfibeln und
großen „gotischen“ Schnallen „für die erste Hälfte des sechsten Jahrhunderts hinlänglich
bezeugt sind“, gehören im engeren Sinn nicht zu unserer Gruppe. Zudem erscheint die
Datierung heute diskutabel, da über die Lebensdauer der gotischen Blechfibeln und Schnallen
noch keine Sicherheit besteht. Schon bei H. Zeiss, der für die „großen“ Schnallen eine un-
gefähre, zeitlich geordnete Formreihe angibt, erscheinen Typen des späten sechsten Jahr-
hunderts.
44) Auch die hier nicht besprochenen englischen Schnallen gehören schon ins siebte Jahrhundert.
Beispiele aus Kent: L. Lindenschmit, Handbuch, 361 Taf. I Nr. 321—322.
45) Byzantinische Schnallen mit festem Beschlag: J. Werner, Byzantinische Gürtelschnallen des
sechsten und siebten Jahrhunderts aus der Sammlung Diergardt. Kölner Jahrb. 1, 1955, 36 ff.
Abb. 2—3. — G. Behrens, Katalog Mainz, 72 Abb. 145 (Nr. o. 28089) u. a.
 
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