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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0181

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Eine Schnalle mediterraner Form aus dem Reihengräberfeld Güttingen, Ldkrs. Konstanz

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mit seiner nächsten Parallele im „burgundischen“ Friedhof von Lussy (Westschweiz)52).
Mit Ausnahme einiger noch ausstehender Sonderformen, die als lokale Ausprägungen ge-
deutet werden müssen, läßt sich so für die meisten Varianten unmittelbare Herkunft aus
Italien wahrscheinlich machen, zumindest aber das Herkunftsgebiet der Vorlagen bestim-
men, nach denen in rheinländischen, nordfranzösischen und wohl auch süddeutschen Werk-
stätten gearbeitet wurde (vgl. Anm. 25). Mit diesen teilweise schon von J. Werner heraus-
gestellten Südbeziehungen ist natürlich trotz Basel-Bernerring, Ditzingen und der franzö-
sischen Delphinschnallen die Ableitung der ganzen Gruppe von byzantinischen Formen
noch nicht erwiesen, da beim Anlegen eines strengen Maßstabes die gemeinsamen techni-
schen und ornamentalen Elemente nicht ausreichen. Auch eine Bronzeschnalle aus Nieder-
breisig53) mit kreuzförmig durchbrochenem Beschläg wird nicht allen Anforderungen
gerecht, die an ein typologisches Bindeglied dieser Bedeutung zu stellen sind. Nur drei
Funde — außerhalb Spaniens — liefern auch für die einfacheren Typen den Nachweis,
daß die bisher zusammengetragenen Indizien schlüssig sind. Die Schnalle aus St. Pierre
de Vauvray (Dep. Eure, Taf. 67, 8) 54) ist dabei durch einen Mittelsteg von halbrundem
Querschnitt besonders eng mit unserer Ausgangsgruppe verbunden, der auch das Güttinger
Exemplar angehört. Eine weitere, allerdings wenig bedeutsame Analogie ist die Befesti-
gung mit drei Nieten anstatt der üblichen Heftstege. Dagegen ist die Form des Beschlägs
im merowingischen Bereich ungewöhnlich, vergleichbar nur einer Schnalle aus dem schon
erwähnten Gräberfeld von Lussy55),'einer weiteren aus Andresy56), die aber möglicher-
weise aus Spanien stammt, entfernt schließlich dem reicher verzierten Exemplar aus der
Gegend von Macon (C 5). Vor allem das „burgundische“ Stück aus Lussy ist im Umriß
fast identisch dem byzantinischen „Standardtyp“ mit leierförmigem Beschläg, der zwar
meist mit Scharnier ausgestattet ist, jedoch auch in verschiedenen Varianten mit fester
Platte vorkommt57). Der Hinweis auf westgotische Imitationen, den J. Werner im An-
schluß an die Besprechung dieser Gruppe gibt58), soll zu einer abschließenden, knapp
gefaßten Diskussion der besonderen spanischen Verhältnisse überleiten, aus denen sich für
die Frage nach Herkunft und Werkstattzusammenhang noch ein neuer Aspekt ergibt. Wie
in erster Linie H. Zeiss59) gezeigt hat, unterscheidet sich die Masse der in Spanien gefun-
denen Schnallen ganz erheblich vom mitteleuropäischen Querschnitt (verwandte Formen
vor allem in Südfrankreich und in der burgundischen Westschweiz). Zeiss trennt dabei
„gotische“ und „südgermanische“ Formen (die Schnallen ohne Beschläg bleiben hier außer
Betracht). Entgegen der einleitenden Definition, die „südgermanisch“ als „richtiger mero-
wingisch“ interpretiert und von den Imitationen mediterraner Typen abheben will, sind
unter dieser Rubrik vorwiegend Formen zusammengefaßt, die auf byzantinische Vorbilder

52) Mon. Ant. 12, 1902, 230 fig. 80. — Lussy: M. Besson, l’Art barbare, Taf. 8, 3.
53) Museum Mannheim (Zeughaus) Inv. Nr. 35.
54) L. Coutil, Eure II, 101 Nr. 37 (hier A 62).
55) M. Besson, L’Art barbare, Taf. 8, 2.
58) L. Fournez, Andresy, Taf. 10, 4.
57) Leierförmiges festes Beschläg an Schnallen aus Leon und Altkastilien. H. Zeiss, Westgoten,
Taf. 16,1 und 17, 9.
58) J. Werner, Byzantinische Gürtelschnallen des sechsten und siebten Jahrhunderts aus der
Sammlung Diergardt. Kölner Jahrb. für Vor- und Frühgeschichte 1, 1955, 36 ff.
59) H. Zeiss, Westgoten, 111 ff.
 
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