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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0196

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Kurt Gerhardt

typologischen Beziehungen zu dem von Stemmermann (1933) angeführten Glocken-
becherschädel Feldkirch II, der mittel- bis langschädelig sein soll. Leider ist es mir noch
nicht gelungen, diesen Schädel aufzutreiben. Aus der näheren links rheinischen Nach-
barschaft war bisher lediglich die weibliche Kalotte Kuenheim, Ht. Rhin (Ulrich 1941,
Kraft 1943), bekannt geworden; sie dürfte nach den Abbildungen und der Beschreibung
dem alpiniden Typus nahestehen (Gerhardt 1953). Nunmehr sind kürzlich zwei neue
Funde der Glockenbecherkultur zutage gelangt, und zwar in Allschwil bei Basel (Schweiz)
ein Komplex von drei Gräbern, von denen ein Schädel — Allschwil II — eine Typognose
erlaubt, weiterhin ein Einzelgrab im wenig davon entfernten französischen St. Louis. Das
weibliche Kranium Allschwil II (Gerhardt 1964, Taf. 8 links, 12 links, 13 rechts) vertritt
den brachymorph-cromagniden Typus und gesellt sich damit zum Wahlwieser. Der
gleichfalls weibliche Schädel von St. Louis (rue du Temple 19; Bearbeitung im Druck) ist
leider nur in Fragmenten erhalten, doch verrät das platte Hinterhaupt zusammen mit
dem „kinnigen“ (Hellpach 1942) Unterkiefer die rassische Zugehörigkeit: wir können
somit eine neue Vertreterin des „Planokzipitalen Steilkopfes“ notieren, deren räumlich
nächste Verwandte — über das Basler Rheinknie hinweg — unsere Gündlingerin ist.
Ich möchte hier noch eine terminologische Bemerkung anfügen: als ich die Bezeichnung
„Planokzipitaler Steilkopf“ prägte und veröffentlichte (1951a), wußte ich nicht, daß
schon vorher v. Eickstedt die sehr ähnlich klingende und dasselbe bedeutende Prägung
„Steiler Hochkopf“ verwendet hat; ich stieß erst mehrere Jahre später auf eine sie
nennende Stelle in der Fünften Lieferung seiner gigantischen „Forschung am Menschen“
(v. Eickstedt 1940, in Tabelle 33 S. 563). Ich möchte aber meinen Terminus beibehalten,
weil er mir das Kennzeichnende des Kraniotypus doch noch um Nuancen treffender aus-
zudrücken scheint, zudem ist der „Planokzipidale Steilkopf“ bereits freundlich auf-
genommen worden und weit durch die Literatur gewandert.
Erwähnte Schriften
Breitinger, E.: Die Glockenbecherleute in Bayern. Verhandlungen d. Dtschen. Ges. f. Rassenforschung
10, 1940, 57—64.
Eickstedt, E. v.: Rassenkunde und Rassengeschichte der Menschheit. 1. Bd. Die Forschung am Men-
schen. Fünfte Lieferung. Stuttgart 1940, 497—624.
Gerhardt, K.: Zur Anthropologie des Endneolithikums und der frühen Bronzezeit im untermainisch-
mittelrheinischen Gebiet. Germania 29, 1951 a, 17—21.
— Neue Untersuchungen zur Paläanthropologie Mitteleuropas. 33. Ber. d. Röm.-Germ. Komm.
1943—1950, 1951 b, 1—24.
— Die Glockenbecherleute in Mittel- und Westdeutschland. Ein Beitrag zur Paläanthropologie
Eurafrikas. Stuttgart (1953).
— Gündlingen (Freiburg) „Hartle“. Zusammen mit Knausenberger und Sangmeister, Fundschau
1954—1956. Bad. Fundberichte 21, 1958, 221. Hier muß eine Korrektur angemeldet werden:
über der vierten Zeile von unten ist einzufügen: „Schädel Feldkirch II (Stemmermann 1933);
mit dem klotzigen“; ohne dieses Satzstück bliebe der Text verstümmelt.
— Schädel- und Skelettreste der Frühen Bronzezeit von Singen/Hohentwiel (Ldkrs. Konstanz).
Sonderheft 5, Bad. Fundberichte (1964).
Hellpach, W.: Deutsche Physiognomik. Berlin (1942).
Kraft, G.: Glockenbechergräber von Künheim, Landkreis Kolmar (Ober-Elsaß). Nachrichtenbl. f.
dtsche Vorzeit, 19, 1943, 36—38.
 
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