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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0221

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Alexander Ecker und der urgesdriditliche Mensch

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Wilhelm His senior und Ludwig Riitimeyer zu dem kraniotypologischen Monumental-
werk der „Crania Helvetica“ (1864) gediehen waren. Es erschien so rechtzeitig, daß
Ecker die darin verwendeten relativen Maße „adoptieren" (Ecker) und sich vor allem mit
einem der Hauptergebnisse der Autoren auseinandersetzen konnte. Es ist etwas Merk-
würdiges um den Ruhm eines Buches: die „Crania Helvetica“ haben trotz bester, reicher
Bildausstattung und klarer Analysen der vier Kraniotypen, Hohberg-, Sion-, Disentis-
und Belair-Formen, immer im Schatten der „Crania Germaniae“ gestanden. Sucht man
nach den Anlässen, so sind es mehr Fortunas Launen als triftige dauerhafte Gründe;
eine Vermutung möchte ich aber gleich entkräften: es waren nicht die robusten Ell-
bogen Germanias, die Helvetia benachteiligten, unterließen es doch die Schweizer selbst,
das rangmäßig durchaus gleichwertige Werk ihres Berners und ihres Baslers geziemend
zu rühmen; zum Beispiel enthalten die Laudatio-ähnlichen Charakteristiken der „Pro-
fessoren der Universität Basel aus fünf Jahrhunderten“ (Staehelin 1960) kein Wort über
die anthropologischen Leistungen von His (geschrieben von Wolf-Heidegger) und von
Rütimeyer (Adolf Portmann). Anfangs freilich schien es so, als hätte Ecker in einer
Deutung recht und wären die Schweizer im Unrecht: Ecker identifiziert nämlich
seinen „Reihengräbertypus“ mit den frühgeschichtlichen Germanen, speziell mit
den Franken und Alamannen, His dagegen sah in seinem Hohberg-Typus, welcher im
wesentlichen dem Eckerschen Reihengräbertypus entsprechen sollte, Römer. Eckers
emphatische Frage (1865): „Wenn alle die Insassen der Reihengräber Römer waren, w o
bleiben dann die Deutschen?“ enthüllt eine Problematik, welche jahrzehntelang die
Anthropologenschaft marterte: die Suche nach dem deutschen (= germanischen), dem
römischen, dem slawischen, allgemein dem Schädel eines jeden alten Volkes. Nur
langsam dämmerte die Einsicht, insbesondere durch Rudolf Virchows kritisches Reflek-
tieren gefördert, daß die Schädel primär ihre rassische, nicht aber ihre Stammes- oder
Volkszugehörigkeit aussagen, ferner daß bestimmte Rassen in verschiedenen Ethnika
vertreten sein können. In seiner Antwort auf Eckers Frage stellt sich His (1866) als einer
der ersten weitschauenden Forscher vor, die — wie er sagte — nicht „den römischen
Schädel, sondern d i e römischen Schädel“ suchen wollten. Wir wissen heute, daß die
Zensur „richtig“ für Eckerund „falsch“ für His unzutreffend wäre: der fragliche Kranio-
typus (bei Ecker der von Gustav Perret „bereinigte Reihengräbertypus“, 1937; bei His
der Hohberg-Typus) ist sowohl den Teutonordiden als auch einer robustmediterraniden
Variante eigen, weil beide formverwandte Aurignaciden-Abkömmlinge sind, der Unter-
schied der Rassen liegt im wesentlichen in der hellen und der dunklen Pigmentierung,
über die ein Schädel bekanntlich nichts verrät. Für uns motiviert sich die Ecker-His-
Diskussion um, aus der Kontroverse — hie Römer, da Germanen — resultierte ein
Dilemma, das im kraniotypologischen Bereich liegt und damals dort noch nicht bemerkt
werden konnte.
K. E. v. Baers Beharrlichkeit und Eckers schnell wachsendes Ansehen führten nun nicht
nur zur Gründung eines Fachorgans für Anthropologie, sondern auch zu einer von
vornherein in mehrfacher Hinsicht glücklichen Konstellation: am 7. Juni 1865 trafen sich
auf Einladung durch Ecker und Hermann Weicker, der im Jahre 1865 die v. Baersche
Anregung wieder aufgriff, in Frankfurt/Main neben den beiden Veranstaltern Eduard
Desor, Wilhelm His senior, Johann Christian Gustav Lucae, Ludwig Lindenschmit,
Hermann Schaaffhausen, Carl Vogt: alles Männer mit Namen, deren Klang über ihr
 
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