Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 17.1899

Seite: 71
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Komödie von Beel und vom Drache» zu Babel. §
1610 führte er die Komödie von der Rebecca
nach Frischlin guf. Im Jahre 1617 erhielt der
lateinische Präzeptor die Erlaubnis, die Komödie
vom Untergang Loäomae et 6c>mori-tiae zu
ngiren, wofür ihm ex aecario 60 fl. verehrt
wurden. Doch fügte der Rat bei: „sollen aber
mit dem Feuer gewahrsam umgehen". Hierauf
führte denn im August Merk im Ulmer Gym-
nasium conllugratio 8c>cic>nme, „ain erschröcklich
Tragoedin vom erbärmlichen Untergang und Ver-
derben Sodomae und übriger anliegenden Statt auf.
Um der Zuschauer willen, so lateinischer Sprache
unerfahren waren, wurde das Stück 1618 aus
dem lateinischen Exemplar Andreas Saurii in
teutsche Reime gebracht."
Zum Jahre 1641 berichtet die March-
thalersche Chronik: „nachdem sich die Pre-
digermönch anno 1531 aus dem Staub
gemacht und nachgehents deren Kloster-
ganz verkehrt und zu Kvrnschütten wor-
den, hat es sich auf Angeben Herrn Jo-
seph Furtenbach des altern (des be-
rühmten Ulmer Architekten) wieder sehr
geändert und die Gestalt eines italienischen
Spielhauses mit sonderbarer Veränderung
angenommen, darinnen sich die lateinische
Schuljugend unter des in dergleichen
Sachen so wohl geübten Herrn Konrad
Merken, Rektor und Professor am
Ulmischeu Gymnasium, Direktion oder Be-
schickung rühmlich aufgeführt, driun nach-
gehents fremde und hiesige Komödianten
gefolget."
Dieses Theater wurde im Binderhof, Littera
D. Nr. 407 erbaut. Es war 136 Werkschuh lang,
37 breit und 30 hoch. Die Sitze der Zuschauer,
die sich insgesamt in einem großen Parterre be-
fanden, trennte von der 20 Fuß langen Bühne
ein breites Orchester für die Musiker, das aber
noch eine andere, heutzutage ganz unbekannte Be-?
stimmung hatte. Man bekam nämlich vor jedem
Akt einen andern, mit anmutigen Aussichten auf
Städte und Gärten bemalten Vorhang zu sehen,
der, wenn das Spiel anging, nicht aufgezogen,
sondern, wie in den Theatern der Alten herab-
gelassen wurde, und zwar in den Raum, wo das
Orchester spielte. Die Coulissen, auf jeder Seite
sechs, bestanden aus leichtem Gerüste von Latten,
an welchem die Rahmen -mit der bemalten Lein-
wand befestigt und bei Verwandlungen auf ein
Zeichen mit einem Glöckchen schnell gedreht wurden.
Im Boden der Bühne waren hin und wieder
Klappen angebracht, die man unter dem Theater
öffnete, um das, was aus der Erde hervorzu-
kommen schien, heraufzubringen. Hinter dem
Rahmen des Hintergrundes war noch ein 12 Fuß
tiefer Raum, dessen man sich zur Vergrößerung
der Bühne bediente. Die Beleuchtung erhielt die
Bühne größtenteils von der Vorderseite her durch
eine Reihe^ von Lampen in Gläsern an: Fußboden
des Orchesters oder durch Lampen, welche rings

uni den Bogen herum, in den der Vorhang hernb-
siel, inwendig gegen die Bühne hin, befestigt
waren. Am 17..August 1641 wurde das neue
Theater durch Rektor M erk mit seinen stuckiosis
eröffnet. Gespielt wurde: „Die sehr nnmuthige
und denckwürdige Tragico-Comödiam / von dem
Leben und Geschichten Moysis, besonders-von der
Außführung des Israelitischen Volcks aus; der
Dienstbarkeit Egypti /, aus dem lateinischen M.
Caspar! Brülovii in teutsche ungebundene
Rede gebracht." 120 Personen wirkten mit. Drei-
mal wurde die Bühne, verwandelt. Die Vor-
stellung dauerte 6 Stunden! 1660 wurde das
Theater von Forte n b n ch umgebnut. Es wnr
nun 170 Werkschuh lang, 46 breit im Lichten ge-
messen. Das Gerüst oder die „Brucken" für die
Spieler nahm 60 Schuhe ein. Im Zuschauer-,
raum standen 40 amphitheatrnlisch angeordnete
Bänke, jede 37 Schuh lang und 140 Schuh breit,
die Platz für 800 Personen gewährten. Außer-
dem waren in den Gängen zu beiden Seiten Steh-
plätze für 200 Personen, so daß das Theater rund
1000 Personen faßte.
Bühne und Zuschauerraum waren durch einen
io schuh breiten und 7 Schuh tiefen Graben ge-
trennt. Hart vor den Bänken war das Vorläube-
lein, ein besonders bevorzugter Platz. „Daselbsten
sollen 16 wohlgeordnete Sessel gesetzt / damit die
Principales sampt dero Frawenzimmer / so wol
die junge Herrschafft / allda rechten Platz haben,/
der Comoedi zuzusehen?" Derbreite Graben diente
nicht nur zur Aufnahme der Musiker, sondern es
war hauptsächlich „ein Vorwerck / damit die wunder-
same/ zum Theel musterhaffte Leuth / nicht so gnr
nahent zu der Seena gelangen / noch alles / wie-
wolen nur vnbesunnen / beschnallen könnten./" Hier
wurden bisweilen 3, 4, auch 5 Vorhänge aufge-
stapelt. Wenn man einmal die Schöpfung der
Welt in einer Aktion vorstellen wollte, so würde
man wegen der 6 Schöpfungstage 6 Akte brauchen
und also 6 verschiedene Vorhänge in den Grabe»
fallen lassen. Die Vorhänge waren mit anmutigen,
perspektivischen Aussichten auf Paläste, Städte
und Gärten bemalt. Von diesen wurde der schönfte-
beim Anfang des Schauspiels gebraucht und unter
Pauken und Trompetenschall herabgclnssen. Das
machte immer eine große Wirkung. Der erste
Vorhang wurde „darumben auffgezogen / damit
die Speetntores am-hir.eingehen/ der Scena in-
wendigere Geheimnuß und Beschaffenheit nicht so
leichtlich erforschen / sondern mit großem desiderio,
was da geschehen werde / erwarten müssen / welches
dann im hcrunterfallen des; Vorhangs / nur desto
größere Verwunderung verursachen thutZu
beiden Seiten des Zuschauerraums waren Fenster,
die beim Beginn der Vorstellung verhängt wurden.
Für die Beleuchtung des Theaters sorgten 50
Lampen, die Einrichtung ließ 3 Verwandlungen,
also 4 Scenerieen zu:
1) Einen Lustgarten.
2) Ein Feldlager.
3> „Thut den.Berg und Fölsen gleichsehen."
An Wolken unterschied man viererlei:
1/ „Den ersten Wollten, darinnen drei) Engel
sitzen können.
2) Den andern Wolcken, der durch ein Schöpf-
brunnenzug heruntergelassen wird.
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