Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 23.1908

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Matthies-Masuren :

R. DUHRKOOP-BERLIN.

Freilicht-Studie.

DÜHRKOOP UND DIE MODERNE BILDNIS-PHOTOGRAPHIE.

Als 1894 im Anschluß an die Hamburger
f~\ Ausstellung der erste Ruf nach einer
Reform der Bildnisphotographie ertönte, hatte
man so gut wie keine Anhaltspunkte in welcher
Richtung dies geschehen könnte. Die Aus-
stellung selbst gab keine bestimmten An-
regungen. Was sie an Bildnisaufnahmen
enthielt, unterschied sich nur unwesentlich
von dem, was das Publikum vom Berufs-
photographen verlangte. Nur Andeutungen
fanden sich in den Bildern einiger Amateure.
Sie wurden von Freunden der Bewegung auf-
gegriffen und als Einleitung für die Agitation
gegen die banale Gleichförmigkeit, die »dem
Berufsphotographen aufgezwungen war«, benutzt.
Diese Andeutungen bezogen sich vorläufig
nur auf Äußerlichkeiten wie Retusche, Stellung
und Beiwerk. Die Bildmäßigkeit und Psycho-
logie des photographischen Bildnisses wurden
davon vorab nicht berührt, da die Unterlagen
noch gänzlich fehlten.

Die folgenden Jahre brachten dann die

zahlreichen Ausstellungen und bekannten Aus-
einandersetzungen über die Weiterentwicklung.
Die Erfolge der Liebhaber mehrten sich und
die Beteiligung der Berufsphotographen wurde
Notwendigkeit. Ebenso bekannt ist, daß ein
paar Berufsphotographen dann sofort in die
Bewegung einzulenken suchten. » Sie gestanden
unumwunden zu, daß sie bei den talentvollsten
der Liebhaber in die Schule gehen müßten.
Sie übernahmen die neuen — besser wieder-
belebten — Techniken, die neue Aufmachung,
die neuen künstlerischen Gedanken. Und die
Ausstellungen brachten ihnen ein neues Publikum.
In den ersten Jahren ging es langsam, dann
aber erwies sich die Bewegung als unauf-
haltsam und unwiderstehlich«.

Hamburg war durch die ungewöhnlich
rege Tätigkeit der »Gesellschaft zur Förderung
der Amateurphotographie« prädestiniert, auch
die Initiative in dem Kampfe gegen die kon-
ventionelle Bildnisphotographie zu ergreifen.
Sie tat es in anerkennenswerter Weise, indem

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