Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 23.1908

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PROFESSOR WILHELM TRUBNER.

»Heidelberger Schloß«

DER FRANKFURT-CRONBERGER KÜNSTLER-BUND.

Soweit künstlerische Ideen und Richtungen
gesund und von dem Zwang der Ent-
wicklung geboren sind, tragen sie die innere
Kraft des Lebens und der Fortbildung in
sich selbst. Aber zunächst bestimmen sie
qur Ziele und lassen der neu gewonnenen
V gerschar das Suchen nach den hinleitenden
Ähnen, gewähren unendlich vielfältige Mög-
Jcl keiten des Strebens und Findens.

So wird der Geist der Umgebung und
ihrer traditionellen künstlerischen Gesinnung
fördernd oder hemmend einwirken können,
und was an dem einen Ort die rasche Arbeit
weniger Jahre löst und bildet, das schaffen
am andern nicht Jahrzehnte ernsten Bemühens.

Daß der Grundzug des echten, einge-
sessenen Frankfurtertums von jeher demo-
kratisch war und noch ist, weiß jedermann.
Aber daß die Frankfurter in künstlerischen
Dingen von einer ausgesprochen konservativen

Gesinnung sind, schwer beweglich und unzu-
gänglich neuer Lehre und ihrem Beispiel, das
wird erst glaubhaft nach einer Erwägung und
Erkenntnis der gleichen Verhältnisse an anderen
Orten, wo der materielle Besitz in besonderem
Maße gehäuft ist.

Den rechtzeitigen Anschluß an die Er-
neuerung unserer Lebenskultur hat Frankfurt
gründlich versäumt. Das kommt betrüblich
schon im äußeren Stadtbild, gerade in den
neuen während der letzten fünfundzwanzig
Jahre rasch emporgewachsenen Stadtteilen zur
Geltung. Wie unerfreulich die Häufung über-
ladener Fassadenbauten übelsten Protzenstils, die
Herabwürdigung des Hauptzugangs zur Stadt,
der Kaiserstraße am Hauptbahnhof, durch eine
ununterbrochene Reihe niederer Schaustellungs-
und Bierkonzertlokale, durch Ausstattungen
von fürchterlicher Geschmacklosigkeit trotz
allen aufgewandten Prunkes selbst in ganz

1909. II. 1.

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