Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 23.1908

Page: 27
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1908_1909/0043
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Zur Tierplastik. Eine Ergänzung.

r. dührkoop—berlin, Bildnis: Dr. Ludwig Wüllner.

genauere Begründung meines Standpunktes das
Problem tiefer beleuchten.

1. Nach meiner Auffassung sind in der Natur
die Formen der Tiere, sowohl in der Linienführung
wie in den Flächen, so eng begrenzt, daß jede
Weitung zur Form eines andern Tieres hinüber-
führt. Nur der Künstler, der feinster Kenner der
Tiere ist, vermag die charakteristische Linie eines
Geschöpfs in ihren Schwingungen so feinsinnig
zu erfassen, daß er sich Stilisierungen leisten
kann, ohne grade dem Charakteristischen des
betreffenden Tieres Schaden zu tun. Von diesem
Gesichtspunkt aus betrachtet, darf man sowohl
der Großplastik und ihren Pferden, Widdern usw.

ZUR TIERPLASTIK. EINE ERGÄNZUNG.

Im Augustheft dieser Zeitschrift stand kurz vor
1 meinem Aufsaß „Von der deutschen Tier-
malerei" eine kleine Betrachtung von Wilhelm
Schölermann über Gauls Tierplastik, darin der
Saß: „Auf die Probe gestellt hält die nur nach-
bildende Tierplastik doch vielleicht nicht so stand,
wie die zum Stil erhobene", während ich kurz
darauf für größere naturgetreue Durchbildung
jeglicher Tierkunst plädierte. Da so durch Zufall
zwei Meinungen stark gegeneinander stehn, sei
es mir erlaubt, zur Ergänzung die meinige wenig-
stens zu begründen. Vielleicht auch kann

eine

27
loading ...