Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 23.1908

Page: 164
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1908_1909/0183
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile


n
■■
a

o



o






.*

D
«■
D

a

MÜNCHENS ERNTE 1908.

VON DK- EMII. UTITZ PRAG.

Da ich den Aufsaß schreibe, geht die Münchner
Ausstellung zu Ende. Gar vieles ward über
sie geschrieben; Begeisterung und Hohn knüpften
an ihre Taten. Aber selten hörte ich die Frage
erörtern, was denn diese Veranstaltung an neuen
Werten bot, und lediglich sie vermögen derartigen
Unternehmungen ihre künstlerische Berechtigung
zu verleihen. Man kann auch einen anderen Stand-
punkt einnehmen und sagen: das Verdienst liegt
in der grogzügigen Vorführung moderner, ge-
diegener Kaufware, wodurch das Publikum er-
zogen wird. Die Bedeutung einer solchen an-
gewandten Kunst-Pädagogik bestreite ich nicht,
aber sie allein begründet weder, noch fördert sie
den Ruf einer Stadt als Kunststadt. Das können
lediglich künstlerische Großtaten, die kühn in
die Zukunft weisen. Und dieser Frage wollen
wir im folgenden nachgehen, wobei wir hier
gleich feststellen wollen: die kunsterzieherische

164

Absicht der Ausstellung scheint uns voll gelungen;
also Kunsterziehung ist noch nicht Kunstleistung,
denn erstere vermag auch durch guten Durch-
schnitt des Vorgeführten erreicht zu werden, serjt
also nur ein gesundes Mittelmag, aber keine
Höhen voraus. Und nach ihnen geht unser
Streben, und sie dürfen wir auch von einer Aus-
stellung fordern, welche die ganze ästhetische
Kultur Münchens zusammenfaßt; denn nur so
kann München seine führende Rolle zeigen und
behaupten. Ganz absehen wollen wir natürlich
im folgenden von all den reichen Darbietungen,
die mit Kunst in keinem Zusammenhange stehen.
Was aber Kunst ist, wollen wir nüchtern prüfen
und wägen. Mag also das folgende vielleicht
pedantisch erscheinen, so würde ich darin noch
keinen Mangel erblicken, denn es soll lediglich
wertende Zusammenfassung allgemeiner Ergeb-
nisse sein. Und da kommt es nur auf Richtigkeit an.



a

a

a

a

a

a

a
.*
a

D

a

_■

«


loading ...