Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 23.1908

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PROFESSOR PETER BEHRENS.

Ausstellungs-Gebäude der Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft.

NEUES VON PETER BEHRENS.

Am liebsten hätte ich diese Zeilen »Peter
_ Behrens und die A. E. G.« überschrieben.
Denn dieses seltsame Verhältnis ohne Vorbild
beschäftigt heute die Zirkel der Interessierten
beinahe noch mehr, wie die Person des
Künstlers. Die doch seit ihrem ersten
öffentlichen Hervortreten die Gemüter oft
genug erregt hat. Kaum einer der »Modernen«
hat ja so widersprechende Aufnahme gefunden,
begeisterte Nachfolge wie heftigste Ablehnung.

Es mußte zunächst überraschen, als eine
reine Erwerbs- und Fabrikations-Gesellschaft
wie die A. E. G., die nur Maschinen und
technische Artikel hervorbringt, sich einen
künstlerischen Beirat bestellte, und noch dazu
eine Persönlichkeit wählte von so aus-
gesprochener Sonderart. Der Name Behrens
bedeutet ein künstlerisches Programm,
eine höchst individuelle Kunstrichtung, die
Kompromisse nicht kennt. Gewiß ragte
Behrens als eine anerkannte Potenz hervor,

aber er war von dem Mal einer starren,
intransigenten Manier gezeichnet. Warum
wählte man gerade ihn, diesen entschiedensten
Formalisten? Und hat der Eigene, der
Fanatiker des persönlichen Stils wirklich mit
den fremden, so ganz anders gerichteten
Willen eine fruchtbare Verbindung eingehen
können ?

So frug und frägt man sich noch. Eine
oberflächliche Interpretation sei hier a limine
zurückgewiesen. Man wollte mit Behrens
nicht Reklame machen. Ein Unternehmen
wie die A. E. G. hat solche Tricks nicht
nötig, und ein Mann wie Behrens hätte sich
dazu nicht hergegeben. Tatsächlich wird
auch der Name Behrens in den Ankündigungen
der Gesellschaft kaum oder nur diskret
genannt. Es kann also nur ein tiefer liegender
Grund den Ausschlag gegeben haben.

Es war latent, wohl nicht klar bewußt,
ein Bedürfnis nach einem Künstler
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